Blogtalk mit Moni

Liebe Leser, am 12.04.06 ab 20:30 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, wieder eine Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Moni. Wer sie nicht kennt, sollte einfach in ihrem Blog vorbeischauen…

Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 12.04. ab 20:30 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))

Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Der “Fall”
- Veränderungen
- Lehren
- Erfahrungen
- Zukunft
- u.v.a.

Blogtalk heute mit Moni ab 20:30 Uhr:

Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Moni. Und hast Du dich erholt?

Moni: Hallo und guten Abend! Ich habe mich sehr gut erholt, obwohl ich gar keinen Blogurlaub gemacht habe wie ursprünglich geplant, das ging irgendwie nicht, so auf Kommando Urlaub, das ist wie in Rente gehen, wenn man nicht weiß, was man dann machen soll.

Bloggerator: Würdest Du nochmals das heiße Eisen “Transparency International Deutschland” anfassen oder sind da noch Brandwunden?

Moni: Ich habe das ja nicht wirklich selbst angefasst, sondern es wurde mir mehr von denen in die Hand gedrückt. Also, heraufbeschwören würde ich so etwas bewusst sicher nicht, aber man kann nie sicher sein, ob jemand eine Abmahnung schickt. Ich habe in den letzten zwei Wochen, besonders bei einem Beitrag, in dem ich ein Restaurant erwähnte, schon gemerkt, dass ich mich zurückhalte. Ich bin mir selbst noch nicht ganz klar, welche Lehren ich aus dem Vorfall ziehe. Momentan die der Vorsicht, aber wie gesagt, es wurmt mich. Das ideal fühlende und das real warnende Herz schlagen da beide noch.

Bloggerator: Kannst Du schildern, was bisher, also nach dem Ti-D-Desaster, so alles passiert ist? Gabs Interviewanfragen, war Interesse von der Medienseite vorhanden usw?

Moni: Interesse von Seiten der traditionellen Medien war nur während des Vorfalls vorhanden. Dort hat man das Ganze auffallend schnell fallengelassen. Ich weiß nicht, was da im Hintergrund abgelaufen ist. Ich hörte, dass man seitens TI-D die Journalisten mit allerlei Dreck über mich und auch die Freundin, die entlassen wurde, gefüttert habe. Aber wenn so etwas nirgendwo ausgesprochen wird, kann man sich auch nicht dagegen wehren. Das haben die insofern schon ganz clever gehandhabt. Und außerdem glaube ich, dass sie auch sehr viele Kontakte haben.

Zu erfreulicheren Dingen, die sich tatsächlich ereignet haben. Zunächst einmal habe ich immer noch mehr Leser als vorher. Zwar bin ich schon Absteigerin der Woche in den Blogcharts, das war zu erwarten, aber es sind doch immer noch mehr als doppelt so viele Leser. Und eine ganze Menge Menschen haben mir Emails geschrieben, dass sie erst durch den Vorfall mein Weblog entdeckt haben, mehr darin lasen und sich von dem einen oder anderen Beitrag sehr angesprochen gefühlt haben. Das waren keine klassischen Blogleser, die jeden Tag vorbeischauen, aber ich finde es schön, dass sie zumindest kurz den ein oder anderen Text gefunden haben, der ihnen gefiel. Die Zeitschrift “Datum” aus Österreich hat mich gefragt, ob sie einen kurzen Text, der gar nichts mit dem Vorfall zu tun hat, in der nächsten Ausgabe drucken dürfen. Auch das eine positive Auswirkung.

Ein Vorstandsmitglied eines Vereines für Behinderte fragte mich, ob ich mich evtl. gesundheitspolitisch für die Rechte von behinderten Kindern engagieren möchte. Der Verein hat sich durch ein paar Mitgliedschaften in Dachverbänden positioniert und hat damit Zugang z.B. in den Gemeinsamen Bundesausschuss, in dem festgelegt wird, was die GKV bezahlt und was nicht. Ich werde über diesen Kontakt nun am 6. und 7. Mai wohl erstmal an einer Fachtagung über die Pflegeversicherung und das Sozialgesetzbuch teilnehmen.

Bloggerator: Wie hast Du die Rückendeckung aus der Blogosphäre empfunden?

Moni: Ich habe sehr viele Emails und Anrufe bekommen und wie das natürlich ist, waren die unterschiedlichsten Ratschläge dabei. Am Ende muss man auf seine eigene innere Stimme hören. Allgemein gesprochen war ich überrascht über die Schnelligkeit und die Intensität der Rückendeckung, überrascht und natürlich sehr erfreut, so viel Hilfe zu bekommen. Vielen Dank nochmal an alle.

Einige warnten davor, dass ich mich nicht instrumentalisieren lassen darf, das finde ich übertrieben. “Sich instrumentalisieren lassen”, komischer Vorwurf, überhaupt. Das geht alles in die Richtung dieser Meta-Diskussionen über Blogs und diese Meta-Diskussionen finde ich sehr ermüdend. Ich habe dazu selbst zwei Beiträge in meinem Weblog geschrieben: einen, dass ich die Debatte Blogs versus Journalismus für verfehlt halte und einen, dass es in Bezug auf das Internet meines Erachtens viel wichtigere Problembereiche gibt als ausgerechnet die dann doch (noch) recht kleine Sparte Weblogs. Ich habe durch diese beiden Beiträge mit den Meta-Fragen auf hoffentlich längere Zeit abgeschlossen.

Um noch einmal auf die Resonanz aller zurückzukommen, Blogger und Nicht-Blogger: das war wieder einmal eine beeindruckende Erfahrung, ich habe das schon öfter im Leben erlebt, wenn die Welt mal scheiße ist, dann ist das eigentlich auch immer der Moment, in dem andere Menschen plötzlich sehr für einen da sind, viel moralische Unterstützung geben, in diesem Fall ja auch ihre finanzielle Hilfe anboten, falls es vor Gericht geht etc. Die besten Erfahrungen mit den Menschen macht man immer dann, wenn man mit anderen Menschen oder mit dem Schicksal schlechte Erfahrungen macht.

Hey, damit habe ich sogar schon die Frage beantwortet, ob die Welt scheiße ist.

Bloggerator: Hehehe..sehr schön. Jetzt hab ich aber eine Frage weniger am Ende? Ist IX jetzt dein persönlicher Held, er hat das ja irgendwie ins Rollen gebracht. Hat sich Deine Sichtweise auf Blogs jetzt auch verändert?

Moni: Ix ist ja schon ein Held, seitdem er viel früher mal den tollsten Email-Header geschrieben hat, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die mit seiner Freundin zu tun hat und auf die ich darum gar nicht weiter eingehen will… Meine Einstellung zu Blogs hat sich eigentlich gar nicht geändert. Glaube ich zumindest. Ich habe sowieso unterschiedlichste Ansichten über Weblogs, je nachdem, ob sie privat und persönlich sind oder Sachblogs, zum Beispiel. Mache ich mit gedankenträger einerseits und Autismus-Weblog andererseits ja beides und ich habe dazu jeweils eine unterschiedliche Einstellung.

Bloggerator: Wie bist Du aufs Bloggen gekommen, war das eher Zufall oder…?

Moni: Angefangen hat alles mit Peter Praschl und seinem Sofa. Zuerst habe ich nur das gelesen, dann mehr Weblogs entdeckt, dann hier und da mal kommentiert und dann wollte ich selbst bloggen, das war ein ziemlich langsamer, aber stetiger Prozess.

Bloggerator: Was meinst Du, wohin wird der Blogzug in Zukunft fahren, muss sich irgendwann auch die Politk mit Bloggern beschäftigen?

Moni: Puh! Habe gerade meine Glaskugel verlegt… Aber im Ernst, ich denke schon, dass es in Deutschland auch weiter in die Richtung gehen wird, die man in den USA heute schon mitlesen kann. Weblogs wie “Talking Points Memo” wird es hier vielleicht auch mal geben und dann wird sich die Politik auch damit beschäftigen müssen. Heute, das muss man aber realistisch sehen, sind Weblogs vielen noch ganz unbekannt. Letzte Woche im Zug saßen mir zwei Jungen mit Laptops gegenüber, ich kam mit ihnen ins Gespräch, sie gingen auf ein Hochbegabten-Internat und waren auf dem Weg, das Wochenende bei den Eltern zu verbringen. Sie sagten mir, sie seien viel im Internet. Ich fragte sie einfach mal, ob sie wissen, was Weblogs sind und ich erntete eine gerunzelte Stirn und den Satz: “Habe ich schon mal gehört, was war das noch?”

Ich betreibe das aber sowieso nicht mit politischen Absichten, um darauf zurückzukommen. Ich finde Bloggen (Lesen und Schreiben) einfach in vielerlei Hinsicht bereichernd. Weblogs können sehr lustig oder sehr ernst sein, zum Nachdenken anregen, über Verlinkungen auf Webseiten führen, die man sonst vielleicht nie entdeckt hätte, tolle Einblicke in das Leben anderer Menschen geben, eine gute Ablenkung von anderen Sorgen sein, ein Zeitfüller, der zum Beispiel gänzlich vergessen lässt, dass man arbeitslos ist (Arbeitslos? Wieso, ich schreibe doch ein Weblog…) und vielleicht am Wichtigsten: Weblogs lassen einen vieles verstehen und geben im Idealfall ein Gefühl von Nähe zu den Menschen.

Sachblogs wie das BILDblog oder das NPD-Watchblog oder dann eben auf einem sehr viel kleineren Level unser Autismus-Weblog haben ganz andere Bedingungen und Motivationen und Ziele. Sie sind natürlich viel, viel weniger persönlich. Man möchte dort gemeinsam an einem Thema arbeiten, es geht um Informationsaustausch, auch Meinungsaustausch, aber eben in der Sache. Es geht um die eigene Weiterbildung und darum, anderen Hilfestellungen zu geben. Es geht darum, sich gemeinsam einen Überblick über ein komplexes Thema zu verschaffen. Mit dem Autismus-Weblog steckt das noch etwas in den Kinderschuhen, die Leser (Eltern, Therapeuten etc.) kennen sich mit dem Prinzip Weblog oft auch noch gar nicht gut aus. Aber die Leserschaft wird größer und es kommen mehr Kommentare, noch bin ich ganz hoffnungsfroh, dass das mal ein gutes Sachblog werden kann.

Mein Fazit ist also, dass man da sowieso erstmal zwischen privaten Weblogs und Sachblogs differenzieren sollte. Zweitere Kategorie hat in Deutschland noch einen Weg vor sich. Mit dem weiten Weg meine ich natürlich nicht das BILDblog, das da ja ein ganz hervorragender Wegweiser ist.

Bloggerator: Mal unter uns, am 18.04. ist der Blogtalk-Gast Udo Vetter, ist der wirklich so gut? :-)

Moni: Na klar, auf jeden Fall. Der ist übrigens Aufsteiger der Woche in den Blogcharts. Der hat irgendwie die längerfristigen Leser gewonnen ;-)

Bloggerator: Hast Du Heute einen “inneren Anwalt” parat bei Deinen Beiträgen, Du hast das weiter oben ja schon angedeutet?

Moni: Ja, leider schon. Wie gesagt, ich schrieb darüber, dass ich in einem Restaurant schlechte Erfahrungen mit meinem Sohn gemacht habe, man war dort nicht sehr behindertenfreundlich. Ich hätte früher sicher den Namen des Restaurants aufgeschrieben ohne weiter nachzudenken und nun ließ ich ihn lieber weg. Das ärgert mich insofern, als auch Berliner Eltern behinderter Kinder mein Weblog lesen und sich nach dem Lesen vielleicht einfach diese Erfahrung sparen könnten und woanders hingehen. Na, die Zeit heilt alle Wunden und heute habe ich mich selbst quasi zum Sprung vom Zehn-Meter-Brett verdonnert und einen Film gedisst.

Bloggerator: Ach bei Filmen darf man doch glaube ich seine freie Meinung noch sagen? Was meinst Du wie lange noch? Sollte das Abmahnwahnrecht endlich vom Gesetzgeber genauer unter die Lupe genommen werden? Was könnte man zum Beispiel ändern?

Moni: Da kenne ich mich viel zu wenig aus, um da etwas wirklich Sinnvolles sagen zu können. Ich bin jetzt Mitglied im Abmahn-Wiki, das finde ich erstmal sinnvoll, sowas zu haben. Frag doch bitte auf jeden Fall Udo Vetter diese Frage!

Bloggerator: Du hast ja jetzt im Grunde, durch das Ti-D-Desaster, Deine eigene Krisen-PR-Erfahrung gesammelt. Was würdest Du anderen Bloggern raten, wie sollte man mit so einer Situation umgehen? Kopf in den Sand oder doch den Weg nach vorne suchen?

Moni: Das muss sicher jeder selbst entscheiden. Es ist schon sehr nervenaufreibend. Das erste Anwaltsschreiben war mir derart zuwider, dass ich es einfach in mein Blog stellen wollte. Ich habe gezögert, ich wusste, dass dann der Ärger vielleicht richtig losgeht, aber ich konnte es einfach nichts übers Herz bringen, den Eintrag stillschweigend zu löschen und zu hoffen, dass der Justitiar damit Ruhe gibt. Sich so zu verhalten erschien mir einfach grundlegend falsch. Wo kommen wir denn da hin, wenn das wer-weiß-wieviele machen? Wie hoch ist da überhaupt die Dunkelziffer? Ich habe in meinem Job als Projektmanagerin früher schon ganz andere Krisen recht souverän gemeistert, ich hatte also keine Angst.

Aber als dann der Sturm richtig losging, hat sich das in den folgenden Tagen sehr negativ auf meine Familiensituation zuhause ausgewirkt. Ich will hier jetzt nicht rumjammern und schon gar keine Mitleidstour fahren, Mitleid finde ich nervig, aber ganz nüchtern und tatsächlich betrachtet, habe ich wirklich falsch eingeschätzt, wie stark diese Sache mit den Bedürfnissen meines Sohnes kollidiert. Er war nach etwa fünf Tagen völlig fertig: ich hatte einen Einzelfallhelfer im Einsatz, ich hatte wenig Zeit für ihn, ich war natürlich angespannt und er ist sehr empfänglich für Stimmungen. Er kann diese Stimmungen nicht einordnen, er war einfach orientierungslos und frustriert. Das kulminierte am Abend vor der Einigung. Zwei Stunden nachdem ich ihn kaum noch kontrollieren konnte, kam der Einigungsvorschlag als Email bei mir an (nach 22 Uhr, man hat dort also anscheinend lange gearbeitet). Ich wusste dann, dass ich diese Einigung annehmen muss, so unzufrieden ich auch damit war und bin. Es gibt keinen offiziellen Rückzug des Lügenvorwurfs von Herrn Bäumel, nicht einmal in der nicht-öffentlichen Einigung. Davon geht die Welt nicht unter, aber unbefriedigend war es unter dem Strich trotzdem.

Da möchte ich wirklich keine grundsätzlichen Ratschläge geben, weder in die eine noch in die andere Richtung. Jeder kommt aus einer unterschiedlichen Lebenslage und Position und jeder Fall wird sowieso unterschiedliche Entwicklungen nehmen…

Bloggerator: Ich finde ja, und viele andere sicherlich auch, dass Du genau den richtigen Weg gegangen bist. Ist die Solidarität unter den Bloggern in Zukunft auch ein Lobbymittel, also die Macht kehrt zum Bürger zurück? Dein Fall wurde ja auch als Monigate bezeichnet, war das vielleicht der Anfang einer neuene Bürgerrechtsbewegung?

Moni: Ich zögere, solche großen Ideen damit zu verbinden. Ich möchte eigentlich nur, dass private Weblogs in Ruhe gelassen werden. Wenn dazu allerdings eine Bürgerrechtsbewegung vonnöten ist, bitte, dann muss die eben her.

Bloggerator: Wir sind jetzt fast zwei Stunden dabei. Ich Bedanke mich bei Dir. Zum Schluss noch: Was erhoffst Du dir für die Zukunft On -und Offline?

Moni: Keine Ahnung! Weder on- noch offline. Ob ich mal wieder einen Job finde, ob ich doch noch promoviere, wie das Bloggen weitergeht, ich weiß es einfach nicht, aber das stört mich auch nicht. Ich lasse das einfach auf mich zukommen, ich bin ganz zufrieden so, wie die Dinge sind.

Vielen Dank auch für das schöne Gespräch!

6 comments

  1. [...] Momentan läuft ein Blogtalk mit Transparency-Moni.   [...]

  2. ;-) Zu Filmen darf man tatsächlich noch ganz ungehemmt seine Meinung sagen. Im übrigen auch zu Restaurants. Beschreiben was passiert ist, wenn es so passiert ist, ist nur in Ordnung.

    Ansonsten freue ich mich, dass es für Dich zumindest “unblutig” ausgegangen ist. Wenn auch wharscheinlich nicht ganz ohne Spuren!

  3. Na Super. Jetzt bin ich die Sandra Maischberger der Blogger… Oh ha. Muss ich mich auch umoperieren lassen? :-)

    Warum nehmen sie eigentlich nicht Teil Hr. Basic? Eine Email hab ich ja geschickt… :-)

  4. Andreas: “Beschreiben was passiert ist, wenn es so passiert ist, ist nur in Ordnung.” Na, das hat man bei TI-D aber gesehen, dass selbst das große Probleme bringen kann :-)

  5. “Sandra Maischberger der Blogger”, …- hast du denn auch solche Eulenaugen?

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