Blogtalk mit Klaus Eck von PR-Blogger

Liebe Leser, am 24.03.06 von 17:00 – 18:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Klaus Eck. Wer Klaus Eck nicht kennt, sollte einfach in seinem Blog oder hier vorbeischauen…

(Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 24.03. von 17:00 – 18:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))

Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Gibt es eine Einnahmequelle für Blogger?
- Sind Blogs schon Web2.0?
- Zukunft der Blogs?
- u.a.

Blogtalk heute mit Klaus Eck ab 17:00 Uhr:

Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen sechsten Gast Klaus Eck. Ist das was wir jetzt gerade hier im Blogtalk machen schon Web2.0?

Klaus Eck: Noch befinden wir uns eigentlich im Web 1.0, aber wer weiß, vielleicht streifen wir technologisch bereits durch das Kommentieren und Posten das Web 2.0 und 3.0. Letztlich ist das eine Frage der Begrifflichkeit. Viele Onliner sehen Blogs bereits als Teil des Web 2.0, weil Blogs eine größere Interaktion als klassische Websites zulassen. Ich persönlich bevorzuge dafür den Begriff Social Software. Allerdings habe ich nichts gegen die Aufbruchsstimmung, die mit dem Web 2.0 vermittelt werden soll.

Bloggerator: Was meinen Sie, wie könnte die Zukunft der Blogger aussehen? Gibt es eine Zukunft für Blogger auch in finanzieller Hinsicht?

Klaus Eck: Die Zahl der Blogger und ihrer veröffentlichten Beiträge wird weiterhin rasant zunehmen, allerdings werden die Zuwachsraten sicherlich mit der Zeit ein wenig nachlassen. Je mehr Menschen bloggen, desto weniger machen Begriffe wie Blogosphere noch Sinn. Vielleicht reden wir irgendwann gar nicht mehr von Bloggern, weil das längst für viele selbstverständglich geworden ist, regelmäßig privat oder beruflich zu bloggen.

Die meisten Blogger haben überhaupt kein Interesse an einer finanziellen Entschädigung für das Betreiben eines Weblogs. Sie interessiert in erster Linie, dass sie ihre Leser – oftmals Freunde und Familienmitglieder – erreichen. Selbst an der Einbindung von Anzeigen haben deshalb relativ wenige Interesse. Aus diesem Grunde verstehe ich die Diskussion um Businessmodelle nicht unbedingt. Schließlich bloggen die meisten, weil sie etwas mitzuteilen haben.

In der Business Blogosphere werden die unterschiedlichsten Modelle erprobt. Dabei wird das Business Bloggen am häufigsten in der Kundenkommunikation eingesetzt. Die Wachstumsraten sind im deutschsprachigen Raum enorm. Seit dem Sommer 2005 hat sich die Zahl der Corporate Blogs mehr als verdoppelt. Im werberelevanten Umfeld ist es noch immer schwierig auf Blogs zu setzen, weil die Zugriffsraten in der Regel eher niedrig sind. Aber nicht zuletzt Johnny Häusler zeigt mit dem Spreeblick, dass sich auch da etwas bewegt.

Bloggerator: Sollte jedes Unternehmen ein Blog führen?

Klaus Eck: Wer heute nicht die Chancen eines Weblogs nutzt, kann schon morgen im Nachteil sein, wenn der Wettbewerb sich mit Hilfe seines Blogs besser positioniert. Insofern rate ich dazu, sich zumindest als Unternehmen mit dem Thema Corporate Blogging zu befassen.

Wer auf eine offene und transparente Kommunikation mit seinen Kunden Wert legt und schnell auf innovative Entwicklungen reagieren will, profitiert am meisten von Business Weblogs. Voraussetzung für den Blog-Betrieb sind klare und einfache Kommunikationsprozesse in den Unternehmen. Umständliche Abstimmungsarien sollten die Corporate Blogger vermeiden, ansonsten unterscheiden sich die Blogtexte sehr schnell nicht mehr vom herkömmlichen Corporate Speach.

Bloggerator: Sollten Unternehmen dann auch kritische Beiträge eigener Mitarbeiter dulden, die z.B. einen eigenen Blog betreiben? Abmahnen, Entlassen oder Hinnehmen?

Klaus Eck: Jein. Wenn die Blogger-Regeln einigermaßen nachvollziehbar und für die Mitarbeiter verständlich sind, dann muss kein Angestellter aufgrund seines Blog-Artikels damit rechnen, demnächst entlassen zu werden. Schließlich verschicken wir jeden Tag auch zahlreiche E-Mails, ohne gleich mit einer Entlassung rechnen zu müssen. Eine Blog-Policy schützt letztlich auch die Mitarbeiter, weil sie darüber mehr Klarheit erhalten. Mit Zensur hat das wenig zu tun.

Unternehmen müssen keine illoyalen Beiträge auf ihren Plattformen dulden, sollten allerdings durchaus offene Beiträge zu schätzen wissen und diese zulassen, so lange sie nicht wirklich geschäftsschädigend sind. In der Regel hat aber kein Mitarbeiter ein Interesse daran, den Erfolg seines Unternehmens zu beinträchtigen. Ganz im Gegenteil. Kunden wissen Offenheit zu schätzen. Insofern profitieren die bloggenden Unternehmen auch von einer gewissen Selbstkritik.

Bloggerator: Was ist mit den Abmahnwellen? Zur Zeit liest man ja wieder, dass einzelne Blogger abgemahnt wurden, z.B. durch die Euroweb GmbH. Wie sollten Unternehmen auf Kritik in fremden Blogs reagieren? Gleich Abmahnen oder gibt’s auch einen anderen besseren Weg?

Klaus Eck: Der Düsseldorfer Web-Dienstleister Euroweb hat durch das Versenden seiner Abmahnungen an einige Blogger und Forenbetreiber für große Kontroversen gesorgt und zahlt dafür inzwischen den Preis, dass die Kritik der Blogger in Google und Technorati sehr gut gefunden wird. Dennoch bleibt es vermutlich eher die Ausnahme, dass sich die Blogger so wie Jens Scholz gegen Abmahnungen wehren. Dazu ist die Verunsicherung zu groß, wenn man als privater Blogger eine Abmahnung in seinen Händen hält, die eine großes Drohpotential entfalten. Selbst in berechtigten Fällen sollten die Unternehmen über die Abmahnung als Mittel der Auseinandersetzung nachdenken, schließlich stehen die Kosten unter Umständen in keinem Verhältnis zum Gegenstand der Abmahnung, wenn das Thema dadurch für öffentlichen Wirbel sorgt und das Issue sogar seinen Weg in die klassischen Medien findet.

Bevor Unternehmen zum Dampfhammer Abmahnung greifen , sollten sie möglichst den Dialog mit ihren Kunden oder den Bloggern suchen. Dadurch sparen sie sich vermutlich in so manchen Fällen die aktive Krisen-PR und profitieren vermutlich sogar von der aktiven Kommunikation.

Bloggerator: Was sollten Blogger beachten?

Klaus Eck: Wenn Blogger wahre Behauptungen aufstellen, kann ihnen nicht viel passieren. Sie können sogar Unternehmen kritisieren und dabei Bewertungen vornehmen, sollten dabei darauf achten, dass diese nicht beleidigend sind und sachlich bleiben. Wer andere offensichtlich verleumdet, muss mit einer entsprechenden Gegenreaktion rechnen.

Ist eine Abmahnung unberechtigt, müssen Blogger darauf eigentlich überhaupt nicht antworten. Allerdings ist es durchaus sinnvoll, in einem Antwortschreiben darauf einzugehen und zu erläutern, warum die Abmahnung unberechtigt ist. Ansonsten kann das Unternehmen eine einstweilige Verfügung erwirken, bei der es nicht auf Recht und Unrecht ankommt. Wer hiergegen verstößt, riskiert ein hohes Ordnungsgeld oder sogar eine Ordnungshaft. Deshalb sollte man Abhmahnungen nie auf die leichte Schulter nehmen.

Bloggerator: Sollte der Gesetzgeber etwas gegen die Abmahnpraktiken unternehmen, z.B. Festsetzung der Kosten auf z.B. max. 100 Euro?

Klaus Eck: So lange es sich lohnt, massenhaft Abmahnungen zu versenden, wird es Unternehmen geben, die darauf setzen. Deshalb ist es zumindest überlegenswert. Allerdings ist der öffentliche Preis in der Aufmerksamkeitsökonomie schon jetzt sehr hoch: Wer sich durch eine übertriebene Abmahnpolitik in Szene setzt, muss sich nicht wundern, wenn darüber negativ berichtet wird. Die Kosten übersteigen schnell den Nutzen. Zumal ich nicht wirklich ein Businessmodell in der Abmahnpraxis sehen kann. Besonders produktiv scheint mir das für die gesamtgesellschaftliche Ökonomie nicht zu sein, wenn wir uns ständig Knüppel zwischen die Beine werfen.

Bloggerator: So wir sind fast eineinhalb Stunden dabei. Ich bedanke mich bei Ihnen. Zum Schluss noch: Würden Sie Blogtalk empfehlen oder sollte ich eher damit aufhören?
Und viel wichtiger: Was kommt demnächst auf uns zu? Ist das Bloggen schon alles?

Klaus Eck: Ich finde, Sie sollten damit weitermachen. Es ist ein nettes, innovatives Format.

Nach dem Next Big Thing fragen zurzeit viele. Auch auf dem DLD von Burda war das ein großes Thema. Anscheinend ist das Bloggen inzwischen für viele schon so alltäglich, dass sie nach Neuem Ausschau halten. Dabei kennen heute immer noch die wenigsten Onliner Blogs und RSS oder wollen sich am liebsten gar nicht damit auseinandersetzen. Noch unbekannter ist das Social Bookmarking, das schon jetzt die Infogesellschaft verändert.

Was momentan in aller Munde zu sein scheint, ist das Vodcasting, dass dank dem Video iPod und anderer Mediaplayer schon bald den Siegeszug nicht nur in der privaten Hemisphäres, sondern auch im Business-Bereich antreten wird. Denken Sie nur an Business-TV und die einfachen Möglichkeiten, die das relativ kostengünstige Vodcasting bietet.

Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die reale Welt immer mehr digital verdoppelt. Sprich: Unser Leben findet auch online statt, dort wird es immer mehr digitale Orte geben, in denen wir zu finden sind: Blogs, Podcasts, Vodcasts und Foren vermtiteln den Suchmaschinennutzern ein erstes Bild von uns, an dem keiner mehr vorbeikommt. Grund genug also, sich aktiv um ein digitales Reputationsmanagement zu bemühen und nichts mehr dem reinen Zufall zu überlassen. Ansonsten müssen wir uns nicht wundern, wenn ein Headhunter, Geschäftspartner oder Arbeitgeber lieber (aufgrund unserer Google-Einträge) auf uns verzichtet.

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