Blogtalk mit Dirk von Gehlen von Jetzt.de

Liebe Leser, am 14.09.06 ab 09:30 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist der Redaktionsleiter Dirk von Gehlen von Jetzt.de

Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 14.09.06 ab 09:30 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))

Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Blogstipendium
- Jetzt.de
- Grimme-Award
- Web2.0-Entwicklungen
- Blogs
- u.a.

Blogtalk heute mit Dirk von Gehlen ab 09:30 Uhr:

Bloggerator: Ich grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Dirk von Gehlen.
Hat sich was verändert als Preisträger des “Grimme Online Awards”?

Dirk von Gehlen: Du meinst: in Bezug auf unsere Arbeit? Dann nein. In Bezug auf die Außenwirkung schon eher. Der Preis ist tatsächlich sehr renommiert und bringt auch Interesse von Seiten, die vorher kein wirkliches Internesse an Netzangeboten wie unserem hatten.

Bloggerator: Wer ist der typische Jetzt.de Leser?

Dirk von Gehlen: Das weiß ich nicht genau. Ich kann nur spekulieren: Das wichtigste Kriterium ist, dass sie oder eher (registriert sind etwa 60 Prozent Mädchen) kritisch, aufmerksam und – obwohl das ein doofes Wort ist – neugierig ist. Daraus folgt, dass der typische jetzt.de-Leser sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt, er und sie sind auf der Suche nach neuem und deshalb auch selber aktiv. Den klassischen medialen Frontal-Unterricht der “alten” Medien finden sie interessant, sie wollen aber auch mitmachen. Deshalb haben wir 2001 die Community jetzt.de ins Netz gestellt – mit dem Ziel, den User aktiv mitgestalten zu lassen. Schön, dass das jetzt unter dem Label “Web2.0″ populär wird.

Bloggerator: Was bedeutet Euch Web2.0 genau in diesem Zusammenhang? Ist das Blogstipendium ein Teil davon..

Dirk von Gehlen: Web 2.0 ist eine schöne Idee, uns aber als Label egal. Wir machen Blogs seit 2001 ohne dies so zu nennen, wir binden unsere Leser ein, ohne dafür Web 2.0 zu brauchen.

Die Idee des Blogstipendiums ist ganz einfach: Wir glauben daran, dass Journalisten kein Monopol auf gute und interessante Texte haben. Die Erfahrung bei jetzt.de hat uns gezeigt, dass Bürgerjournalisten, wie private Autoren ja jetzt gerne genannt werden, sehr gut und sehr spannend schreiben können. Und mit dem Blogstipendium – mehr dazu übrigens unter blogstipendium.de – wollen wir das fördern.

Bloggerator: Die Verlags-Branche ist durch Web2.0 ja deutlich aufgeschreckt worden (so liest man es zumindest an vielen Stellen). Was erwartet ihr für die Zukunft? Gibt es in zwei, drei Jahren noch den typischen Journalisten?

Dirk von Gehlen: Klar, da bin ich mir ganz sicher. Guter Journalismus wird mehr denn je gebraucht. Das klingt nach einer Floskel, ist aber wahrer denn je: in einer komplexen Welt, braucht man vor allem Orientierung. Das ist die Aufgabe, die guter Journalismus seit jeher wahrnimmt. Das wird er auch weiterhin – in unterschiedlichen Medien – tun.

Es wird aber etwas hinzu kommen, was sich vielleicht mit dem gerade sehr beliebten ZweiNull-Begriff umschreiben lässt: der bislang passive Leser wird aktiv werden. Jedenfalls schrittweise und jedenfalls die Jüngeren. Wer selbstverständlich mit dem Internet aufgewachsen ist, setzt gewisse Standards voraus: dass man kommentieren kann, Fotos hochlädt, selber Geschichten erzählt. Kurzum: dass man eingebunden wird in die Produktion.

Darauf freue ich mich, weil ich es als spannende Ergänzung sehe. Da steckt viel Potenzial drin, wir stehen sicher erst am Anfang der Entwicklung.

Bloggerator: Das Blogstipendium kann man also als ersten Schritt sehen? Gibt es schon einen zweiten, dritten usw.?

Dirk von Gehlen: Erst die Hose, dann die Schuhe. Man soll es nicht übertreiben. Gerade wird ein wenig zuviel über Web 2.0 geredet und ein bisschen zu wenig Web2.0 gemacht, d.h.: es kann sein, dass das Blogstipendium funktioniert. Wir haben da sehr gute Blogger ausgewählt, die ich alle fünf für sehr lesenswert halte. Und wenn das alles so läuft, wie wir es planen (und uns wünschen), gibt es auch die Schritte zwei und drei.

Bei all dem geht es uns aber nicht darum, an einem vermeintlichen Hype zu partizipieren, sondern um die Entwicklung substanzieller Ideen. Wir wollen jungen Lesern ein Angebot machen, das sie interessiert. Dazu zählt, dass wir sie einbinden (s.o.), dazu zählt aber auch, dass wir täglich ein klassisches Magazin im Web erstellen. Dafür wählen wir jeden Abend die (für junge Leser) spannendsten Texte aus der Süddeutschen Zeitung aus, bereiten sie webgerecht auf und ergänzen sie um eigene Themen und junge Zugänge.

Ich glaube, dass in dieser Mischung aus klassischem – Orientierung schaffendem – Journalismus und neuen Formen (wie z.B. auch unserem Podcast) der beste Weg für jetzt.de und die Süddeutsche Zeitung besteht, jungen Lesern ein gutes Angebot zu machen.

Bloggerator: Bei Technorati findet man ca. 95 Treffer zum Blogstipendium. Ist das viel oder wenig? Einen “Skandal” konnte ich zumindest nicht finden, vielleicht abzüglich der Diskussionen bzgl. der Auswahlkriterien (Blogger muss unter 35 sein)..

Dirk von Gehlen: Hättest Du gerne einen Skandal gehabt?

Bloggerator: Ja unbedingt, ich liebe Skandale.. :-)
Anders gefragt: Wurden eure Erwartungen erreicht?

Dirk von Gehlen: Wir sind (natürlich) nie zufrieden und glauben, dass wir noch besser werden können. Vor allem weil wir die ersten sind, die das in Deutschland machen: Autoren fürs Bloggen bezahlen.

Bloggerator: Wieviel bekommt der Blogger/die Bloggerin?

Dirk von Gehlen: Der Deal geht so: “Leser für Dein Blog, Aufmerksamkeit für Dich.” Die Stipendiaten stellen uns ihren Feed zur Verfügung, wir zahlen ihnen dafür 300 Euro monatlich. Und weil Blogger ja – wie jetzt-Leser – immer sehr kritisch sind, sage ich es direkt dazu: Wir nehmen keinerlei inhaltlichen Einfluß, im Gegenteil: Wir wollen, dass die fünf Blogger, die wir ausgewählt haben, genau das tun, was sie bisher machen: Schreiben.

Bloggerator: Gibt es da auch Risiken oder Nebenwirkungen? Würden Beiträge nachträglich z.B. gelöscht werden..

Dirk von Gehlen: Ja, wir versuchen natürlich mit den Feeds Geld zu verdienen. Sollte das gelingen, bekommt der Blogger, der für viel Traffic sorgt, noch mehr. Das ist aber eine Zusatzoption, nicht Teil des Grund-Deals (bei dem es in der oberen Antwort natürlich heißen muss: “Leser für Dein Blog, Geld für Dich”)

Bloggerator: Vor kurzer Zeit zeigte sich ja, dass die Blogosphäre sich im Grunde gerade erst “finden” muss bzgl. Geldeinnahmen durch eben das Bloggen (Opel-Aktion). Auch Lyssas Aufstieg ins WAZ-Imperium ist nicht unkommentiert geblieben. Während ihr das einfach so macht, also dem Blogger Geld zu bezahlen, ohne das irgendwer das an die große Glocke hängt oder gar durch Kleinbloggersdorf treibt. Hat sich die Blogosphäre vielleicht “gefunden”? Wird es bald mehr bezahlte Blogger geben..

Dirk von Gehlen: Das Wichtigste ist, egal, wo Geld fließt: Transparenz. Man muss klar machen können, was wem bezahlt wird und warum. Bei den genannten Fällen hatte ich den Eindruck – ohne mich in der Blogosphäre wirklich auszukennen – dass die Leute, die da Geld bekommen haben, Probleme hatten, ihre Gegenleistung frühzeitig kenntlich zu machen.

Beim Blogstipendium ist das anders: Wir legen offen, was wir machen und beschreiben den Deal. Dadurch wird das Vertrauen (das wichtigste Gut, das ein Blogger hat) nicht beschädigt.

Bloggerator: Wieviele Blogger werden dieses Jahr noch von Euch ausgesucht, also auch bezahlt, werden? Gibt es da eine feste Obergrenze..

Dirk von Gehlen: Es werden immer max. 5 Blogger im Stipendium gefördert. Wir starten jetzt mit diesen fünf:

http://www.jackpotbaby.de/
http://yetanotherindiedisco.twoday.net/
http://netzpolitik.org/2006/blog-stipendium/
http://www.qlod.org/weltfrieden/
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/liste/u/rose

Dann schauen wir wie oben schon erläutert weiter. Es kann durchaus sein, dass wir im Laufe des Jahres noch andere Autoren fördern. Dazu kann ich aber heute noch nichts sagen.

Bloggerator: Gibt es vielleicht auch ein “Über 35″-Blogstipendium der SZ? Auf einem Blog konnte ich was von “Diskriminierung” (war allerdings Satire) lesen (Link habe ich leider gerade nicht zur Hand).

Dirk von Gehlen: Diesen Diskriminierungs-Vorwurf habe ich auch gelesen. Ich musste auch schmunzeln, weil ich noch keine Stipendium gesehen habe, dass keine Altersbegrenzung gehabt hätte. Das gehört doch dazu – vor allem weil wir ein Jugendmagazin sind. Wir wollen jungen Stimmen zu mehr Gehör verschaffen.

Wenn das so funktioniert, wie wir es uns wünschen: Warum nicht weitere Schritte gehen. Aber ich kann hier nur für jetzt.de sprechen

Bloggerator: So wir sind jetzt fast 1,5 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen und wünsche Euch viel Erfolg weiterhin. Zum Schluss noch eine Frage: Gibt es das Blogstipendium auch nächstes Jahr usw. oder schaut ihr jetzt erst, ob es ankommt?

Dirk von Gehlen: Wir schauen, wie es läuft – und wenn es so klappt wie geplant, wird es weiterlaufen. Klar: mehr unter blogstipendium.de!

Ich bedanke mich auch. Ein sehr lustiges Format ist das hier, gefällt mir. Und in Fernsehtalk-Shows heißt es dann ja immer: “ich komme gerne wieder”. Sag ich auch mal – und mein ich auch so. Besten Gruss!

One comment

  1. Bei den genannten Fällen hatte ich den Eindruck – ohne mich in der Blogosphäre wirklich auszukennen – dass die Leute, die da Geld bekommen haben, Probleme hatten, ihre Gegenleistung frühzeitig kenntlich zu machen.

    hm, einen absatz weiter oben, in der frage, werden „opel“ und „waz“ genannt.

    ich versteh jetzt nicht was man bei der waz oder lyssa für transparenzprobleme sehen kann. ist für transparenz erst gesorgt, wenn lyssa ihren vetrag bloggt? was sagt will uns von gehlen eigentlich sagen? will er etwas sagen?

    und leute die zwei wochen vor start der opel-aktion schreien „ich bin käuflich“ müssen wirklich probleme mit transparenz haben und transparenz verabscheuen. hört und liest man ja so. irgendwie, irgendwo.

    wieder dazugelernt: ahnungslosigkeit und halbwissen sollte einen keinesfalls von dezidierter meinungsbildung und -äusserung abhalten. das scheint sowohl bei bloggern, als auch journalisten regel nummer eins zu sein.

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