Blogtalk mit Markus Beckedahl von Netzpolitik

Liebe Leser, am 03.04.06 von 19:00 – 21:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Markus Beckedahl. Wer ihn nicht kennt, sollte einfach in seinem Blog oder hier oder hier vorbeischauen…

(Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 03.04. von 19:00 – 21:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))

Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Blogs und Internet
- Zukunft der Bloggerei
- Freie Software
- Abmahnungen
- u.v.a.

Blogtalk heute mit Markus Beckedahl ab 19:00 Uhr:

Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen neunten Gast Markus Beckedahl. Sind Blogger die besseren Menschen?

Markus Beckedahl: Hallo, war das jetzt schon eine Frage?

Bloggerator: Ja! Sind Blogger irgendwie anders, wollen Blogger mehr?

Markus Beckedahl: Keine Ahnung, das kann man sicher nicht so verallgemeinern. Blogs sind ein Werkzeug und jeder kann daraus etwas anderes machen.

Bloggerator: Was ist Netzpolitik.org?

Markus Beckedahl: netzpolitik.org ist ein Blog und eine Plattform rund um digitale Bürgerrechte, Politik im Netz und Open Source im Allgemeinen. Wir berichten über Entwicklungen in dem Bereich, schreiben über Netzpolitik und nutzen die Plattform auch zur politischen Kommunikation.

Bloggerator: War der Fall “Transparency International” der Anfang einer Bewegung unter den Bloggern?

Markus Beckedahl: Hoffentlich wird daraus keine längerfristige Mode. Es gibt wichtigere Probleme auf der Welt, die mehr Aufmerksamkeit von mehr Menschen benötigen als die x-te Abmahnung von Bloggern.

Bloggerator: Sollten sich Blogger mehr in die Politik einmischen?

Markus Beckedahl: Wir haben insgesamt in Deutschland ein grosses Problem mit Politikverdrossenheit. Nicht nur Blogger sollten sich mehr in die Politik einmischen und an unserer Demokratie aktiv teilnehmen. Demokratie lebt von Meinungsäusserung und Meinungsvielfalt, und hier bieten Blogs grosse Potentiale für mehr Pluralismus.

Bloggerator: Sollten Politker auch mehr Blogs betreiben?

Markus Beckedahl: Blogs bieten Politikern viele Chancen und Möglichkeiten, ihre Politik transparenter zu kommunizieren und mit den Bürgern in einen Dialog zu treten. Leider gibt es in Deutschland aber kaum Politiker, die das verstanden haben und beim derzeitigen Niveau sollte man sich nicht nach mehr sehnen.

Aber wir werden sicherlich in den nächsten 1-2 Jahren bloggende Politiker erleben, die das Werkzeug dann auch verstanden haben und selbst aktiv nutzen. Auf kommunaler Ebene gibt es davon schon einige interessante Beispiele.

Bloggerator: Sind Blogger gleichzeitig auch (Online)Journalisten?

Markus Beckedahl: Das ist eine mühselige Diskussion, die ja schon seit einiger Zeit geführt wird. Auch hier kann man nicht veralllgemeinern. Manche Blogger sind sicherlich auch (Online)-Journalisten. Aber was genau ist ein Journalist? Das kann heute auch niemand mehr einfach beantworten. Den Begriff des Citizen-Journalism finde ich recht passen als Beispiel für Blogger.

Bloggerator: Gero von Randow sagte im Blogtalk auf die Frage, ob durch Blogs das Verlagswesen in Zukunft eine Änderung erleben würde:”…Durch die Bloggerei – tja, das wüssten jetzt alle gerne und ich auch. Das Schöne an Blogs ist das zusammenklumpen von mehr oder weniger engagierten Individuen. Also das Soziale..” Wird sich in Zukunft der Journalismus ändern müssen, hat er sich schon geändert?

Markus Beckedahl: Der Journalismus verändert sich schon rasant, adaptiert Technologien und Techniken aus der Blog-Welt und es wird sicherlich noch mehr Verschmelzung geben.

Bloggerator: Welche Verschmelzungen genau, z.B. Blogs als Zuträger für “schnellere” Informationen? Hast Du Ideen bzgl. der Verschmelzungen?

Markus Beckedahl: Viele Online-News pingen beispielsweise mittlerweile Technorati & Co an, manche erlauben auch schon Trackbacks. Nachdem OhmyNews mittlerweile auch drei Mal um den Planeten kommuniziert wurde, starten auch immer mehr Online-Medien mit eigenen Citizen Journalism PLattformen und beobachten das Interesse. Und ich vermute mal, dass Blogs von Journalisten mittlerweile auch stark zur Recherche genutzt werden, da sie oft eine Art Filterfunktion für einzelne Themen bieten. Es gibt ja auch schon einige lesenswerte bloggende Journalisten und viele Experimente, gleich die ganze Redaktion bloggen zu lassen – auch wenn nicht jedes Experiment den erwünschten Erfolg bringt.

Bloggerator: In dem Fall “Transparency International” gab es ja auch auf Tagesschau.de Berichte darüber. Die allerdings durchaus für viel Wirbel innerhalb der Blogosphäre sorgten. Ist das Internet als ganzes ein Mittel zur Demokratisierung, auch der Medien?

Markus Beckedahl: Das Internet trägt durch den niedrigschwelligen Zugang sicherlich zu mehr Meinungsvielfalt und -pluralismus bei. Und das ist auch dringend notwendig als Antwort auf die zunehmende masisve Medienkonzentration, die ohne Korrektiv für eine Demokratie gefährlich werden könnte.

Bloggerator: Könnte der Weg der Freiheit, durch das Internet, in Zukunft sabotiert werden, da es eine zu große unbeherrschbare Masse ist? Du bist ja auch Gründer einer Agentur für “Open Source Technologien und Strategien”, wie kann gerade hier die Open Source Community vorbeugen? Noch mehr Tools die der Kommunikation dienen?

Markus Beckedahl: Die Freiheit ist nicht durch die “grosse unbeherschbare Masse” bedroht, das “Chaos” sehe ich eher als Vorteil. Beispiele wie Wikipedia und Linux zeigen, dass da etwas neues und sehr konkurrenzfähiges entstehen kann. Ich sehe eher Gefahr für den “Weg der Freiheit” durch zu starke politische Regulation und Technologieoligopole, die neue Standards setzen wollen.

Bloggerator: Hallo ix. :-)
Ich möchte gleich mal die Fragen von ix weiterreichen: 1. “was für „interessante“ beispiele für bloggende politiker gibt es auf kommunaler ebene? urls?” (Falls Du hier gerade keine parat haben solltest, kann ich diese natürlich auch später noch nachreichen). 2. “..war die moni-sache wirklich so unwichtig und unpolitisch? natürlich ging es vor allem um den umgang mit bloggern, aber ti-d ist doch keien unpolitische organisation, im gegenteil, korruption und korruptionsbekämpfung ist hochpolitisch. und wenn einer der „grossen player“ da so blöd mit runtergelassenen hosen dasteht und angeprangert wird, ist das dann so unwichtig? ist meinungs- und pressefreiheit unwichtig?..”

Markus Beckedahl: Ich hab jetzt keine Beispiele für bloggende Kommunalpolitiker parat. Beim surfen stosse ich ab und an auf interessante Blogs, die ich mir aber nicht merke, weil sie für mich unrelevant sind (Ich wohne in Berlin und habe dort noch keinen bloggenden Kommunalpolitiker in meinem Lebensumfeld entdeckt).

Hab ich geschrieben, dass die Moni-Sache unpolitisch und unwichtig war oder meinungs- und pressefreiheit unwichtig wären? Ich finde Korruptionsbekämpfung auch für hochpolitisch und war etwas entsetzt, wie TI mit der Sache umgegangen ist. Prima war es auch, wie Blogs wie Wirres sich der Sache angenommen hatten.

Aber ich finde auch, dass es grössere Gefahren für Meinungsfreiheit gibt, die eine ähnliche oder noch grössere Aufmerksamkeit verdienen würden.

Bloggerator: Zurück zu Open Source, da hab ich noch ein paar Fragen: Sind die Softwarepatentbemühungen eine Strategie gegen “zuviel” Open Source Enthusiasmus? Haben die “Großen” (z.B. Microsoft) nur noch die Mittel der Gesetzgebung zur Hand? Ist die “Angst der Großen” spürbarer geworden?

Markus Beckedahl: Softwarepatente werden ja gerade wieder von Microsoft als Drohgebärde gegen Freie Software verwendet. Aber das Problem der Softwarepatente ist grösser, als nur Microsoft vs. Open Source. Softwarepatente werden gerne von grossen Playern dazu genutzt, um kleine und mittlelgrosse Mitbewerber aus dem Markt raus zu halten. Ich halte Softwarepatente als äusserst schädlich für Wettbewerb und Innovation und setze mich dafür ein, dass sie nicht in Europa legalisiert werden. Gerade die europäische Softwareindustrie ist dominiert von kleinen und mittelständischen Betrieben – die wenigsten davon hätten Vorteile durch eine solche Gesetzgebung.

Ich denke auch nicht, dass viele “Grossen” Angst vor dem Paradigmenwechsel durch den Open Source Ansatz haben, immer mehr Firmen sind neugierig geworden und experimentieren damit. IBM, HP und im Moment sehr massiv Sun Microssystems. Selbst Microsoft versucht zu verstehen, was da passiert und adaptiert schon einige Ansätze.

Aber gleichzeitig ist seit einigen Jahren auch zu beobachten, wie Microsoft mit FUD-Kampagnen gegen Linux vorgeht und durch das Quasi-Monopol versucht, proprietäre Standards zu etablieren. Und hier ist es gut und wichtig, dass die EU-Kommission dagegen vorgeht.

Bloggerator: Sollten sich Blogger der Sache annehmen? Wie könnten Blogger da helfen? Von meiner Seite übrigens ein riesiges Dankeschön an die Macher der OpenSource-Software “WordPress”. Müssten sich viel mehr Blogger auch bei den OpenSource’lern bedanken, z.B. ein OpenSource-Blogday machen und Solidarität zeigen?

Markus Beckedahl: So ein “Open Source Day” ist mal eine nette Idee. Das Internet läuft grösstenteils mit HIlfe von Freier Software. Das DNS, die meisten Mail- und Webserver, etc, was nicht allen bewusst ist. Bei mir im Büro läuft praktisch alles auf Freier Software und viele nutzen schon Firefox und/oder OpenOffice. Und man muss kein Programmierer sein, um bei Freier Software mitzuhelfen. Es werden fast immer Grafiker gesucht, die den Entwicklern helfen, Projektwebseiten, Banner oder Flyer zu gestalten. Man kann in seine Blogs Anleitungen für Problemlösungen stellen oder auf neue Software hinweisen. Mehr Aufmerksamkeit kann dem Thema sicherlich nicht schaden.

Bloggerator: Das wäre doch direkt eine Einladung an alle Blogger: Zeigt den OpenSource’lern das Ihr sie mögt. Jetzt muss nur noch ein Tag gefunden werden, der zum OpenSource-Blogday ausgerufen wird. Ix bitte Übernehmen Sie!
So wir sind schon fast 2 Stunden dabei. Ich bedanke mich bei Dir. Zum Schluss noch: Würdest Du Blogtalk empfehlen oder sollte ich eher damit aufhören?
Und viel wichtiger: Was wird die Zukunft im Opensource-Bereich bringen? Auch im Hinblick auf Blogs und Web2.0?

Markus Beckedahl: Am 16. September ist Software Freedom Day, was sich vielleicht eignen würde.

Web 2.0 ist eigentlich Open Source, aber Tim Oreilly hatte schon mit “Open Source” Ende der 90er Freie Software als Buzzwort beschrieben und brauchte irgendwas neues. Im Marketing-Buzzword könnte man Freie Software auch als “User-generated Code” bezeichnen. Wir werden in den nächsten Jahren noch viel mehr freie Projekte erleben, die es ermöglichen, innovative Kommunikationsansätze allen frei zugänglich machen. Wikipedia und Linux sind da erst der Anfang. Dazu entsteht immer mehr freie Remix-Kultur, z.B. durch die Verwendung von Creative Commons Lizenzen. Auch hier können wir das Potential und die Chancen nur erahnen, aber die stimmen mich sehr positiv.

Blog-Talk hat Spass gemacht, aber ein besseres Nutzerinterface wäre für den Schreiber sinnvoll. Wenn die ersten Kommentare da sind, muss man immer wieder beim beantworten zur Frage hochscrollen, was den Schreibfluss etwas stoppt.

4 comments

  1. zwei fragen: was für „interessante“ beispiele für bloggende politiker gibt es auf kommunaler ebene? urls? war die moni-sache wirklich so unwichtig und unpolitisch? natürlich ging es vor allem um den umgang mit bloggern, aber ti-d ist doch keien unpolitische organisation, im gegenteil, korruption und korruptionsbekämpfung ist hochpolitisch. und wenn einer der „grossen player“ da so blöd mit runtergelassenen hosen dasteht und angeprangert wird, ist das dann so unwichtig? ist meinungs- und pressefreiheit unwichtig?

  2. ah! wieder mit smilies herr bloggerator.

  3. aber nur einer, dir zu ehren.. :-)
    und noch einer, aber in den kommentaren ists ja erlaubt. aber ich habe die kritik das letzte mal angenommen und verzichte auf smilies. fast, auch fast immer..*lol*

  4. nur um das lob zurückzugeben, ich lese erst seit kurzem netzpolitik.org. bin aber immer wieder erfreut über das hohe niveau dort. und wenn dann dort die „wichtigeren“ themen angeschnitten werden werde ix nicht davor zurückschrecken auch ein paar klicks und aufmerksamkeit zu den wichtigeren themen beizutragen.

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