Liebe Leser, am 26.04.06 ab 16:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Ulrich Müller von LobbyControl…
Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 26.04. ab 16:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))
Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Lobbyismus
- Freiheit im Web
- Chancen und Risiken
- u.v.a.
Blogtalk heute mit Ulrich Müller von Lobbycontrol ab 16:00 Uhr:
Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Ulrich Müller. Sind Blogger auch Lobbyisten?
Ulrich Müller: Hallo Bloggerator und danke für die Einladung. Nein, Blogger sind erstmal keine Lobbyisten – aber Blogs können auch für Lobbyzwecke benutzt werden.
Bloggerator: Wie können Blogs benutzt werden?
Ulrich Müller: Blogs können von Interessengruppen auf verschiedene Art und Weise genutzt werden. Zum einen können sie ein eigenes Blog einrichten, z.B. gezielt für einzelne Kampagnen. Interessanter als diese Ergänzung der sowieso üblichen Kampagnen-Webseiten finde ich die Frage, wo Blogs (und Wikis oder andere neue Webformate) eher verdeckt benutzt werden.
Das was face2net (z.B. SPD-Wahlkampf 2005) virales Campaigning genannt hat:
“Virales Campaigning ist eine wichtige – wenn auch offiziell eher unauffällige Säule des Campaignings. […] Maßnahmen im Bereich Virales Campaigning tragen (unabhängig von ihrer Herkunft) keinen offiziellen, sondern meist einen anonymen oder privaten Absender.”
Quelle: Link
Bloggerator: Welche Schutzmechanismen könnten gegen diese Beeinflussung funktionieren? Gibt es da schon erste Überlegungen?
Ulrich Müller: Zentral finde ich erstmal (für Blogger wie für LeserInnen) eine gewisse Fähigkeit zur “Quellenkritik”. Also woher kommen bestimmte Inhalte, wie gefärbt sind sie etc.
Das spannende an Blogs, Wikis etc. ist außerdem, dass es damit zwar neue Beeinflussungsstrategien für Lobbygruppen gibt – aber immer wieder auch neue Möglichkeiten, diese offenzulegen. Sei es durch den Abgleich von identischen Textpassagen (z.B. in Blogs, die von Edelman PR im Auftrag von Wal-Mart “gefüttert” wurden) oder durch IP-Adressen usw.
Bloggerator: Bringen Blogs und Wikis eine neue Form der Demokratisierung, quasi aus dem Medien-Off? Bisher war der Bürger auf sehr wenige Möglichkeiten beschränkt, ändert sich das, hat es sich schon geändert?
Ulrich Müller: Ich finde das schwierig einzuschätzen – gerade mittel- bis langfristig. Klar, einerseits bieten Blogs und Wikis neue Veröffentlichungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger. Aber es bleiben auch gegenläufige Faktoren und offene Fragen: begrenzte Reichweite, Aufmerksamkeitsökonomie (und Ressourcen sind weiterhin wichtig) – und nicht zuletzt die Frage, nach Gegenkräften im Internet gegen manipulative Strategien oder einseitige Meinungsmache… Ich finde es fast spannender als die große Gesamtfrage zu stellen, an konkreten positiven oder negativen Erfahrungen weiterzuarbeiten.
Bloggerator: Was macht Lobbycontrol genau? Welche Ziele?
Ulrich Müller: LobbyControl will aufklären, wie auf Politik und Öffentlichkeit Einfluß genommen wird, und zugleich Missstände in diesem Bereich bekämpfen. D.h. wir gucken uns kritische Fälle an, wie z.B. die Schleichwerbung der Arbeitgeber-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in der Serie Marienhof. Zugleich treten wir für mehr Transparenz ein, wie z.B. bei den Nebeneinkünften der Abgeordneten.
Im letzten Jahr haben wir uns intensiv mit der Lobby-Debatte auf europäischer Ebene beschäftigt. Zusammen mit vielen anderen Organisationen aus Europa setzen wir uns dort für eine verpflichtende Registrierung von Lobbyisten und die Offenlegung von deren Auftraggebern und Finanziers ein. Wir haben dort konkrete Vorschläge gemacht (zu finden bei ALTER-EU und mit anderen Organisationen den ersten “Worst EU Lobbying Award” verliehen).
Diese Debatte ist hier leider bislang nur am Rande wahrgenommen worden. Aber nächste Woche wird die EU-Kommission dazu ein “Grünbuch” im Rahmen der European Transparency Initiative vorlegen, wo sie u.a. darlegen will, wie sie mehr Transparenz im Lobby-Bereich schaffen will. Dann wird die Diskussion möglicherweise breitere Kreise ziehen.
Neben der inhaltlichen Arbeit gibt es auch viel organisatorisches zu tun, von der Vereinsgründung über Fundraising bis zur Büro-Einrichtung und -organisation. Wir sind ja eine Initiative von Einzelpersonen und müssen erstmal Grundlagen aufbauen…
Bloggerator: Noch mal eine Frage zur “Quellenkritik” von oben, gibt es da Initiativen im Internet, die einem unerfahrenen User helfen können? Vielleicht einen Leitfaden, der Aufklärung über Strukturen bietet? Gibts da von Lobbycontrol entprechende Überlegungen zu?
Ulrich Müller: Ich kenne noch keinen Leitfaden im engeren Sinne. Ich müsste nochmal im angelsächsischen Raum gucken, da ist der Einsatz von Blogs und die Debatte weiter und zugleich gibt es eine längere Tradition von “Watchdog”-Initiativen. Ich habe die Idee im Hinterkopf, mal einige Fälle zur Beeinflussung von und durch Blogs, Wikis etc. zu sammeln und auszuwerten. Aber bislang fehlt die Zeit… Vorerst sammle ich nur Material, freue mich über Hinweise und warte auf einen passenden, ruhigen Augenblick.
Bloggerator: Wenn es einen Leitfaden gibt, dann her mit dem Link.. :-)
So wir sind jetzt 1,5 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen. Zum Schluss noch eine Frage von Gerold:”Wen will Lobbycontrol via Blog erreichen?” und noch eine, kann man Lobbycontrol Spenden zukommen lassen?
Ulrich Müller: Mal neben her an Gerold Braun: Eigentlich ist es ganz simpel: wir wollen politisch interessierte Leute erreichen, die sich im Internet tummeln oder darüber recherchieren.
Aber Ihr Beispiel (abonniert/ aber nicht gelesen) zeigt, dass es nicht so einfach ist ;-) Die Frage ist nur: ist das ein spezifische LobbyControl-Problem – d.h. gibt es Anregungen für Verbesserungen? Oder zeigt das eine generelle Begrenzung des Web2.0? Es können nun vielmehr Leute sich öffentlich äußern, aber letztendlich schafft man i.d.R. nur eine begrenzte Zahl von Informationsquellen regelmäßig aufnehmen/ verarbeiten.
Tja, die Zeit vergeht schnell – dabei hatte ich noch ein paar Beispiele im Kopf zur Frage Blogs für Lobbying. Aber die tauchen dann irgendwann bei LobbyControl auf – und den Link dazu oder zu einem Leitfaden schicke ich gerne.
Die Frage, wen wollen wir erreichen, habe ich gerade schon präventiv beantwortet ;-) Und ja: man kann uns mit Spenden unterstützen und kann diese auch von der Steuer abziehen. Leider noch nicht online, sondern nur ganz klassisch: Bank für Sozialwirtschaft, Köln/ BLZ: 37020500/ Konto: 8046200.
Wir freuen uns natürlich über jede Unterstützung – auch über Hinweise auf dubiose Lobby-Geschichten. Kontaktdaten unter www.lobbycontrol.de .
Danke für den Blogtalk.
“Was macht Lobbycontrol genau? Welche Ziele?” – das war genau die Frage, die mir als Frage auf die Antwort vorger auch eingefallen wäre.
erster..:-))
.. und so klug :-))
*lol*
:-)
Du hast sicher schon die Frage “Wen will lobbycontrol via blog erreichen?” im Köcher, lieber Weltherrscher, oder?
Ich hab das Blog nämlich seit Wochen via Bloglines abonniert und weiß nicht genau, warum ich es nicht lese.
—> kommt gleich in der letzte frage.. :-))
ich muss schon sagen, die Musik hinter den Titeln – interessant – ich hätte z.B. nicht das erwartet was da unter “Eingreiftruppe” kommt ..
:-))
eingreiftruppe der vernunft…*gg*
“.. wir wollen politisch interessierte Leute erreichen .. ” – das ist es wahrscheinlich – sehr vage alles, für mich (d.h. für meinen Geschmack, wenn ich Blogs lese).
“Eingreiftruppe der Vernunft” wär auch ein guter Titel für ein Blog (sag ich nur für den Fall, dass Ulrich Müller von lobbycontrol noch mitliest ;-))
hehe..
nein er ist nicht mehr da. er hat jetzt noch einen anderen termin,
ich bin jetzt auch erst mal weg… :-)
Guten Appetit allerseits :-)
[...] Ein großartiger verschwörungstheoretischer Artikel von Mathias Bröckers bei Telepolis. Und der Mann hat nach wie vor Recht mit seiner Einschätzung, unsere Medien leben gerade das Mittelalter nach. Nicht nur im Zusammenhang mit Web 2.0, sondern vor allem, was Medienmanipulationen angeht. Ulrich Müller und Heidi Klein von Lobbycontrol haben der Sabine Christiansen mal genauer auf die Finger geschaut. Rausgekommen ist beachtliches. Die Sendung der Sabine Christiansen mochte ich noch nie, jetzt weiß ich auch endlich warum! Danke Ulrich, danke Frau Klein! Das war nötig. Zum Glück wird Frau Christiansen aber eh gehen. Besser so! Ulrich Müller war hier übrigens auch mal zu Gast im Blogtalk, dort kündigte er ja schon an “..LobbyControl will aufklären, wie auf Politik und Öffentlichkeit Einfluß genommen wird, und zugleich Missstände in diesem Bereich bekämpfen…”. [...]