Liebe Leser, am 17.12.06 ab 20:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Marcel Bartels vom Blog Mein Parteibuch…
Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 17.12.06 ab 20:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))
Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Ist die SPD noch eine öffentliche Mitgliedschaft Wert?
- Abmahnungen, Abmahnungen, Abmahnungen…
- Informationszeitalter
- Mobbing, Meinungsfreiheit, Menschenrechte
- Verbraucherschutz
- Wirtschaftskrminalität
- Rechtsbeugung
- u.v.a.
Blogtalk heute mit Marcel Bartels ab 20:00 Uhr:
Bloggerator: Ich grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Marcel Bartels.
Wie viele Abmahnungen hast Du bisher schon bekommen?
Marcel Bartels: Ich habe irgendwann nach einem halben Dutzend aufgehört, die Abmahnungen zu zählen. Vieleicht sollte ich mir endlich mal den Abmahncounter installieren.
Bloggerator: Wie stehst Du zu Abmahnungen, Anwälten, Richtern und Klägern usw. usf?
Marcel Bartels: In Berlin sitzen die Richter ja leicht erhöht, da stehe ich dann erniedrigt vor dem Pult. Aber Spaß beiseite, die Abmahnerei ist schon recht nervend und frisst viel Zeit.
Inzwischen habe ich schon bevor ich einen Artikel schreibe, die Schere im Kopf – wie kann ich auf etwas hinweisen, dass mir wichtig ist, ohne dafür nachher belangt zu werden? Oft ist das gar nicht einfach, manchmal anscheinend unmöglich.
Bloggerator: Wer könnte in dem Durcheinander der Abmahnhansels noch für Durchblick sorgen? Müssen es immer einzelne Bürger sein, so wie Du z.B., die eine Rechtssauerei nach der anderen aufzeigen, obwohl ein enormes Kostenrisiko besteht?
Thomas hat da ja eine wichtige Frage gestellt “…Wie steht es eigentlich um die Berufsethik von Rechtsanwälten. Gibt es eine?…”
Marcel Bartels: Durchblick bei den Abmahnhansels kommt, glaube ich, vor allem durch mehr Transparenz in der Justiz zustande. Hätten wir mehr Transparenz in der Justiz, würden unfaire Abmahner viel leichter als solche auffliegen.
Es ist ja heute schon so, dass kostenpflichtige Serienabmahnungen meist als missbräuchlich angesehen werden, nur bekommt dank der fehlenden Transparenz keiner mit, wenn mal wieder ein Serienabmahner am Werk ist.
Mehr Transparenz würde auch gegen unfaire Abmahnungen unter zuhilfenahme des Persönlichkeitsrechtes helfen. Hätten wir mehr Transparenz, dann könnte die Bevölkerung selbst entscheiden, wie sie eine Aussage bewertet, den ein Gericht als Persönlichkeitsrechtsverletzung eingestuft hat.
Ich finde, deshalb sollte man Abmahnungen grundsätzlich veröffentlichen dürfen.
Die Idee von Abmahnungen zur Vermeidung von gerichtlichen Auseinandersetzungen an sich finde ich gar nicht so schlecht. Nur sind die Kosten viel zu hoch. Ich denke, man würde hier mit einer großzügigeren Anwendung des Gedankens der Schadensminderungspflicht deutlich besser fahren, wenn denn der politische Wille bestünde.
Was die Anwälte angeht, da habe ich eigentlich recht viel Verständnis. Die haben jahrelang studiert und viele stellen nun fest, dass Anwaltsschwemme herrscht und die Ausbildung außer für Abmahnungen eigentlich zu nichts nutze ist. Grosse Hochachtung haben vor mir die Ausnahmeerscheinungen unter den Anwälten, die trotzdem auf die Moral und die Berufsethik achten.
Telegehirn: [aus den Kommentaren gefischt]: Warum findet Marcel Bartels es richtig, wenn in China anonym gebloggt wird und warum findet er es falsch, wenn das jemand in Deutschland macht? Bartels sieht doch auch in Deutschland die Meinungsfreiheit durch den Abmahnwahnsinn gefährdet und da frage ich warum er Jürgen Cain Külbel dabei unterstützt gegen andere in einer Art vorzugehen, die Bartels sonst ablehnt?
Das kann man doch eine gewisse Doppelmoral erkennen, oder?
Marcel Bartels: Ich denke, die Arbeit von Jürgen Cain Külbel ist ziemlich gefährlich. Findet er raus, dass die Mörder von Rafik Hariri nicht aus Syrien kamen, wird er möglicherweise heftig attackiert werden. Nach der Entführung von Khaled El-Masri durch die CIA halte ich da eine gewisse Abneigung gegenüber Leuten, die einem aus mit der CIA sympatisierenden Kreisen nachstellen, für mehr als verständlich. Ich kann gut verstehen, dass, wer sich mit der CIA anlegt, um sein Leben fürchtet, und finde es mehr als geschmacklos, demjenigen dann durch ein bisschen Nachstellungen noch etwas mehr Angst machen zu wollen. Und wenn dann aus Richtung der libertären Pro-Israelis auch noch eine Morddrohung kommt, dann halte ich das für mehr als verständlich, da mal genauer nachzuschauen, wer die Angreifer sind.
Die juristische Schiene gegen Lizas Welt führt meiner Meinung nach zu nichts. Ich rechne damit, dass die Justiz die Identität von Lizas Welt verschleiern wird. Die Frage zu stellen, ob sich hinter Lizas Welt eine Person versteckt, die öffentlich im Fokus steht, und wenn ja, wer sie ist, finde ich angesichts der markigen Worte, die von Lizas Welt kommen, mehr als berechtigt.
Bloggerator: Sorry, aber hier läuft gerade einiges schief. Anscheinend wird der Server gerade von zu vielen “Freunden” angepingt, immer wieder erscheinen Serverfehlermeldungen.
Ich habe unten in den Kommentaren jetzt schon einige Postings gelöscht, von sagen wir mal “Hirnamputierten”. Wie oft muss Du auf deinem Blog da eingreifen? Aktuell ist ja gerade irgendwas mit einer “LizasWelt” oder so im Gange, so zumindest einige der gelöschten Kommentare hier. Was ist da passiert?
Marcel Bartels: Mein Server ist recht kräftig und hat einen ganz passablen selbstgebauten Spam-Filter.
Bei der Geschichte mit Lizas Welt geht es primär um einen Meinungsstreit zur Aufklärung des Mordes am libanesischen Politiker Rafik Hariri. Jürgen Cain Külbel meint, es gäbe nicht wenige Anhaltspunkte dafür, dass die Untersuchung des Mordes vom deutschen Staatsanwalt Detlev Mehlis sehr einseitig geführt wurde und die Täter möglicherweise nicht in Syrien, sondern in den Reihen von Geheimdiensten anderer Länder zu suchen seien. Der Blogger mit dem Pseudonym Lizas Welt hat daraufhin aus der Anonymität heraus, einige sehr ins persönliche gehende publizistische Attaken auf Jürgen Cain Külbel gestartet.
Jürgen Cain Külbel hat nun herausbekommen, dass sich hinter dem Pseudonym Lizas Welt möglicherweise jemand versteckt, der öffentlich im Fokus steht, das bloggen eigentlich dank eines viel besseren Zuganges zu Medien nicht nötig hätte und das Pseudonym Lizas Welt lediglich zu unfairen Attacken gegen andersdenkende nutzt.
Den Freunden von Lizas Welt scheint der Gedanke, dass öffentlich über die Personalie Lizas Welt diskutiert wird, gar nicht zu gefallen.
Bloggerator: Axso, wie wenig denen das gefällt kann man an den Attacken und Reaktionen hier sehen..:-)
Aber jetzt mal was anderes, was mir die ganze Zeit schon auf den Fingern brennt, ist die SPD eigentlich froh, dass Du so offen deine Parteizugehörigkeit zeigst?
Marcel Bartels: “Die SPD” hat sich dazu bisher natürlich noch nicht geäußert. Dazu müsste sie ja auch einen formalen Beschluss fassen, den es natürlich das “froh-sein” betreffend nicht geben wird.
Tatsächlich kommen aus der SPD heraus ähnlich unterschiedliche Reaktionen wie vom Rest derjenigen, die mich kennen. Einige finden das gut, was ich mache, andere weniger.
Bloggerator: Bist Du froh das Schröder nicht mehr der BOSS in der SPD ist? Was hälst Du von der Politik, die die SPD so in letzter Zeit gefahren hat und auch noch fährt? Und hier auch gleich noch die Frage von oben “Sollte man jetzt eigentlich noch öffentlich zur SPD-Parteizugehörigkeit stehen (die Frage würde natürlich auch für die CDU, CSU, FDP und die Grünen passen)?
Marcel Bartels: Ich sehe derzeit in der Politik der Parteiführung keinen maßgeblichen Unterschied zu der Zeit, wo Gerhard Schröder noch das Sagen hatte. Die Politik der Parteiführung möchte ich, höflich ausgedrückt, mal als sehr besch … eiden bezeichnen. Das gilt für die Politik der anderen im Bundestag vertretenen Parteien übrigens genauso.
Um so wichtiger finde ich es, sich in die Politik einzumischen und öffentlich dazu zu stehen. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen in politische Parteien eintreten, die eine bessere Politik wollen und nicht nur auf ihr persönliches Fortkommen aus sind. Das ist aus meiner Sicht der wichtigste Schlüssel, um in Deutschland etwas zum besseren zu verändern. Ich möchte die Gelegenheit hier gern dazu nutzen, diejenigen, die mit der Politik unzufrieden sind, aufzurufen, in Parteien einzutreten, sich öffntlich dazu zu bekennen und möglichst öffentlich für eine bessere Politik zu streiten.
Davon abgesehen glaube ich, dass wir im Web 2.0 gerade Zeuge werden, wie das Informationszeitalter auf die Politik durchzuschlagen beginnt, und sich deshalb auch tatsächlich demnächst einiges zum besseren hin verändern wird.
Bloggerator: Ist Web2.0 eine Demokratisierungswelle oder gar die Frechheit der Massen, sich ihre eigene Lobbystimme zurück zu holen? Wie passt da eigentlich das neue Telemediengesetz zu?
Marcel Bartels: Ja, ich glaube, mit dem Web 2.0 kommt nun in viele Bereiche Transparenz, die vorher sehr intransparent waren. Ganz besonders gilt das für die Politik. Insofern halte ich den Ausdruck demokratisierungswelle für sehr treffend.
Vor dem Web 2.0 wurde die Welt den Menschen im wesentlichen durch Massenmedien wie Fernsehen und Presse vermittelt. Diesen Medien konnten mit wirtschaftlichem und politischem Druck leicht beeinflusst werden und so die Meinung der Bevölkerung von den herrschenden Kreisen durch die Auswahl der Nachrichten, die die Menschen täglich zu hören bekommen, gezielt gesteuert werden. Das funktioniert im Web 2.0 nicht mehr.
Das Telemediengesetz halte ich für den ebenso dreisten wie vergeblichen Versuch der herrschenden Kreise, die Prinzipien der zentral gesteuerten Meinungsbildung auf das Web 2.0 auszudehnen.
Dieser Versuch wird genau wie ähnliche Versuche der Regierung von China, das Internet unter die Kontrolle der Regierung zu bringen, daran scheitern, dass das Internet international ist und der Zensurversuch nur national erfolgen kann.
Die Ökonomie der Aufmerksamkeit wird dafür sorgen, dass diejenigen Inhalte, die verboten sind, erst recht wahrgenommen werden, gerade weil sie verboten sind.
Bloggerator: Wohin wird das Web 2.0 noch gehen, z.B wann wird wohl der erste Politiker in Deutschland durch das Web 2.0 gekickt werden? Es gibt da ja einige Politiker, die eigentlich ein lebenslanges Politikverbot bekommen müssten..
Marcel Bartels: Ich denke, es wird schon recht bald der Zeitpunkt kommen, wo die großen Medien die Nachrichten aus dem Web 2.0 nicht mehr ignorieren können, weil der Vertrauensverlust der Menschen in die Massenmedien sonst zu groß wird. Dann wird das Web 2.0 mehr und mehr bestimmen, was in den Nachrichten der Massenmedien passiert. Ab da wird sich das einpegeln, die Menschen werden die Aufbereitung und den Filter der professionellen Journalisten zu schätzen wissen, wenn sie den Journalisten wieder vertrauen können.
Wann es soweit ist, dass ein Politiker durch das Web 2.0 gekickt wird, vermag ich nicht zu sagen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass dann nicht nur ein Politiker, sondern gleich eine ganze politische Kaste gekickt wird.
Um den Gedanken mal etwas weiter zu führen: ich halte es für möglich, dass aufgrund von Informationen, deren Verbreitung dank des Web 2.0 von den Mächtigen nicht unter Kontrolle zu bekommen sind, in naher Zukunft Regierungen in Deutschland gestürzt werden und Parteien, die versuchen, da mit Zensur gegenzuhalten, in der Bedeutungslosogkeit verschwinden können.
Solche Informationen könnten typischerweise aus dem Bereich der Korruption oder der organisierten Kriminalität kommen. Das ist kein Ding der Unmöglichkeit: in Italien gab es einst mit der DC eine sehr große stolze Partei, die heute absolut bedeutungslos ist. Auf den nachfolgenden Berlusconi würde ich aber gern verzichten wollen und rechtzeitig Strukturen aufbauen wollen, die so etwas verhindern.
Bloggerator: So wir sind jetzt 2 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen. Zum Schluss noch eine Frage: Sollten sich Blogger irgendwie vereinigen, z.B. in einem Bloggerverband? Oder gar in einer neuen Partei? Welche Ziele würdest Du ganz oben auf der Liste sehen wollen? Was brennt Dir am meisten unter den Fingernägeln?
Marcel Bartels: Das wichtigste Ziel, was mir unter den Fingernägeln brennt, ist mehr Ethik in Politik, Wirtschaft und Behörden. Also, die Menschen, die da in Leitungspositionen tätig sind, sollen einfach dazu gebracht werden, sich anständiger zu verhalten.
Die wichtigsten Stichwörter habe ich ja bei der Themenauswahl in der Vorbesprechung schon gegeben und möchte ich hier gerne nochmal wiederholen: Mobbing, Meinungsfreiheit, Menschenrechte, Verbraucherschutz, organisierte Wirtschaftskrminalität und Rechtsbeugung fallen mir ganz spontan ein.
Und natürlich ein Schutz der von freier Software und freien Inhalten vor Patenten und Vereinnahmungen mit dem Urheberrecht. Das Urheberrecht ist eines der wirksamsten Mittel zur Zensur missliebiger Inhalte im Informationszeitalter.
Anstelle dessen, neue Parteien zu gründen, sollten Blogger lieber in bestehende Parteien eintreten. Wenn sich da dann nichts bewegen läßt, obwohl sich die öffentliche Meinung durch die Bloggerei geändert hat, dann sollten Blogger einfach Ruckzuck die Partei wechseln. So entsteht der Druck, den die Parteien brauchen, um sich zu verändern.
Einen Bloggerverband halte ich für den grundverkehrten Ansatz. Das ist der Ansatz des vergangenen Zeitalters. Über Verbände können Mächtige leicht mit Geld und medialem Einfluss Kontrolle gewinnen. Anstatt Verbände zu gründen, sollten wir informelle – möglichst internationale – Netzwerke bilden. Parallele informelle internationale Netzwerke kann niemand mit Macht kontrollieren.
Als Aufruf: also, liebe Blogger, seht zu, dass ihr viele Freunde findet und einige davon möglichst im Ausland!
Ich bedanke mich für die Einladung.
Warum wird solchen Leuten wie Marcel Bartels ein Plattform geboten? Bartels verkündete im Sommer:
“Die Verbrechen, die die Soldaten der israelischen Armee im Auftrag ihrer Regierung gerade begehen, haben mit “Wehren” oder “Notwehr” nichts mehr zu tun. Dass, was die Israelis dort tun, ist das Ausleben eines Blutrausches, der keinem anderen Zweck dient, als der Mordlust zu frönen.”
Telegehirnt am 16. Dezember, 2006