Hm, die mediale Welt (die alten klassischen Medien) hatte gestern mal wieder einen Grund, der Underground-Welt (dem Internet) eine ordentliche Abreibung zu verpassen. Klar, dass passt ja auch ins Bild der untergehenden Medien. Denn die gehen genau deshalb unter, zuviel moralinsaures Empörungsgeschwurbel. Thomas hat einen sehr guten Artikel dazu geschrieben. Man was bin ich froh, wenn die alten “Pseudomedien” endlich noch mehr ins Abseits rutschen. Die GEZ-Sender meinen doch tatsächlich, sie hätten den Moralbegriff der Menschheit in der Hand, sie könnten uns arme dumme Zuschauer an ihre moralisch starke und wissende Hand nehmen. Die Wahrheit ist aber doch eher…
Gerade diese Art und Weise, wie sich die Sender positionieren, also als Wächter der letzten moralischen Instanz, ist es doch gerade, die uns Zuseher so langsam aber sicher ins Internet getrieben haben. Wir sind es leid, also ich zumindest, den geistig moralischen Dünnpfiff der selbsternannten Moralwächter zu ertragen. Die Heucheln ohne Rot zu werden. Und meinen, wir dümmlichen kleinen Zuseherkinder müssten dies genau so umsetzen, also nicht das geheuchel, sondern deren Moralbegriffe. Typisches Sender-Empfänger-Syndrom, kurz SES, könnte man es nennen.
Es ist aber doch so, die Zeit hat sich definitiv geändert, wir sind jetzt nicht mehr nur Empfänger einer höheren moralischen Instanz, sondern wir schaffen neue Realitäten, neue Wertebegriffe, neue Regeln, nämlich unsere eigenen. Ich fand das Hinrichtungsvideo auch nicht gut, aber ob ich nun sehe, wie ein Mensch von anderen Menschen ermordet wird, oder nur weiß, dass er ermordet wurde, ändert nicht wirklich etwas an der Situation des Mordes. Für mich steht zumindest fest, die Hinrichtungen, egal ob in diesem Fall oder in den üblichen Fällen in den USA und anderswo, sind keine staatlichen Rechtsmittel, sondern schlichte Keulenzivilisation. Also unterstes zivilisatorisches Niveau. Quasi die Steinzeitvariante des modernen Menschen.
Der “Moralhimmel (ARD, ZDF usw.) vs. Moralhölle (freies böses Internet)” – Kampf der klassischen Medien ist sowas von geheuchelte Doppelmoral, dass man es eigentlich nur mit einem Wort fassen kann: Scheissdreck!
Bedenkt mal die wahren Hintergründe des Aufstiegs und Falls des Saddam, also das pushen eines Mannes durch amerikanische Eroberungsstrategie, dann wird es noch Absurder. Und dann fragt man zurecht, via moralische Schiene, wo und wann eigentlich die Hintermänner in den USA, also diejenigen die Saddam erst Groß gemacht haben, vor Gericht gestellt werden?
Aber solche Fragen sind natürlich innerhalb der alten Moralanstalten quasi verboten, denn dann müsste man die weltweite Situation tatsächlich objektiv und sachlich betrachten und vor allem hinterfragen. Würde man es tun, würde man ganz schnell auch wieder in den eigenen Demokratien landen. Müsste Fragen stellen, die dann eben an der heuchlerischen Moral mancher kratzen würde. Waffen liefern ist in dieser Moralschicht inn, denn es schafft ja Arbeitsplätze. Späteres Aufräumen, via Krieg, schafft auch wieder Arbeitsplätze. Aufbauen, nachdem man alles zerbombt hat, schafft erst Recht Umsätze, Gewinne und nebenbei auch Arbeitsplätze.
Auf der Strecke bleiben wie immer die Menschen, die eben kein Geld oder Macht haben, sich solchen Szenarien zu entziehen. Wir wären das übrigens auch, wäre hier Krieg, d.h. der normale Bürger steht auf den Abschusslisten dieser Moralapostel.
Und gerade hier hat sich die westliche Welt in ein seidenes Kostüm gekleidet: Den Pressekodex. Meiner Meinung nach ist dieser Kodex kein Beitrag zu einer besseren Welt, sondern soll diese nur vorgaukeln, mehr nicht. Die Diskussionen gerade innerhalb der kleinen Blogosphäre, ob man auch eine moralische Hürde Instanz schaffen sollte, sind nicht wirklich hilfreich oder gar Fortschrittlich, eher das Gegenteil davon, alte verkommene Werte einer längst verkorksten Medienhure auf ein neues, im Grunde noch, unverkommenes Medium zu stülpen. Absurd!
Vor längerer Zeit schon schrieb ich, im Rausch der Satire, einen Bloggerkodex. Der alerdings genau zu der hier besprochenen Thematik wunderbar passt:
“…Die Achtung vor der Freiheit, die Wahrung der Freiheit und die wahrhaftige Überprüfung der Politiker / Unternehmer und Lobbyverbände sind oberste Gebote der Blogger… Jeder Blogger ist Niemandem verpflichtet, auch anderen Bloggern gegenüber nicht. Der Blogger ist die gelebte Freiheit in guten, wie in schlechten Zeiten… Veröffentlichungen in Wort und Bild die das sittliche oder religiöse Geheuchel aushebeln sind Teil der Bloggerkultur und mithin ein gutes Ziel hin zu mehr Verstand und Einsicht…”.
Mal abwarten, ob uns gerade der letzte Punkt gelingen wird?