Liebe Leser, am 18.07.06 ab 19:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Matthias Armborst…
Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 18.07. ab 19:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))
Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Buchvorstellung
- Kopfjäger im Internet
- Was sollten Journalisten über Weblogs wissen
- Blogger vs. Journalisten
- u.v.a.
Blogtalk heute mit Matthias Armborst ab 19:00 Uhr:
Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Matthias Armborst.
Sind Blogger Kopfjäger?
Matthias Armborst: Tach auch, Weltherrscher.
Ist ja klar, dass dieses Wörtchen im Titel meines Buches polarisiert hat. Der Titel “Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde?” soll illustrieren, wie professionelle Journalisten Blogger wahrnehmen. Meiner Meinung liegt das irgendwo zwischen einem “Die wollen uns was!” und einem anerkennenden “Die können ja was!”
Natürlich gibt es Blogger, die journalistische Versäumnisse und Fehler anprangern – und zwar auf eine Art, die für Journalisten ausgesprochen unangenehm ist. Daher die etwas überspitzte Bezeichnung „Kopfjäger“.
Bloggerator: Das Buch war übrigens sehr Informativ, auch für Blogger. :-)
Wie ist der Streit zwischen Bloggern und Journalisten eigentlich entstanden? Gibt es da EINEN Auslöser oder..
Matthias Armborst: Da, das reicht sicherlich in die Urzeit des Bloggens zurück. Ich betrachte das ganze ja eher aus der Ecke der professionellen Journalisten und stelle bei meinen Kollegen häufig ein ziemlich diffuses Unbehagen fest, was wohl vor allem an der Unkenntnis des Weblog-Phänomens liegt. Die Unkenntnis führt dann zu einer ziemlich unrefelktierten Ablehnung…
Bloggerator: Was sollten eigentlich Blogger über Zeitungen und ihre Macher wissen, um mal Deinen Untertitel etwas zu verformen? Wie sehen Journalisten die Blogger, was wird an den Unis gelehrt..
Matthias Armborst: Um mal mit dem zweiten Teil der Frage zu beginnen: Blogs sind in der kommunikationswissenschaftlichen Ausbildung bisher so gut wie kein Thema. Das ist zumindest meine Erfahrung, und das habe ich auch von Studierenden anderer Unis gehört. Man könnte sagen, dass die Blog-Welt eine Art Parallel-Universum ist, das den meisten Journalisten-Ausbildern und -Anwärtern ziemlich fremd ist. Aber so ganz allmählich gibt es ja die ersten wissenschaftlichen Studien zum Blog-Thema, allen voran die ziemlich umfangreiche von Jan Schmidt.
Nachtrag:
Und zum ersten Teil der Frage: Für die uralte und doch immer wieder hitzig geführte Debatte wäre es sicher gut, wenn beide Seiten nicht immer mit Beißreflexen reagieren. Was in der (Blog-)Öffentlichkeit vielleicht noch nicht so bekannt ist, ist die Tatsache, dass gerade Print-Journalisten unter einem enormen und immer weiter wachsenden Produktionsdruck stehen, was ich natürlich auch aus eigener Erfahrung weiß. Und dabei entstehen natürlich Fehler – Fehler, auf die Watchblogger dann zurecht hinweisen.
Bloggerator: Ja mit Jan Schmidt führe ich demnächst noch einen 2.Teil-Blogtalk.
In Deinem Buch ist eine zentrale Frage, die nach einem vergleichbaren Kodex, wie ihn Journalisten haben. Ich habe mir selbst einen Bloggerkodex “erfunden”. Und auch gleich noch einen Blogausweis, mal so aus Spass. Überrascht war ich aber, dass sehr viele Blogger sowohl den Kodex, als auch den Blogausweis haben wollten. Ist das evtl. eine zukünftgie Richtung: Blogger werden zu Journalisten und Journalisten werden zu Bloggern? Was würde am Ende dieser Entwicklung stehen..
Matthias Armborst: Also, nach meiner Studie ist der überwiegende Teil der deutschsprachigen Blogger allenfalls bereit, einen ironischen Kodex wie deinen zu “akzeptieren”… Aber im Ernst: Die Mehrzahl derjenigen, die sich an meiner Befragung beteiligt haben, sind der Meinung, dass es in der Blogosphäre ungeschriebene Regeln gibt, die von den meisten auch beachtet werden (etwa was die Korrektur von Fehlern und das Offenlegen von kommerziellen Interessen angeht)… Nur 6 Prozent meinten, dass ein Kodex unbedingt erforderlich sei.
Also, mal mit abstrakten kommunikationswissenschaftlichen Worten formuliert: Einige Wissenschaftler sind inzwischen der Meinung, dass es nicht darauf ankommt, ob sich Blogger für Journalisten halten oder von Profi-Journalisten als Kollegen akzeptiert werden. Sie sagen einfach: Blogger erfüllen einige der “Funktionen” des Journalismus – ob sie wollen oder nicht… (zum Beispiel: sie informieren, kontrollieren, kritisieren und das alles im Dienste der Demokratie :-) )
Bloggerator: Sollten die Blogger denn einem Kodex folgen? Was würde sich dadurch verändern, verbessern..
Matthias Armborst: Möglicherweise wäre es wünschenswert, wenn Blogger zum Beispiel ausdrücklich auf diffamierende Kritik verzichten würden (was die meisten ohnehin tun, ohne es ausdrücklich zu sagen).
Aber die pure Existenz eines Kodex würde nichts ändern. In den USA gab es ja schon eine Reihe von Versuchen, solche Kodizes zu verankern, aber ohne besonderen Erfolg.
Bloggerator: Weiter oben hast du geschrieben, dass Blogger ähnlich wie Journalisten einzustufen sind. Welche Macht sind Blogger dann? Nur die Underground-Macht oder schon mehr?
Matthias Armborst: Ich finde, dass man zwar noch relativ selten, aber immer öfter sehen kann, wie Themen und Diskussionen, die ursprünglich auf die Blogosphäre beschränkt waren, in die Welt der traditionellen Medien überschwappen (also etwa auf den Medienseiten auftauchen). Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, wäre das wohl das Ende des “Untergrund-Phänomens”.
Andererseits muss man sagen, dass die Debatten der Blogosphäre noch immer auf einen ganz kleinen Teil der Bevölkerung beschränkt bleiben und selbst manche Medienprofis nur wenig Ahnung davon haben, was gerade diskutiert wird.
Bloggerator: Im Buch “Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde?” hast Du relativ am Ende (S.199) zehn Thesen aufgestellt. Eine davon:”Schwächen zeigen wird für Journalisten gefährlich: Wer Angriffsfläche bietet, landet schnell am Pranger der Blogger” (6.These).
Was meinst Du damit genau? So richtig hab ich das nicht verstanden? Was bedeutet in diesem Zusammenhang Schwäche zeigen?
Matthias Armborst: So eine These muss ja knapp sein – allerdings im Idealfall auch verständlich :-) Aber zum Glück hab ich ja hier Platz zum Erklären: Ich denke, dass vielen Journalisten (noch) nicht bewusst ist, wie leicht handwerkliche Patzer, flüchtige Recherchen, Themenklau und handfeste Fehler zu entdecken sind – und zwar von jedem, der sich im Internet ein klein wenig besser auskennt als sie selbst.
Außerdem sind es Journalisten gewöhnt, missliebige Leserbriefe ignorieren zu können. Dass sich die Kritiker ihrer Texte, Beiträge, Sendungen etc. effektiv vernetzen können, ist nun wirklich ein neuer Aspekt – hat es so noch nie gegeben!
Bloggerator: Ich war postiv Überrascht, wie Pro-Bloggish das Buch ist. Erwartet hatte ich so eine Art “Abrechnung”, wie es gerade der Spiegel mit dem “bösen Onkel Internet” in der neuen Ausgabe vollzogen hatte. Magst Du Blogger und Blogs? Was siehst Du darin…
Matthias Armborst: Anscheinend haben einige Blogger wirklich erwartet, es mit einem Abrechnungs-Buch zu tun zu haben, weil es vom “Netzwerk Recherche” herausgegeben wird – also von einer Journalisten-Organisation, deren Chef nicht gerade durch Blogger-freundliche Töne aufgefallen ist. Aber mein Buch ist eben keine Auftragsarbeit und nicht vom Netzwerk beeinflusst.
Mag ich Blogger? Wer würde da pauschal zustimmen ;-) ? Aber im Ernst: Mir gefällt, dass viele Blogger große Lust am Schreiben haben und sich der Welt unbedingt mitteilen wollen. In diesem Punkt sind sie motiviertere Publizisten als viele Journalisten! Außerdem finde ich, dass die Subjektivität der Blogs unterm Strich eine Bereicherung ist. Denn viele Journalisten haben in der Ausbildung gelernt, dass sie selbst in Reportagen das “Ich” durch ein neutrales “man” ersetzen müssen. Viele Blogs sind da einfach authentischer.
Bloggerator: Sollten die “man”-Verwender, die Journalisten, das “Ich” wieder üben, z.B. in eigenen Blogs?
Matthias Armborst: Yep, ganz meine Meinung. Ich behaupte einfach mal, dass Journalisten gewinnen, wenn sie selbst bloggen. Zum Beispiel signalisieren sie, dass sie ansprechbar und kritikfähig sind. Sie haben die Chance, ihre Themen online “weiterzudrehen”, aber auch Fehler zu korrigieren. Im Idealfall sind sie für den Nutzer nicht mehr “der dort oben” sondern ein Schreiber mit persönlichem Profil. Vielleicht liefern ihnen die Blog-Nutzer sogar den ein oder anderen Themen-Tipp?
Andererseits ist es fraglich, ob es die Verlage oder Sender gern sehen, wenn ihre Angestellten in aller Öffentlichkeit reflektieren…
Und man muss sagen, dass bisher nicht alle Redaktionsblogs geglückt sind. Denn die richtige Online-Sprache will gelernt sein. Ich seh mich zum Beispiel selbst auch als absoluten Blog-Beginner.
Bloggerator: Begonnen hat ja jeder irgendwann, “man” bin auch gerade erst 256 Tage als Blogger unterwegs. Heute ist praktisch Bloggeburtstag, denn die Quersumme ergibt 13, eine gar fröhliche Zahl..
Wohin werden die nächten 256 Tage gehen? Was ist in zwei Jahren los? Wohin wird der Blogzug in Zukunft fahren?
Matthias Armborst: Ach du meine Güte, wer soll das seriös beantworten? Wenn man auf so etwas antwortet, kann man ja fast nur auf einen Zufallstreffer hoffen. Ich bleibe mal auf meinem Gebiet und orakel in bisschen in Sachen Blogs und Journalismus: Die Verlage werden verstärkt versuchen, Blogs oder daran angelehnte Formate in ihre eigenen Angebote zu integrieren. Einige werden vermutlich etablierte Blogger anwerben, die ihren guten Namen gleich mitbringen. Ob sie damit Erfolg haben? Ich würde dort lieber echte Redaktionsblogs lesen und ansonsten weiterhin Blogs verfolgen wollen, die nicht von irgendeiner Zeitung gehostet werden.
Bloggerator: Wie siehst Du die Bemühungen der WAZ gerade jetzt im Moment, sie habe ja Lyssa, eine bekannte Bloggerin, als Chefredakteurin für die neue “Onlinedingens” eingestellt? Hat das Zukunft…
Matthias Armborst: Als freier Journalist, der neben einigen anderen Medienhäusern auch dann und wann die WAZ beliefert, kann ich dazu nur sagen: Hier haben wir einen klassischen Interessenkonflikt :-) Ansonsten bin ich selbst gespannt, wie die Nutzer das annehmen. Nach meiner Beobachtung ist dieses Engagement jedenfalls etwas radikal Neues im WAZ-Haus.
Bloggerator: Ups… :-)
So wir sind jetzt gut 2 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen. Du hast in deinem Buch das Kapitel 4.7 “Weblogs – eine Bereicherung der traditionellen Medien”. Welche Bereicherung ist damit genau gemeint?
Matthias Armborst: Ich mach’s kurz: Blogs liefern in einigen Fällen besonders authentische Inhalte, die für Journalisten sonst kaum zu bekommen sind (die War- und Tsunami-Blogs sind schon oft genannt worden, aber auch “Untergrund-Blogs” aus totalitären Staaten können als journalistische Quelle sehr interessant sein)
Außerdem gibt es Befragungen in den USA, nach denen immer mehr Journalisten Blogs nutzen – vor allem als Ideen- und Themenquelle. Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass es für Journalisten in nicht allzu ferner Zukunft Standard wird, Blogs zu verfolgen…
Falls dies die letzte Frage war: Vielen Dank für die Einladung zum Blogtalk, hat mir Spaß gemacht.
[...] Am 18. Juli (ab 19.00 Uhr) hab ich das Vergnügen, im Blogtalk mit Weltherrscher Armin Meißner plaudern zu dürfen. Mal schauen, ob ich hinterher an dieser Stelle erklären muss, was ich warum gesagt habe und vor allem: wie es gemeint war. Mal kucken, ob ich noch irgendwo meine alte Goldwaage finde, auf Dich ich alle meine Worten vor dem Tippen legen werde… [...]
[...] …in Achim Meißners Blogtalk. Hatte ich erwähnt, dass es mein erstes (Beinahe-)Realtime-Interview sein wird? Auf jeden Fall wird es an dieser Stelle später eine ausführliche Nachbetrachtung geben. Wollte schon immer mal mein eigener Netzer sein! [...]
[...] Normalerweise stelle ich die Fragen. Als Agenturjournalist und Zeitungsschreiber sind Interviewsituationen für mich Alltag. Und nicht besonders stressig, denn schließlich kann man sich ja in Ruhe die nächste Frage überlegen, während der Interviewpartner redet und das Tonband mitschneidet… Anders dagegen im Blogtalk mit Weltherrscher Achim Meißner: Nicht, dass er besonders scharf nachgefragt hätte – der Talk war total relaxt. Aber bei geschätzten 32 Grad am Schreibtisch zwei Stunden lang eine Antwort nach der anderen ins Keyboard hacken zu müssen – das hatte was. [...]
Sommerlochfüller…
Damit hier mal wieder etwas passiert und Herr Scherfer nicht mehr ganz so prominent platziert in die Welt lächelt (:hoffe, du weißt das zu schätzen, lieber “Andreas”…) – zwei Lesetipps im Kielwasser meiner Rezension zu Matthias Arm……