Blogtalk mit Stephan Mosel -Moe- von Plasticthinking

Liebe Leser, am 11.05.06 ab 19:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Stefan Mosel von Plasticthinking

Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 11.05. ab 19:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))

Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Blogbusiness
- Zukunft
- Onlineleben
- Blogger
- u.v.a.

Blogtalk heute mit Stephan Mosel ab 19:00 Uhr:

Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Stephan Mosel.
Warum hast Du Gießen verlassen? Gefällt es Dir hier etwa nicht mehr…

Stephan Mosel: Ich bin in Linden in der Nähe von Gießen aufgewachsen und habe in Gießen studiert. So kenne ich da mehr oder minder jeden Stein. Frische Luft kann also nicht schaden!
Momentan arbeite ich in Innsbruck. Vielleicht bin ich in ein paar Monaten wieder in Gießen, aber da ist noch nichts entschieden.

Bloggerator: Warum bloggst Du? Was verbindest Du mit dem bloggen?

Stephan Mosel: Damit angefangen habe ich weil es einfach Spaß macht. Zuvor hatte ich ein paar Monate lang eine Art Diary auf einem livejournal-clone, aber das wurde schnell langweilig und ich habe gemerkt, dass mich andere Themen interessieren. Bloggen gefällt mir deswegen gut, weil es persönlich ist, und nur schwer reguliert werden kann. Ausserdem lernt man sehr viel, trifft eine menge Leute und knüpft wertvolle Kontakte.

Bloggerator: Ist bloggen auch eine Demokratisierung innerhalb der Gesellschaft?

Stephan Mosel: Demokratisierung, das ist ein schwerer Begriff. Soll es heissen, dass die Mehrheit entscheidet, wer die Gesamtheit repräsentiert? ;-)
Tatsächlich ist es schon mal begrüssenswert, wenn einfach mehr Leute schreiben können was sie denken, ohne dass ihnen Kosten entstehen oder eine redaktionelle Kontrolle ausgeübt wird. Ob das Web oder gar der Rest der Welt dadurch demokratischer per se wird, erscheint mir zunehmend zweifelhafter.

Bloggerator: Was wird in Zukunft in der Bloggerei passieren? Wohin wird der Zug fahren..

Stephan Mosel: Die Themen der Blogosphäre werden zunehmend von Medienmachern dominiert. Zwar bloggen immer mehr Menschen, aber es braucht eine gute Schreibe, viel Zeit und ein hohes Maß an Selbstorganisation, um von einer größeren Masse gehört bzw. gelesen zu werden. Wobei das nicht notwendigerweise das Kriterium für ein “gutes” Blog ist. Ansonsten nehme ich an, dass es künftig mehr in Richtung Multimedia und Mobile Anwendungen gehen wird. Aber einen guten Podcast oder ein Vlog zu erstellen braucht viel Übung und auch etwas Talent.

Bloggerator: Sind Podcasts die Zukunft?

Stephan Mosel: Ich denke sie sind schon da und bin mir nicht sicher, was dort noch passieren wird. Ich kann an einer Hand abzählen, wieviele Podcasts ich bislang gehört habe, bin darin also nicht wirklich bewandert. Dass es hier einen ähnlichen Boom wie mit Weblogs geben wird bezweifle ich. Die Technologie des Podcasting hingegen wird sicher noch mehr Anwendung finden, sei es als Hörzeitung im Auto oder Lerncast im Schulbus. Da reden wir dann aber schon von professionellen Produktionen, die mit dem Many-to-Many Gedanken nicht mehr viel zu tun haben.

Bloggerator: Können Podcasts irgendwann das werbelastige Fernsehen ablösen?

Stephan Mosel: Auf keinen Fall, da geht es um ganz andere Inhalte und Erwartungen, die bedient werden. TV läuft einfach so nebenher und ist eher zum Abschalten, Podcasts hingegen muss man zuhören.
Wobei es wohl auch nur eine Frage der Zeit ist, wann wir Werbung in Podcasts hören werden.

Bloggerator: Ist das Web 2.0 schon da oder kommt es erst noch?

Stephan Mosel: Die Technologie ist da, aber sie ist einfach noch nicht sehr verbreitet ;-)
Es werden bestimmt noch viele inhaltliche Ideen und Umsetzungen kommen. Bislang ist die Metapher noch wenig ausgegoren, vielleicht auch weil man damit – zum Glück – bislang nur schwer Geld verdienen kann.

Bloggerator: Du kannst ruhig längere Antworten geben.. :-)
Gibt es noch andere Blogbusiness-Seiten ausser Spreeblick, ist da überhaupt was möglich?

Stephan Mosel: Ich denke nicht, dass Blogs per se ein Geschäftsmodell sind, da geht es vielmehr um Personen. Johnny ist soweit ich das beurteilen kann (ich habe ihn nur mal sehr, sehr kurz im Real Life getroffen) ein charismatischer Mensch und hat darüber hinaus sehr viel Medienerfahrung. Das ist nicht einfach austauschbar. Wir sehen ja an den zumindest hierzulande vor sich hindümpelnden kommerziellen Blog-Netzwerken, dass das einfach nicht geht, mal eben so einen auf Blog zu machen und dabei mit einer Konzernlogik daherzukommen. Unlängst wollte mich ein bezahlter Autor eines Blognetzwerks anwerben, und erzählte mir nur kurze Zeit später, das ihm der Erfolg des Blognetzwerkes sowieso egal sei, solange er sein Geld bekommt. So kann das nicht laufen, Blogging ist das Gegenteil einer Arbeitnehmermentalität.
Lustlose Kopien etablierter Themenblogs helfen da auch nicht weiter.

Bloggerator: Sind die FreundInnen-Blogs vom Burda-Verlag so ein “Konzernlogik”-Blog? Das hast Du doch bestimmt schon gelesen oder, was machen die Falsch?

Stephan Mosel: Ich habe mir das nur kurz angesehen und kann nicht nachvollziehen, was manche BloggerInnen dabei so sehr erzürnt. Lustigerweise kommt die schärfste Kritik ja von denen, die selbst Autoren, Medienmacher oder Journalisten sind. :-)

Das Problem scheint mir in erster Linie zu sein, dass man die Freundinnen auf einer zentralen Plattform haben wollte, und dass sie von Anfang an einem grossen “Interesse” der Blogosphäre ausgesetzt sind. Aller Anfang ist schwer, und unter ständiger kritischer Beobachtung und Anfeindungen ist da kaum was zu machen. Wobei es mich auch einfach nicht interessiert, was z.B. eine Autorin einer Frauenzeitschrift so mit Männern erlebt. Das ist ja auch eine Frage der Zielgruppe. Ob LeserInnen, die Magazine mit den wiederkehrenden Themen Diät, Mode und Partnerschaft schätzen aber nun gerne auch noch Weblogs dazu lesen wollen, wage ich zu bezweifeln.

Vielleicht gehen wir in Deutschland aber auch einfach viel zu verkrampft an diese Sachen heran, auf beiden Seiten. Sobald Geld im Spiel ist – und sei es nur wenig – verhärten sich die Fronten hierzulande schnell.

Was sie falsch machen? Das kann man nach so kurzer Zeit meiner Ansicht nach kaum sagen. Ein Kardinalfehler war meines Erachtens nach in erster Linie, sich auf diese Diskussion überhaupt einzulassen.

Aber das wichtigste an Blogs bzw Bloggern ist für mich Authentizität und Vernetzung in die Blogosphäre. Da kann ich bei den Freundinnen – wie bei anderen Blognetzwerken auch – bislang wenig Ambitionen erkennen. Vielleicht deswegen, weil es keiner etablierten Medienlogik folgt, man erlernt das erst. Vielleicht ist es auch einfach nicht profitabel.

Bloggerator: Wird das in naher Zukunft dann Mode, dass Onlinejournalisten für Global-Player-Verlage, wie für Burda, kostenlos bloggen müssen, quasi als Arbeitszeugnis? Wäre das der richtige Weg, um das Bloggen auch in Deutschland Hoffähig zu machen?

Stephan Mosel: Beileibe nicht, eher eine grauenhafte Vorstellung. Blogging ist emergent, der Zwang dabei funktioniert einfach nicht. Diese Erfahrung haben auch schon Unis gemacht, die Weblogs in der Lehre einsetzen wollten.
Wenn das Blog a priori zur Hausaufgabe oder zum Arbeitzeugnis wird, ist alles verloren. Das muss genau andersrum laufen. Man kann seinen Arbeitnehmern anbieten, auf der hauseigenen Plattform zu bloggen, nachdem man sich für sie entschieden hat. Aber nicht, um das erst rauszufinden.
Ich denke auch nicht, dass Burda solche Wege beschreiten wird. Zwar kenne ich deren Strukturen nicht, aber dafür ist ihr Blogberater viel zu schlau :-)

Bloggerator: Kennst Du den Blogberater von Burda?

Stephan Mosel: Nicht im Reallife, nein. Wir haben vor ein paar Jahren öfters mal per Instant Messaging gequatscht, als das hierzulande so richtig losging mit den Blogs. Heutzutage lesen wir uns nur noch per Blog :-)

Bloggerator: Gerade Gestern hatte ich irgendwie einen Bloganfall und mal eben meinen Bloggerkodex geschrieben, inspiriert wurde ich von FreundInnen und dem Pressekodex, wie würde, grob, Dein Bloggerkodex aussehen? Was sollten Blogger machen, was nicht usw.?

Stephan Mosel: Puh, das ist eine schwere Frage. Festgestellt habe ich eigentlich nur, dass Witze über Religion(en) nicht so gut ankommen :-)
Wichtig scheint mir ausserdem seine Quellen zu nennen, seine Argumente zu untermauern, und vor allem nicht unter die Gürtellinie abzudriften. Wer einen guten Punkt hat kann den auch rüberbringen, ohne andere Menschen persönlich anzugreifen, nur weil ihm deren Blog oder Einstellung nicht gefällt. Agressionen sind da fehl am Platz. Doch geht es hierzulande oft ruppig zu.

Ferner wird das Urheberrecht hierzulande teilweise bis ins Groteskte hinein sehr ernst genommen. An sich ist das nicht unbedingt verkehrt, aber manchmal kann man kaum noch zwischen der Propaganda der Musikindustrie und den Einstellungen mancher Blogger unterscheiden. Wegen jedem Furz ‘Haltet den Dieb’ zu rufen erscheint mir kontraproduktiv. Eine Kopie ist kein Diebstahl. Damit werden nur die wirklich wichtigen Grenzen aufgeweicht, was nun ok ist und was nicht. Das sehen aber auch viele anders als ich. Ich bin primär im Web, um Wissen mit anderen zu teilen, nicht um es als meinen Besitz zur Schau zu stellen. Aber ich schweife ab :-)

Bloggerator: “..Propaganda der Musikindustrie und den Einstellungen mancher Blogger unterscheiden..”, was meinst Du da genau?

Stephan Mosel: Na diese Einstellungen a la “Raubkopierer sind Verbrecher”. Natürlich ist ein zu laxer Umgang mit dem Content anderer Leute nicht gutzuheissen, aber es macht denjenigen nicht zum Verbrecher. Mir ist offener Informationsaustausch wichtiger als das Recht bis zum Exzess in ein ursprünglich fast schon anarchistisches Medium hineinzutragen, und im Zweifelsfall auch aufgrund persönlicher Befindlichkeiten Innovation zu ersticken. Mal schaun, wie lange wir eigentlich noch ohne Rechtsberatung bloggen können.

Bloggerator: Sind die Blog-Contentabgreifer einfach zu tolerieren?

Stephan Mosel: Nein, aber sie sind keine Verbrecher, und Besitz ist keine Tugend. Das muss man aber auch fallweise unterscheiden. Doch die Reaktionen sind oft fallunabhängig dieselben. Man kann die Grenzen in einem so jungen, in der Entwicklung befindlichen Medium nicht so eng ziehen. Zumindest weiss ich nicht, wem das dienen soll. Natrülich freue ich mich ganz und gar nicht, meine Inhalte in irgendeiner SEO-Suchmaschinen-Spamschleuder zu sehen. Aber wo genau mir da ein Schaden entseht weiss ich auch nicht. Das ist aber noch ein eindeutiges Beispiel für etwas, was so nicht OK ist. Oft sind die Grenzen viel unschärfer.

Spätestens wenn Leute ihre Volltext-Feeds abstellen weil den Content ja jemand “klauen” könnte, und ich sie dann nicht mehr in meinem RSS-Reader lesen kann, ärgere ich mich darüber.

Bloggerator: So wir sind jetzt knapp 2 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen. Zum Schluss noch, wohin wird der Onlinezug fahren? Was könnte der nächste Hype im Netz sein?

Stephan Mosel: Der nächste Hype, wenn ich das mal wüsste, dann würd ichs schön für mich behalten ;-)
Zwar dümpelt das schon lange vor sich hin, aber location-based Services werden bestimmt noch stärker werden. Videoblogging über UMTS-Handys könnte ich mir auch gut vorstellen. Es bleibt jedenfalls spannend.

Und ich bedanke mich für das Interview! Es war mir eine besondere Freude, ein Interview mit einem Gießener zu führen. Grüß mir die Schlammbeiser!

One comment

  1. Bloggerator: Warum bloggst Du?

    Antwort: Deine Mudder

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