Liebe Leser, am 18.05.06 ab 16:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer, Leiter Studiengang Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt – Campus Dieburg und Blogger auch hier…
Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 18.05. ab 16:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))
Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Onlinejournalismus
- Blogs
- Web2.0
- Zukunft
- u.v.a.
(Ich hoffe ja, ich werde hier bestehen, ein echter Prof. :-)
Blogtalk heute mit Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer ab 16:00 Uhr:
Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer.
Sie sind ja auch Blogger, was macht das Bloggen eigentlich so Interessant?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Nach meinen eigenen Kriterien bin ich eigentlich kein richtiger Blogger, denn dazu gehört meines Erachtens eine gewisse Kontinuität. Ich betreibe seit einigen Jahren verschiedene Blogs, aber ich stelle immer wieder fest, dass mir das nötige Mitteilungsbedürfnis fehlt, um wirklich regelmäßig zu schreiben. Andererseits kann ich es auch nicht richtig lassen. Ich bin also so etwas wie ein “Quartalsblogger”, der alle paar Wochen mal einen kleinen Anfall bekommt und ein paar Beiträge ins Netz stellt.
Was den Reiz ausmacht? Ich glaube nicht, dass es darauf nur EINE richtige Antwort gibt. Sicher spielt bei vielen (auch bei mir) der Wunsch eine Rolle, mit den eigenen Gedanken auf andere Menschen zu stoßen und eine Resonanz zu bekommen. Man kann ja im Gespräch nicht immer garantieren, dass das Gegenüber sich für das interessiert, was man gerade mitteilen möchte. Beim Bloggen kann man es einfach mal so in den Raum stellen, in der Hoffnung, dass sich jemand findet, dem es vielleicht irgend etwas sagt, oder den es zu einer Antwort reizt.
Aber viele verfolgen mit dem Bloggen auch sehr viel konkretere Ziele.
Bloggerator: Haben Sie Beipiele für die konkreteren Ziele? Was meinen Sie genau?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Ich wehre mich immer dagegen, wenn Weblogs auf einzelne Funktionen heruntergebrochen werden, die sie sein müssen oder nicht sein dürfen. Sind Weblogs Journalismus? Dumme Frage, nächste Frage. Weblogs sind KEINE Tagebücher? Ebenso dumme Perspektive. So sehr ich die Versuchung verstehe, Deutungspapst oder Definitionskaiser für die Weblogfrage zu sein – es gibt eben keine eindeutigen Antworten. Man kann Weblogs verwenden, um in der Unternehmenskommunikation ganz strategisch und gezielt mit Kunden zu kommunizieren. Man kann damit im Journalismus einem Auslandskorrespondenten ein Fenster öffnen, um laufend aus einem Krisengebiet zu berichten. Man kann, wie ich es einmal gehört habe, ein Weblog einrichten, nur um mit der eigenen Schwester zu kommunizieren, die in einer anderen Stadt studiert.
Bloggerator: An der Stelle würde ich gerne erst mal Fragen, was ist Online-Journalismus genau? Gibt es da schon Definitionen in der Wissenschaft?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Oha. Bestimmt. Aber sehen Sie es mir nach, wenn ich die gerade nicht parat habe… :-) Wir haben ja in den letzten Jahren mit einer ganzen Reihe von Begriffen hantiert, die nie ganz frei von Moden oder Zeiterscheinungen waren. Zum Beispiel der Begriff “Multimedia”. Der stammt noch aus der Zeit überwiegend sauschlecht programmierter CD-Roms. Ganze Abteilungen sind danach benannt worden, und auch in unserem Curriculum heißt ein Großteil der Lehrveranstaltungen noch irgendwas mit Multimedia. Dann hat man von Online-Journalismus gesprochen, unter anderem, um sich nicht auf das Internet beschränken zu müssen – als es nämlich noch proprietäre Online-Dienste wie AOL und Compuserve mit eigenen Zugängen gab. Das Lehrbuch von meinem Kollegen Klaus Meier heißt deshalb in Abgrenzung ganz bewusst “Internet-Journalismus”.
Unser Studiengang nennt sich Online-Journalismus. Das ist auf eine, wie ich finde, sehr positive und angemessene Weise vage. Es lässt zu, dass sich die Plattformen, für die wir ausbilden, ändern. Wir unterrichten Journalismus, und wir bereiten unsere Studenten speziell darauf vor, mit der Entwicklung neuer Medien Schritt zu halten. Das, was den Online-Journalismus meines Erachtens vor allem auszeichnet, ist Offenheit. Eine Offenheit gegenüber neuen Formaten und neuen Produktionstechniken.
(Den Begriff “Multimedia” könnte man übrigens jetzt, wo das Internet endlich die nötigen Bandbreiten für Audio und Video bietet und diese auch einfach und schnell zu produzieren und integrieren sind, eigentlich rehabilitieren. Für den Moment.)
Bloggerator: Ist die Social-Web-Revolution die gerade statt findet auch nur ein neuer Hype oder ist Web 2.0 tatsächlich eine Veränderung, auch für die klassischen Verlage, den klassischen Journalismus?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Es ist, wie auch die Hypes zu Zeiten des ersten Internet-Booms, beides. Wir haben immer solche Oberflächen-Phänomene, Schaumkronen sozusagen. Da muss dann jede Online-Publikation oder jedes Unternehmen Weblogs einrichten, obwohl man nicht die geringste Ahnung hat, was man damit erreichen will. Oder es gibt eine Gründungswelle hunderter neuer Online-Dienste, die alle eigentlich erst dann Sinn machen, wenn sie eine kritische Masse von mehreren ZigtausendTeilnehmern haben. Das kann so alles nichts werden. Oder anders gesagt: es kann so nicht ALLES etwas werden. Aber es bleiben dann immer einzelne Dinge, die Spuren hinterlassen. Und mehr als Spuren. Amazon ist so ein Fall. Weblogs sind so ein Fall. Wikipedia ist so ein Fall.
Und unter den Schaumkronen finden, unabhängig von einzelnen Erscheinungen, große, tektonische Bewegungen statt, die meistens länger dauern, aber unser Leben nachhaltig verändern. Veränderte Mediennutzungsgewohnheiten. (Denken Sie an das Fernsehen und die neuen Festplattenrecorder wie Tivo.) Zerstörte Geschäftsmodelle. (Denken Sie an die Tageszeitungen mit ihren Kleinanzeigen.)
Das Social Web wird den professionellen Journalismus beeinflussen. Weblogs revolutionieren zum Beispiel gerade den Begriff des Leserbriefs. Einfach durch einen Umschlag von Quantität in Qualität. Es gibt das Phänomen, das ich an anderer Stelle den neuen “Resonanzraum” der klassischen Medien genannt habe. Welche Folgen diese Dinge haben werden, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber dass sie Folgen haben werden, ist sicher.
Bloggerator: In den Kommentaren ist die Frage von Peadot:”Gibt es Ihrer Meinung nach ethische Grenzen bei der Berichterstattung (wie auch immer geartet) im Internet? Bei Journalisten soll es sowas ja geben… “, ich hatte mir ja schon mal meinen eigenen Bloggerkodex geschrieben, wie nötig wird so eine “Übereinkunft” in Zukunft werden?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: @PeaDot: Klar sollte es die geben. Genauso wie bei den Profis. Stellen Sie sich vor, man kämpft seit Jahren darum, den Boulevardmedien und Papparazzi einen zu aufdringlichen Zugriff auf das Privatleben von anderen Menschen zu verwehren (ich meine jetzt nicht einmal unsere prominenten Zeitgenossen). Und jetzt sollen plötzlich die 20 Millionen Amateurreporter im Bürgerjournalismus alle Freiheiten haben? Jeder Besitzer einer Digitalkamera ein hemmungsloser Papparazzo? Schreckliche Vorstellung. Deshalb muss man jetzt breitere Medienerziehung betreiben und Sensibilität für ethische Grenzen wecken. Das ist überhaupt nicht trivial. Viele können gar nicht damit umgehen, dass etwas, das sie vielleicht aus einem Impuls heraus im Affekt geschrieben haben, plötzlich dauerhaft und allgemein zugänglich in der Öffentlichkeit steht.
Regelwerke im Sinne einer Selbstverpflichtung könnten ein erster Ansatz sein. Vor allem geht es darum, dass sich eine Art Netiquette durchsetzt. (Womit man auch sieht, dass das Problem ja gar kein neues ist. Es ist nur größer und damit auch dringlicher geworden.)
Bloggerator: Wie lange wird in diesem Zusammenhang das Google-Cache-Model so eigentlich noch Bestand haben können, es ist ja durchaus ein Streitthema?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Der Google-Cache ist den einen ein Segen (fragen Sie mal Iraner oder Chinesen), den anderen vor allem eine Peinlichkeit. Ich sehe ihn eher als Teil eines Naturphänomens. Im globalen Datenraum sind dauerhafte Spuren einfach nicht zu vermeiden. Kürzlich habe ich in einem Blogeintrag versehentlich etwas veröffentlicht, was streng genommen unter “non-disclosure” stand. Ich habe es sofort gelöscht. Aber WordPress hatte es schon per automatischem Trackback-Ping an zwei andere Weblogs weiterverteilt… Dumm gelaufen. Mit so etwas muss man leben. Man holt sich Beulen und wird vorsichtiger.
Bloggerator: Wer könnte die Instanz sein/werden die ein solches Regelwerk aufstellt, die Wissenschaft, vielleicht sogar Sie oder eher der Gesetzgeber oder gar eine Art Bloggerinstanz/Bloggerverein? (Peadots Frage ist:”Es gibt ja keinerlei Kontrollinstanz…”)
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: @PeaDot: Nein, an eine FSK der Blogosphäre kann ich nicht glauben. Das ist ja eine typische Kontrollstruktur institutionalisierter (und damit professioneller) Zusammenhänge. Eher sollte es sowas wie einen Basiskurs Medienkunde geben, der gleichermaßen Mediennutzung und -produktion umfasst. Sowas wie den Erste-Hilfe-Kurs. Das kann man dann in die Schulbildung integrieren oder auch bei anderer Gelegenheit anbieten und vielleicht auch abfragen. Das ist ja schon aus Selbstschutz-Gründen sinnvoll. Welcher Blogger kennt schon wirklich die Fallen des Persönlichkeitsrechts und weiß genau, wann er sich der Gefahr einer Beleidigungklage oder eines kostspieligen zivilrechtlichen Streits aussetzt?
Das Social Web glänzt durch verteilte, kollektive Intelligenz. Ich denke nicht, dass wir irgendeine Instanz einsetzen müssen, um ein gutes und sinnvolles Verfahren zu entwickeln. Das wird entstehen und sich dann weiter entwickeln. Sie haben ja bereits einen Anfang gesetzt! :-)
Bloggerator: Was meinen Sie genau mit dem “..Sie haben ja bereits einen Anfang gesetzt!..”?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Ihren “Bloggerkodex”, von dem Sie weiter oben berichtet haben.
Bloggerator: Ahhh jetzt verstehe ich, war gerade etwas verwirrt.. :-)
Ist Bloggen auch eine Demokratisierung? Holt sich der Bürger seine Lobbystimme evtl. zurück?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Es gibt da schon einen Zusammenhang. Blogs sorgen für eine artikulierte Öffentlichkeit. Die tut einer Demokratie im Normalfall sicher gut. Aber sie ist natürlich auch nicht per se demokratisch. Ich kann mir durchaus auch eine von Fundamentalisten oder anderen antiaufklärerischen oder antidemokratischen Kräften beherrschte Blogosphäre vorstellen. Mit entsprechender Rückendeckung durch einen totalitären Staatsapparat und/oder organisierte Schlägertrupps eine ziemlich grauenhafte Vorstellung. Aber übertriebener Pessimismus ist genauso verkehrt wie übertriebener Optimismus.
Bloggerator: Wo wären Verknüpfungen zwischen Bloggern, Online-Journalisten und Wissenschaft zu “installieren”, um z.B. die von Ihnen skizzierten Fälle aufzudecken? Es gibt/gab da ja schon Ideen von Blogpolizisten usw. usf. ..
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Ich denke, wir lassen die Blogosphäre, so, wie sie ist, für sich selber sorgen. Dort treffen sich ja bereits Blogger, Journalisten und Wissenschaftler, da brauchen wir gar keine neuen Strukturen. Und aufgepasst und überwacht wird dort auch.
Mir wäre es allerdings wichtiger, dass BESSER gebloggt wird. Dass mehr Menschen den Mut finden, öffentlich nachzudenken, gerade auch in politischen Fragen. Anlass dazu gibt es ja weiß Gott genug.
Ich finde auch, dass die deutschsprachige Blogosphäre immer noch zu sehr von einer gewissen Kleinlichkeit und Missgunst beherrscht wird. Das tarnt sich dann als kritische Schärfe, ist aber in meinen Augen vor allem eine Unfähigkeit zu einem offenen, konstruktiven Diskurs. Die Intelligenz von jemandem wie Don Alphonso ist in seiner ständigen Polemik einfach vergeudet. Das ist schade.
Bloggerator: Gerade jetzt passiert etwas innerhalb der Blogosphäre, Opel spannt gerade die ersten Blogger ein und hat ihnen Autos für einen Monat inkl. Sprit und Nebenkosten zur Verfügung gestellt, z.B. Ix von Wirres. Könnte das ein neuer Tend werden, was halten Sie von solchen Aktionen?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: … und Katharina “Lyssa” Borchert bloggt gesponsort von Coca-Cola aus der Hauptstadt ausgerechnet über Fußball. Ja, das ist alles ziemlich lustig.
Wissen Sie (und Sie werden es vermutlich wissen), es ist so schwierig, mit dem Schreiben Geld zu verdienen! Da sollte man nicht meckern, wenn sich neue Märkte für Autoren auftun. Solange der werbliche Zusammenhang transparent ist, habe ich damit überhaupt kein Problem.
Bloggerator: Sie hatten es weiter oben schon angesprochen, wie sehr ist Offenheit das Thema der Zukunft? Sind wir alle Werbegeschädigt durch die klassischen Medien und suchen uns jetzt nur wieder die “Realität” über den Umweg der “virtuellen Welt”..
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Die Werbung wird uns leider auch in der “virtuellen Welt” nicht verlassen. Sie ist nun mal der Sprit, mit dem die Luxuskarossen eines funktionierenden Geistesleben betrieben werden.
Offenheit ist wichtig. Aber auch die Möglichkeit, einmal die Türe zuzumachen. Gerade im Zusammenhang mit dem Social Web, in dem ja der Datenschutz etwas ist, das wesensmäßig nicht vorgesehen ist. :-)
Bloggerator: Falk Lueke fragt in den Kommentaren (schalte ich jetzt erst frei:):”Herr Lorenz-Meyer,
welchen Stellenwert hat für Sie persönlich der Online-/Internetjournalismus im Jahr 2006? Lesen Sie mehr Zeitung, sehen Sie mehr Fern, hören Sie mehr Radio oder hängen Sie mehr vor dem Bildschirm? Sprich: Sind Sie ein Nutzer, bei dem die neuen die alten Medien verdrängt oder nur ergänzt haben? ”
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Meine Mediennutzungsgewohnheiten haben sich tatsächlich sehr geändert. Das hängt aber auch mit den Arbeitsmodalitäten zusammen. Als Freiberufler habe ich noch sehr viel Deutschlandfunk gehört. Dazu komme ich kaum noch. Jetzt nutze ich, wenn ich es schaffe, die DLF-Downloads.
Am meisten Zeit verbringe ich heute mit meinem Bloglines-Account , und damit, den dort gelegten Spuren zu folgen. Von Spiegel Online lese ich praktisch nur noch die Homepage, um den Überblick zu wahren. Die Vertiefung hole ich mir via Empfehlungen in Weblogs. Und wenn mir niemand einzelne Spiegel-Online-Beiträge empfiehlt, lese ich sie für gewöhnlich auch nicht. (Wenn ich ein typischer Nutzer bin, hat sich Herr Müller von Blumencron mit seiner Blog-Schelte wahrlich keinen Gefallen getan…)
Als regelmäßiger Bahnfahrer lese ich auch noch gelegentlich Zeitung, und mag das auch. Aber die Zeitung ist nicht mehr unverzichtbar. Das ist eine jener tektonischen Verschiebungen, von denen ich weiter oben gesprochen habe.
Noch etwas, das sich in den letzten Monaten geändert hat, ist die zunehmende Bedeutung von archivierten Video-Clips, die ich über das Netz abfrage. Die Möglichkeit, Highlights wie Stephen Colberts großartige Polemik auf dem Presse-Dinner des Weißen Hauses einen Tag später aus dem Internet zu holen, möchte ich nicht mehr missen. Wenn die BBC für die Briten ihre Archive öffnet, werde ich nach England (oder Schottland) umsiedeln müssen.
Bloggerator: So wir sind jetzt knapp 3 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Ihnen und natürlich auch bei den anderen Gästen (hoffentlich habe ich keinen Unsinn gefragt:). Zum Schluss noch eine Frage die ich via Email bekommen habe:”..Warum halten Sie die 20 Millionen Redakteure der Netzeitung für so toll..” und noch eine kleine von mir: Was wird das nächste große Ding im Web?
Prof. Lorenz Lorenz-Meyer: Zu meiner angeblichen Begeisterung für die avisierten “20 Millionen Redakteure” der Netzeitung Readers Edition: Ich hatte in einem Eintrag unseres Studiengangsblogs freundlich über einen Vortrag von Projektleiter Peter Schink berichtet. Ich mochte Peter Schink, und ich freue mich, dass die Netzeitung mal etwas neues probiert. Ich finde es auch nicht verkehrt, wenn sich beispielsweise unsere Studenten einmal darin versuchen, vor echtem Publikum journalistisch zu schreiben – auch wenn sie dafür nicht gleich nach Tariflohn bezahlt werden. Da muss man nicht gleich anfangen, zu hyperventilieren.
Gleichzeitig bin ich sehr skeptisch gegenüber den Hoffnungen vieler Verleger, mit “user generated content” ihre Kosten zu drücken. Professionelle journalistische Arbeit wird weiter nachgefragt werden. Und sie wird auch weiter ihren Preis haben.
The Next Big Thing? Tapas in Downtown Frankfurt, zusammen mit Ex-FR-Online-Chef Janko Puls und seiner frisch angetrauten Gemahlin Kate. Ansonsten: Kein Kommentar. :-)
So. Das hat Spaß gemacht, und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Ich bedanke mich bei dem freundlichen Gastgeber und seinen anderen Zaungästen. Bis hoffentlich bald, auf diesen und anderen Seiten.
Quartalsblogger… sehr sympathisch :)
Gibt es Ihrer Meinung nach ethische Grenzen bei der Berichterstattung (wie auch immer geartet) im Internet? Bei Journalisten soll es sowas ja geben…
Es gibt ja keinerlei Kontrollinstanz, die auf eben diese ethischen Grenzen hinweist, Journalisten lernen das von Ihnen beschriebene Verhalten (Kodex) bestenfalls auf der Journalistenschule. Wären Sie für eine solche Instanz (nennen wir es mal freiwillige Selbstkontrolle, alles andere wäre eherundemokratisch :) )? Wenn ja, wie sollte die aussehen?
Herr Lorenz-Meyer,
welchen Stellenwert hat für Sie persönlich der Online-/Internetjournalismus im Jahr 2006? Lesen Sie mehr Zeitung, sehen Sie mehr Fern, hören Sie mehr Radio oder hängen Sie mehr vor dem Bildschirm? Sprich: Sind Sie ein Nutzer, bei dem die neuen die alten Medien verdrängt oder nur ergänzt haben?
@falk
kommentar schalte ich gleich frei, stelle das dann auch direkt als nächste frage (fals meine email nicht ankommt).
[...] Einigermaßen atemlos kann ich berichten, dass ich gerade die Äquatortaufe eines Blogtalks beim Weltherrscher absolviert habe. . [...]
“auch wenn sie dafür nicht gleich nach Tariflohn bezahlt werden”..? gut, dass freie mitarbeiter nicht nach tariflohn bezahlt werden, das ist ja relativ gängig. aber wenn sie noch unter den eh schon fragwürdigen vogelfreien-tarifen bezahlt werden, dann ists ganz ganz bitter.
@falk
dazu auch am samstag, da werde ich mit dorin popa blogtalken und mal nachfragen, wie die bedingungen beim burda-freundin-blog so sind.
@falk: Wie schon andere gesagt haben: Niemand wird gezwungen, für Shortnews oder Readers Edition zu schreiben. Der Markt für geistige Arbeit ist weiterhin schwierig, keine Frage. Aber das liegt am Markt, und nicht am mangelnden Goodwill der Herren von Dönhoff oder Maier. Sollen wir uns jetzt über das Artikulationsbedürfnis der Blogger und anderer Liebhaberautoren beschweren, weil damit das Angebot noch mehr gegenüber der Nachfrage an Gewicht gewinnt?
(Nun melde ich mich aber wirklich ab.)
Lorenz-Meyer hat Janko und Kate angesprochen – hier gibt es übrigens die Hochzeitsfotos:
http://www.flickr.com/ photos/jankor/sets/1572404/
[...] Prof. Lorenz Lorenz-Meyer (Blog-Interview) Leiter Studiengang Online-Journalismus Hochschule [...]
Der Begriff Multimedia hat dank CD-ROM und DMMV einen Geburtsfehler. Schrift, Ton, Bild vermischt – so die alte Definition – bieten einige Medien. Der Zusatz in der Funktionalität liegt in der Interaktion.
Wenn man sich den Wortstamm betrachtet, eröffnet sich die eigentliche Bedeutung: die Integration multipler Medien mit der Möglichkeit zur Interaktion. Web (2.0 + 3D) in Reinkultur. In diesem Sinne fände ich es auch wunderbar, wenn man den Begriff ohne Mißverständnisse wiederbeleben könnte.
Warum ich über ein Jahr nach Veröffentlichung noch hier kommentiere? Weil es einer der besten Blogbeiträge zum aktuellen Web überhaupt ist und damit hochaktuell.
dank an den prof..:-))