Liebe Leser, am 09.05.06 ab 20:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Don Dahlmann. Wer ihn nicht kennt, sollte einfach in seinem Blog vorbeischauen…
(Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 09.05. 20:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5erw). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))
Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Blogger als Multiplikatoren
- Meinungsführer in naher Zukunft?
- Zukunft der Blogs
- Onlinejournalismus
- u.v.a…
Blogtalk heute mit Don Dahlmann ab 20:00 Uhr:
Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Don Dahlmann.
Was bist Du jetzt eigentlich genau, ein Blogger oder ein Journalist oder..?
Don Dahlmann: Ohje, das ist eine schwere Frage, gleich zum Anfang. Kann ich so einfach gar nicht beantworten. Ich habe das bloggen ganz klar deswegen anfangen, weil ich eine literarische Plattform für mich gesucht habe. Das war Ende 2000, Anfang 2001. Ich habe die literarische Ebene lange gepflegt, auch, weil ich gar nicht auf die Idee gekommen bin, dass man mit Blogs etwas Journalistisches anfangen kann. Mir war das Ding, dass Blogs auch etwas anderes als aus literarischen Gehversuchen gewürzt mit was Privatem bestehen können, überhaupt nicht bewusst. Erst nach und nach ging mir auf, dass man mehr mit einem Blog anstellen kann. Im letzten Jahr habe ich dann Fokus weg vom literarischen, hin zum journalistischen gelegt. Aber auch da hat mich sehr der Wille zum Experiment angetrieben. Ich war mir nicht sicher, dass man in und mit einem Blog journalistisch arbeiten kann, habe aber gesehen, dass das sogar ganz ausgezeichnet funktioniert.
Im Grunde mache ich also beides gern. Das literarische für die Seele, das journalistische fürs Herz und den Geist und mag es auch nicht trennen.
Bloggerator: Wird es in Zukunft noch eine Trennung geben zwischen Journalisten und Bloggern, wo siehst Du Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten?
Don Dahlmann: Klar, natürlich wird es die Trennung geben. Aber es wird weniger klassische Journalisten geben. Der Journalist in der Redaktion, der nur in einem Ressort arbeitet ist vermutlich eine aussterbende Rasse. In den letzten Jahren haben die Verlage massiv Stellen abgebaut und sie werden, selbst in den kommenden, hoffentlich besseren Jahren, keine neuen Stellen schaffen, sondern lieber mit freien Journalisten arbeiten, die sie leichter rauswerfen können, wenn es mal wieder schlecht läuft. Den Freien wiederum bietet ein Blog ein hervorragendes Schaufenster um ihre Arbeit zu präsentieren. Es könnte also gut sein, dass es bald mehr bloggenden Journalisten gibt, als die, die in Redaktionen fest angestellt sind.
Die Gemeinsamkeiten sind klar: die Liebe zu Schreiben, die Lust an interessanten Geschichten, der Wille, diese einem Publikum zu vermitteln. Die Unterschiede sind da eklatanter. Viele Redakteure müssen unter ziemlich eingeschränkten Bedingungen arbeiten. Es wird vorgeschrieben, was in welcher Form ins Heft kommt. Eigen Recherche ist zwar immer noch erwünscht, aber gefragt ist sie nicht mehr. Während ein Redakteur also Rücksicht auf die Wünsche und Richtlinien eines Verlegers, eines Chefredakteurs, eines Ressortleiters, der Anzeigen- und Marketingabteilung nehmen muss, kann dem Blogger alles egal sein. Er schreibt halt, auch wenn es unbequem ist. Ein Vorteil, der schon dazu führen kann, dass sie die Medienlandschaft in den nächsten Jahren grundlegend ändern wird.
Bloggerator: Was ist mit den Bloggern die keine klassischen Journalisten sind, werden die evtl., z.B. weil einer/eine besonders kreativ ist, noch mehr Druck, noch mehr Konkurrenz bringen? Suchen sich die Verleger da nicht in Zukunft nur noch die Rosinen raus:”Erst bloggen, dann Vertrag..”?
Don Dahlmann: Nein, das glaube ich nicht. Einige Verlage züchten sich ihren Nachwuchs ja selber in diversen Schulen. Das wird auch weiterhin so sein. Das ein Blogger von einem Zeitschrift “eingekauft” wird, kann vielleicht mal passieren, wird aber die absolute Ausnahme sein. Man darf nicht vergessen, dass das Leben eines Journalisten ja zu 90% nicht aus der Aufgabe besteht, der “großen” Story hinter zu recherchieren, sondern eben vielmehr daraus, dass Service Themen abgearbeitet werden. Langweilige Schreibarbeit, die das Heft füllt. Aber auch anders herum: Welcher Blogger würde seine Freiheit gerne mit dem Korsett einer redaktionellen Arbeit vertauschen? So lange ich einen Job habe und als freier Journalist gut leben kann, muss ich mich nicht in eine Redaktion setzen. Ein Redakteur, der seine Arbeit gut macht, muss nicht innerlich erzittern, nur weil es Blogs gibt. Schwieriger wird es eher für freie Journalisten, die sich nicht eines Blogs bedienen wollen oder können.
Bloggerator: Thomas Knüwer hat einen sehr guten Artikel zu den Gedanken von Springer-Chef Matthias Döpfner bzgl. “die Zukunft der Zeitung” geschrieben. Ich zitiere mal das zitierte von Döpfner (hab ich von Ix gelernt:):”Eine bessere Metapher für guten Journalismus als Gospel kann ich mir kaum vorstellen. Gospel ist Bewegung (groove), Gospel ist Geist (spirit) und Gospel ist Seele (soul). Guter Gospel bewegt die ganze Gemeinde. Und bewegen wollen wir doch.”
Gospel ist aber auch immer etwas “gejammere”, wird da gerade auf höchster Ebene der alte Jammersong gesungen:”Ich seh’s ja nicht, ich armer Kerl..”? Der Zug ist doch schon Unterwegs…
Don Dahlmann: Soll ich jetzt singen? Lieber nicht…
Die Verlage haben oberflächlich betrachtet bisher keinen Grund Blog überhaupt auch nur wahrzunehmen. Man muss da auch ehrlich sein: die bisherigen, von Bloggern recherchierten Geschichten wie Transparency, Euroweb und andere, waren jetzt keine Storys, mit der eine Zeitung auf der ersten Seite aufmachen kann. Bisher fehlt noch “the big one”, bei der die Chefredakteure bei der Konferenz mit der Faust auf den Tisch hauen und brüllen “Warum haben WIR die Story nicht?”. Das ist aber wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Geschichte kommt. Eine andere Sorge, die sich Verleger machen sollten, ist die, dass vor allem Menschen unter 30 kaum noch Zeitung lesen, sondern sich lieber online und auch zu einem immer größer werdenden Teil in Blogs informieren, weil sie da das Gefühl haben, direkt angesprochen zu werden. Die Kommentare, die man in Blogs zu politischen oder gesellschaftlichen Themen lesen kann, sind meist pointierter und besser, als all das Geschwafel, dass man in Zeitungen findet. Aber Döpfner hat sich ja als Prophet auch noch nie so geeignet. Er hat ja auch mal gesagt, dass die Axel Springer AG so eben unwiderruflich die ProSiebenSat1 Media AG gekauft habe.
Bloggerator: “..Soll ich jetzt singen? ..”, aber nur, wenn Du an meine Schönheit heran kommst.
Aber jetzt mal was anderes: Warum Bloglesungen? Ich behaupte nach wie vor, dass ihr nur Groupies abgreifen wollt?
Don Dahlmann: Haha, klar, neue Bohème und so, die nix besseren zu tun hat, als nächte lang zu saufen, morgens leidend wach zu werden, einen traurigen Text online zu stellen, auf das die Damen oder Herren Leser schmachtend zur nächsten Lesung rennen auf das der Dichter sie berühren möge.
Jetzt zitiere ich listig mal Madame Modeste aus einem der Blogtalks:
Ich lese gern, ich lasse mir gern vorlesen, ich lerne gern Leute kennen. Lesungen sind zudem eine großartige Gelegenheit, Blogs kennenzulernen, an denen man bisher immer vorbeigelaufen ist.
So geht es mir auch. Bloglesungen sind schöne Veranstaltungen, die vor allem einen sozialen Charakter haben. Leute treffen, nett plaudern, neue Freunde finden, das eigene soziale Netzwerk erweitern. Nebenbei haben Lesungen natürlich den unglaublichen Vorteil, dass man seine Rampensaumentalität voll ausleben kann.
Bloggerator: Sind Bloglesungen ein Mehrwert für dich als Blogger, bereitest Du dich mittlerweile beim schreiben schon darauf vor, wie Du es vorlesen wirst/könntest/solltest? Oder ist das noch völlig getrennt voneinander..
Don Dahlmann: Man sollte sich beim Schreiben von literarischen Texten nie darüber Gedanken machen, ob das, was man da schreibt, überhaupt irgendjemanden interessiert. So lange man selber damit zufrieden ist, so lange man selber am Ende glücklich mit dem ist, was man geschrieben hat, reicht das völlig und sollte auch die einzige Antriebsfeder für einen Text sein. Also lautet meine Antwort: Nein, ich schreibe Texte nie mit dem Hintergedanken, dass ich sie mal lesen kann. Erst wenn sie fertig sind und ich zufrieden bin, stelle ich mir die Frage, ob ich den Text a) im Blog veröffentlichen will und b) ob der auch dafür taugt, dass man ihn vorliest.
Ein Mehrwert sind Lesungen aber aus zwei Gründen. Zum einen aus den eben angesprochenen sozialen Gründen. Zum anderen, weil sehr viel Mut dazu gehört, sich mit einem Text, der vielleicht auch noch ein ernstes, persönliches Thema behandelt, vor ein Publikum zu setzen, Im Prinzip zieht man sich in dem Moment völlig aus. Auch wenn das freiwillig geschieht, weil ja niemand gezwungen wird einen Text zu lesen, ist das immer eine große Leistung. Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich so etwas traut.
Bloggerator: Ah trauen, was macht Dein Opel?
Don Dahlmann: Hahaha, ich wußte, dass die Frage noch kommt.
Keine Ahnung. Ich sag zu der Sache auch nix, bis das nicht in wirklich trockenen Tüchern ist. Soll aber die Woche über die Bühne gehen und dann gibt es auch eine Erklärung zu der Aktion in meinem Blog.
Bloggerator: Na dann will ich auch nicht länger nachfragen..
Wer ist der Meinungsführer / Multiplikator von Morgen? Sind in diesem Zusammenhang Blogs nur Lückenfüller oder mehr?
Don Dahlmann: Ohje, ich hab keine Ahnung. Wer weiß schon, was das nächste große Ding im Netz wird. Im Moment sind es die Blogs, in zwei Jahren vielleicht Videocasts. Man darf das aber auch nicht nur immer alles vom deutschen, bzw. europäischen Markt aus sehen. In Ländern wie China könnten Blogs in den nächsten Jahren eine ganz außerordentliche Stellung innerhalb des Demokratisierungsprozesses einnehmen. Blogs haben den Vorteil, dass sie leicht zu bedienen, also mit Inhalten zu bestücken sind. Die relative Anonymität bietet zu dem einen gewissen Schutz vor eventueller Strafverfolgung. In Ländern wie China werden Blogs noch einen ganz andern, viel höheren gesellschaftlichen Stellenwert einnehmen, als das wahrscheinlich bei uns der Fall sein wird. Hier werden Blogs vielleicht die Medienlandschaft verändern, nicht aber die Gesellschaft. Das Gros der Menschen wird sich weiterhin durch das TV informieren lassen, in so fern wird sich in unseren Breitengraden an der Meinungsführerschaft nix ändern.
Bloggerator: Stumpfen wir alle immer mehr ab? Oder ist die Flucht in die Bloggerei nicht auch ein deutliches Zeichen gegen eben diesen TV-Einheitsbreiwerbesumpf? Warum bloggen täglich mehr Menschen…
Don Dahlmann: Ich bin kein Soziologe, aber ich kann mir vorstellen, dass die Lust an der Individualisierung in den letzten Jahren immer größer geworden ist. Durch die Vereinheitlichung der Lebensumstände sucht man sich eben eine Nische, die man belegen kann. Dem TV kann schnell das passieren, dass auch den Radios passiert ist: die Leute laufen vor dem Einheitsbrei in Scharen davon. Nicht jeder steht auf “Reality Soaps”, Tanz- oder Singwettbewerbe. Da ist es verständlich, wenn viele sich etwas anderes suchen, mit dem sie sich beschäftigen.
Dazu kommt, dass man seit ein paar Jahren absolut keine Ahnung von Technik haben kann, und trotzdem mit wenigen Klicks seine Geschichte im Netz veröffentlicht. Der Reiz, dass das, was man schreibt, auch von anderen gelesen werden könnte, macht sicher eine Menge aus. Immer nur in sein Tagebuch zu schreiben, ohne dass man eine Ahnung hat, ob es andere Menschen gibt, die vielleicht die gleichen Probleme, Laster oder Freuden haben, ist ja auch auf Dauer für viele auch langweilig.
Das jetzt so viele bloggen, ist auch eine Mode Erscheinung. Ich glaube, dass ist die dritte im Internet. Die ersten waren “Homepages” mit schrecklichen Buttons und gif Animationen. Musste Ende der 90er auch jeder haben und es gab damals auch schon Communitys wie “Bleepworld”, die das zum Geschäftsmodell hatten. Dann kamen die Foren schwer in Mode. Jeder musste ein Forum haben, in dem er sich mit anderen über dies und das ausgetauscht hat. Als das langweilig wurde, kamen die Blogs. Von den tausenden Blogs die heute entstehen, werden die meisten in einem Jahr wieder geschlossen sein. Die Individualisierungsmachine wird was Neues finden. Man muss da auch zwischen denen unterscheiden, die einfach mal so bloggen, weil es gerade alle machen, und denen, die ein echtes Anliegen nach außen tragen wollen, bzw. eine Plattform für ihre Literatur oder ihre journalistische Arbeit suchen.
Bloggerator: Da passt prima: Ist die Welt Scheisse? :-)
Don Dahlmann: Also meine Welt ist seit ein, zwei Jahren (toi, toi, toi) im Grunde ziemlich gut.
Neee. Diese Welt ist schon verdammt gut. Ich hab Geschichte studiert, und ich weiß wie scheisse die Welt mal war. Gegen jede beliebige Zeit aus der Vergangenheit ist es heute das reine Paradies. Auch wenn es natürlich immer noch deutlich besser sein könnte, was die Verteilung von Geld und Gütern angeht.
Bloggerator: Worüber schreibst Du in deinem Blog? Ich lese zwar immer wieder, aber kenne leider nicht alles. Was ist Dir wichtig, was geht alle an, was sollte jeder lesen, um Dich kennen lernen zu können? Hast Du ein paar Links oder Suchbegriffe, der Zähler auf Deiner Seite ist ja immerhin schon bei “1347 Days”…
Don Dahlmann: Ich habe ehrlich gesagt auch keine große Ahnung, was ich da eigentlich mache. Wie irgendwo weit oben mal erwähnt, suche ich immer mal wieder was neues, mit dem ich mein Blog füllen kann.
Ich habe gerade mal in die Liste geschaut, die mir anzeigt, welche Storys am meisten gelesen werden. Da findet sich ganz oben mit knapp 100.000 Lesers eine Story, wie man Klingeltöne ohne Jamba aufs Handy bekommt. Dann ist in der Liste die Geschichte mit der ersten Wohnung, die Bewerbung zjm Papst, eine ernsteres literarisches Stück und noch was in der Richtung
Das fast es schon einigermaßen gut zusammen. Im Grunde will ich wohl eine Seite haben, die mal informiert, mal unterhält und auch mal was Literarisches liefert.
Bloggerator: Das lese ich später noch.
So wir sind jetzt knapp 3 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen. Zum Schluss noch: Wer wird die nächste Bundeskanzlerin, vielleicht Harald Schmidt? Der hat ja mit seinem “Journalistengewixe” doch etwas Wahrheit verkündet (obwohl der zweite Platz, war ja wohl doch gekauft..), brauchen wir alle mehr Gelassenheit, mehr “Pantoffel-Blog-Politik”?
Don Dahlmann: Pantoffel-Blog-Politik wäre ja mal ein Fortschritt zu der Lobby Politik die wir haben. Ich denke, die nächste Bundeskanzlerin sollte Ix werden. Dann gäb es Wlan für alle umsonst und ich würde endlich mal auf Partys damit angeben können, dass ich jemand berühmtes kenne.
Ich möchte mich auch bedanken. Für die Einladung zu diesem Blogtalk und das schöne und gute Gespräch, dass daraus entstanden ist. Wirklich eine sehr klasse Idee, dieses Live Interview. Hätte nicht gedacht, dass das so gut funktioniert. Danke!
es hat sich nur keiner von den gästen getraut, was zu fragen, ihr feiglinge..hehehe… :-)
Ich denke, das Wetter war einfach zu gut und da ix noch keine Kanzlerin ist, gibt´s im Garten kein WLAN.
Schönes Interview!
Jo, danke dafür. Nett zu lesen.
Und schon bin ich auf diese Seite hier gestossen und behalte sie im Auge. Das Blognetz funktioniert ;)
Muss ich echt auch noch mal bekräftigen. Gute Idee, diese Interviews!
TAG approved, nicht wahr, Emraw?