Blogtalk mit Thomas Mrazek

Liebe Leser, am 02.08.06 ab 17:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Thomas Mrazek er schreibt auch hier, mehr

Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 02.08.06 ab 17:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))

Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Watchblogs
- Sind Blogs eine Revolution
- Onlinejournalismus
- Wie sehen Verlage Blogs
- u.v.a.

Blogtalk heute mit Thomas Mrazek ab 17:00 Uhr:

Bloggerator: Ich Grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Thomas Mrazek.
Warum sollte man bloggen oder besser nicht?

Thomas Mrazek: Hallo erst mal und Danke für die Einladung.

Und gleich so ne schwierige Glaubensfrage. Tja, man sollte bloggen, wenn man meint, dass man etwas zu sagen hat. Das kann sowohl für die Öffentlichkeit bestimmt sein, das kann aber auch dazu dienen, eigene Gedanken, Ideen und Notizen zu sammeln.

Warum man nicht bloggen sollte? Wenn man von vorn herein damit reich und berühmt werden will.

Bloggerator: Um was geht es bei Deinem Uni-Seminar “Ein neuer Medienjournalismus? Weblogs & Co.” genau?

Thomas Mrazek: Eigentlich war das nur der Titel einer gerade mal zweistündigen Seminarveranstaltung im Rahmen eines Lehrauftrages zum Medienjournalismus. Nachdem ich mit den Studierenden in den vorherigen Sitzungen einige Grundlagen aber auch einige Defizite des Medienjournalismus erarbeitet hatte, wollten wir in der Sitzung mal darauf schauen, ob sich durch Weblogs vielleicht an dem Ganzen etwas ändern oder verbessern kann.

Ich halte den Medienjournalismus für eine der reizvollsten Sparten des Journalismus; aber gerade hier, wo Kollegen Kollegen beobachten gibt es auch eklatante Mängel. Vielleicht können in diesem Bereich die Weblogs (oder Watchblogs) zu einer Verbesserung beitragen, vielleicht wird das ganze aber auch zunehmend unprofessioneller, wenn immer mehr Leute kritisieren. Freilich soll es jedem unbenommen bleiben, dies zu tun. Ich sage zu den Studenten immer: Holt Euch blutige Nasen, stoßt Euch Eure Hörner ab! Klingt pathetisch, funktioniert aber manchmal.

Bloggerator: Was könnte sich durch Blogs verändern?

Thomas Mrazek: Allein von der Vielfalt der Meinungen stellen die Blogger schon mal ein riesiges Potenzial dar. Und vor allem dürften die meisten von ihnen unabhängig sein: sie brauchen sich nicht um ihren Verlag, ihren Sender, ihre Auftraggeber kümmern – sie können ganz frei loslegen. Sie können dieses oder jenes kritisieren, was ihnen bei Medien Negatives aufgefallen ist.

Diese Kritik muss nicht immer fundiert sein, die muss nicht immer relevant sein, aber nicht selten kommt etwas Interessantes dabei raus. Ich beschäftige mich seit zirka 15 Jahren mehr oder weniger intensiv mit Medien. Durch Blogs habe ich in den letzten drei Jahren (so lange beschäftige ich mich mit Blogs) eine Menge über Medien dazugelernt. Ja, durch Blogs verändert sich etwas bei den Medien. Und ich meine eher zum Guten, denn wir Journalisten werden – neben all den Dingen die uns ansonsten schon belasten … – noch mehr gezwungen, selbstkritisch über uns nachzudenken.

Wohlgemerkt: Ich bin deswegen kein Blog-Evangelist. Journalisten rate ich aber: beschäftigt euch mal mit dem Thema, schaut euch das mal an, macht vielleicht selber was damit (”blutige Nasen”, siehe oben, höhö …), aber lasst die Sache nicht ganz liegen.

Bloggerator: Können Blogs den alten Medien den Rang ablaufen? Was würde passieren, wenn demnächst die Industrie lieber bei Bloggern Werbung schalten würde..

Thomas Mrazek: Vorab: ich habe mir in der New Economy auch ein paar empfindliche Schrammen geholt und bin deswegen vorsichtiger geworden, um sogleich salopp zu sagen, dass Blogs den “alten Medien” nicht den Rang ablaufen werden (in fünf Jahren wird man mir das dann unter die Nase halten – meinetwegen).

Die meisten Medien versuchen sich nolens volens den Entwicklungen anzupassen. Sie haben begriffen, dass es nicht mehr so wie bisher weiter gehen wird. Das ist das eine. Zum anderen sehe ich, wie ich auch im Vorwort zu Matthias Armborsts Weblog-Buch geschrieben habe, in Weblogs noch nicht die große Konkurrenz für andere Medien. Der zu verteilende Kuchen ist groß genug für uns alle. Und welches Weblog erreicht den derzeit eine für die Werbung relevante Größe (das Bildblog, mit seinen respektablen 50.000 Besuchern)? Ergo beobachte ich das Ganze bisweilen gelassen. Aber vielleicht wiege ich mich da auch zu sehr in Sicherheit …

Bloggerator: Wie wird der zukünftige Journalist gestrickt sein und wie wird der zukünftige Verlag aussehen? Gibt es da jetzt schon Thesen..

Thomas Mrazek: Der „zukünftige“ Journalist wird auf jeden Fall multimedialer arbeiten als es bisher der Fall ist. Das heißt in concreto, dass er zumeist nicht mehr nur für einen Medienkanal arbeitet, sondern für mehrere. Die Nachricht einer Lokalzeitung kann nicht nur auf Papier erscheinen, sondern auch im Internet oder als SMS; sie kann auch mit Originaltönen und Bewegbildern verbreitet werden. Das gibt es ja alles bei manchen Medienhäusern schon. Ein schönes, immer wieder genanntes Beispiel für den Lokalbereich sind da die „Vorarlberger Nachrichten“. Aber auch der intensivere Kontakt und Austausch mit dem Publikum wird in Zukunft wichtiger für Journalisten werden – man spricht da von so genanntem Community-Managment.

Auch Freelancer müssen sich auf diese geänderten Anforderungen einstellen und einfach viel können. Als Beispiel kann ich hier meinen onlinejournalismus.de-Mitstreiter Roman Mischel nennen, der als Videojournalist arbeitet. Er ist, wie er schreibt „in Personalunion als Autor, Kameramann und Cutter für das Fernsehen bzw. für das Web tätig“.

Man macht sich übrigens bei Gewerkschaften (ich bin Mitglied beim Deutschen Journalisten-Verband und dort auch ehrenamtlich engagiert) und in der Wissenschaft sehr viele Gedanken zu diesem Thema. Obgleich ich selbst Kommunikationswissenschaft studiert habe, bin ich nicht zum Teil wenig überzeugt von der Relevanz dieser Wissenschaft für die journalistische Arbeit. Aber gerade in diesem Bereich muss ich sagen, dass gute Anregungen aus der Wissenschaft kommen, einige Hausnummern – ich nenne nur mal zwei Namen – sind etwa Klaus Meier (mit seiner Newsroom-Forschung) oder Steffen Büffel (war ja auch mal hier zu Gast) mit seinen Forschungen zu Weblogs und Journalismus. Auch an den traditionellen Journalistenschulen spielen die multimedialen Entwicklungen mittlerweile eine Größe Rolle in der Ausbildung.

Aber ganz klar muss ich auch sagen: Einige Medien, einige Ausbildungsinstitutionen sind auch noch hinterher, sind zu zögerlich, zu ängstlich. Die sollten mehr machen.

Bloggerator: So wir sind jetzt gut 2 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen. Zum Schluss noch eine Frage: Wie sollten Blogger in Zukunft auf Journalisten zugehen? Auch mal ein Auge zudrücken? Wie sollten Journalisten mit Bloggern umgehen? Auch mal nennen…
(Steffen Büffel war hier noch kein Blogtalkgast, aber wird es bestimmt bald:).

Thomas Mrazek: Ups, ich wähnte Steffen Büffel schon hier, aber das kommt davon, wenn man nebenbei noch mit ihm korrespondiert (ja, der Multitasking-Journalist …).

„Wie sollten Blogger in Zukunft auf Journalisten zugehen?“ Mei, bisher hat noch kein Blogger zumindest hierzulande einem Journalisten einen Zacken aus der Krone gebrochen, als Journalist muss man Kritik aushalten. Don Alphonso lästert ab und zu mal über die „Johurnaille“ – das ist eine Frage des Stils, ob und wie diese Kritik manchmal bei den Empfänger ankommt, ist wiederum eine andere Frage. Aber, Don Alphonso hat damit wohl nicht immer unrecht. Okay, mein Stil ist eben nicht. Vielleicht bin ich – ich bin eh ein recht zurückhaltender Blogger – da zu brav, zu bieder. Gut, wir reden aber über die anderen Blogger: Sie sollen durchaus weiterhin kritisch auf Journalisten zugehen; sie sollen sich weiter kundig machen über unser Gewerbe. Also ruhig auf sachliche Art und Weise den Finger weiter in die Wunden legen, kein Auge zudrücken, kuschelige Stimmung bekommt ihr woanders. Wer allerdings bei seiner Kritik allzu vulgär wird oder letztlich langweilt, wird keine große Resonanz finden. Wer als Blogger Kritik an Journalisten übt, braucht letztlich auch viel Ausdauer und Können.

Und wir Journalisten? Wir sollten offener und toleranter mit den Bloggern umgehen, sie können ein guter Seismograph, eine gute Inspirationsquelle für uns sein. Ich sehe das Ganze nicht so dramatisch. Über böse Fouls, wie die „99 Prozent Müll“ brauche ich gar nicht mehr reden, solcher Aussetzer gehören wohl der Vergangenheit an.

Besten Dank an Achim für die Mühe. Ich werde diesen achso unjournalistischen Blogtalk gerne weiter empfehlen. Viel Spaß noch! (-:

4 comments

  1. Hier war ich schon gaaaaaaaaaaanz oft, aber eher als interessierter, lesender Gast. ;-)

  2. aber wir sollten auch mal einen blogtalk angehen..:-)
    ihre themen hören sich interessant an….

  3. Das können wir gerne tun. Am liebsten jetzt im August, da ich im September Tagungs-Hopping betreibe :-) Vielleicht bin ich ja auch in meiner Funktion als “hard-blogging-scientist” für den Weltherrscher interessant. Einfach mal in meinem Blog auf den Pink-Button klicken. Freue mich über Terminvorschlägegaben durch den Herrscher des Planeten.

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