Liebe Leser, am 20.01.07 ab 18:00 Uhr findet hier in diesem Blog Live, in Farbe und Stereo, die nächste Blogtalk-Show statt. Der Weltherrscher lädt ein, der nächste Gast ist Jens Schröder vom Blog Popkulturjunkie, Deutscheblogcharts und Retromedia…
Wer Lust und Laune hat den Blogtalk am 20.01.07 ab 18:00 Uhr zu besuchen, der sollte diesen Artikel im Auge behalten. Wie das geht? Ganz einfach, diesen Artikel öffnen und ab und zu Aktualisieren (F5). Die Fragen und Antworten werden im Hintergrund gestellt und dann von mir hier eingefügt werden. Meine Untertanen können übrigens in den Kommentaren gerne auch Fragen stellen, quasi aus dem Off, aber schneller und besser, nicht vergessen wir sind im Internet..:-))
Die Talkthemen werden u.a. sein:
- Popkulturjunkie
- Deutscheblogcharts
- Blogdings
- Retromedia
- u.v.a
Blogtalk heute mit Jens Schröder ab 18:00 Uhr:
Bloggerator: Ich grüße meine UntertanInnen und natürlich meinen nächsten Gast Jens Schröder.
Wieviel Arbeit steckt in den Deutschenblogcharts?
Jens Schröder: N’Abend allerseits.
Puh. Gleich zu Beginn eine solche Frage. Wieviel Arbeit drinsteckt, lässt sich nicht genau beziffern. Das ist von Woche zu Woche auch sehr unterschiedlich, weil es von vielen verschiedenen Dingen abhängt. Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen: Finanziell gesehen ist es viel zu viel Arbeit, weil ich keinen Cent damit verdiene. Aber ich sage mir: Man muss ja nicht mit allem etwas verdienen. Mir machen die Charts Spaß, vielen vielen anderen machen sie Spaß, was will man mehr?
Übrigens kannst Du ruhig ein Leerzeichen zwischen “Deutsche” und “Blogcharts” schreiben ;-)
Bloggerator: Wie bist Du auf die Idee für die Charts gekommen?
Jens Schröder: Ich bin schon als kleiner Junge ein riesiger Statistikfan gewesen. Ich habe alle Sportergebnisse, die ich mitbekommen konnte, in große Bücher geschrieben und eigene Weltranglisten errechnet. (Internet gab es damals noch nicht), habe Musikcharts-Statistiken geführt und einiges mehr. Und was lag da als Blogger näher, eine Rangliste von Blogs zu erstellen. Eigentlich gab es eine solche Liste ja schon, doch Blogstats.de brach dann irgendwann komplett zusammen und so entstand eine Lücke, die ich mit den blogcharts zu füllen versuchte.
Bloggerator: Wie funktioniert das Auswertungssystem? Was wird wann ausgewertet und wie fliessen die Daten in die Charts? Oh je, ich frage aber auch wieder verquer..
Jens Schröder: Kurz zusammengefasst (und ohne jetzt ausfürliche Referate zum Auswertungssystem zu halten): Die Daten stammen von der Blog-Suchmaschine Technorati. Es handelt sich um die Anzahl der Blogs, die ein bestimmtes Blog in den vergangenen sechs Monaten verlinkt haben. Technorati wertet das aus und wirft für jedes Blog der Welt (na gut für fast jedes) eine solche Zahl aus. ALso z.B. x Blogs haben im letzten halben Jahr auf “dieweltistscheisse.de” verlinkt. Diese Zahl nehme ich als Grundlage. Anschließend schaue ich mir in der Technorati-Datenbank an, ob die Zahl auch stimmt, oder ob es Fehler oder Unregelmäßigkeiten gibt. Dann bereinige ich die “offizielle” von Technorati ausgespuckte Zahl um die Fehler und Unregelmäßigkeiten und erhalte so die für die blogcharts relevante Zahl. Ausgewertet wird offiziell in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 0 Uhr, sodass die neue Ausgabe der Charts meist am frühen Mittwochmorgen online steht.
Bloggerator: Welche Fehler bzw. Unregelmäßigkeiten meinst Du?
Jens Schröder: Es gibt immer wieder Fehler in der Technorati-Datenbank. Da werden dann beispielsweise 50 Blog-Einträge desselben Blogs als 50 unterschiedliche Blogs gewertet. Was natürlich Quatsch ist. Weil die Technorati-Datenbank aber so riesig ist, kann das (zum Glück sehr selten) vorkommen. Damit aber bei den blogcharts alle Blogs mit gleichen Chancen ins Rennen gehen, rechne ich solche Fehler heraus. In dem Beispiel würden dem Blog, auf das die 50 Einträge verlinkt haben, 49 Links abgezogen.
Bloggerator: Ab wann erscheint ein Blog in den Charts?
Jens Schröder: Ich habe eine interne Liste mit allen Blogs, die in den vergangenen sechs Monaten von mehr als 50 anderen Blogs verlinkt wurden. Die meiste Arbeit steckt in der ständigen Recherche und Pflege dieser Liste, um die Charts vollständig zu halten. Da es nirgends eine solche Liste gibt (auch bei Technorati nicht), muss ich durch ständige Recherche selbst nach neuen Blogs suchen, die die Kriterien erfüllen. Ich hatte die Liste bis vor einigen Monaten auch veröffentlicht. Als dann aber kommerzielle Unternehmen auf die Idee kamen, eigene “Blogcharts” zu erstellen, habe ich sie offline genommen, um diesen kommerziellen Unternehmen nicht einfach so die Recherche-Arbeit abzunehmen. Welche der (momentan etwa 700) Blogs meiner Liste dann in die Top 100 kommen, entscheidet sich von Woche zu Woche neu. Derzeit sind 170 Verlinkungen in anderen Blogs für Platz 100 nötig, in der ersten blogcharts-Ausgabe vor einem Jahr waren es noch 108.
Bloggerator: Was kann man in etwa aus der Zahl der Verlinkungen herauslesen? Gab es auch Kritik bzgl. dieser Charts..
Jens Schröder: Was man aus der Zahl herauslesen kann, ist natürlich schwierig, zu beantworten. Mancher würde sagen, die meistverlinkten Blogs sind die relevantesten, da man am meisten auf sie hört. Ich würde eher sagen, sie sind die beliebtesten bei anderen Bloggern. Das eine schließt das andere aber natürlich nicht aus.
Kritik gab es erstaunlicherweise sehr wenig. Meiner Meinung nach liegt das auch daran, dass ich von Beginn an immer darum bemüht war, meine Methodik offenzulegen und auch die Schwierigkeiten, Probleme und Fehler in den Technorati-Zahlen zu erklären. Diese Transparenz war mir immer wichtig. Wenn es Kritik gibt, dann eher grundsätzlicher Natur: “Was sollen solche Listen – warum muss man Charts erstellen – warum müssen auch in der Blogosphäre “Eliten” gebildet werden, usw.” Meiner Meinung nach liegt es einfach in der menschlichen Natur, Rankings und Listen zu erstellen oder Dinge miteinander zu vergleichen. Ich sehe daran jedenfalls nichts Verwerfliches. Und wer ein Problem mit solchen Charts hat, soll sie halt ignorieren.
Bloggerator: Gab es eigentlich weitere Reaktionen von Edelmann nach der Nummer hier? Oder schweigen die einfach, die PR’ler..
Jens Schröder: Ach eigentlich möchte ich zu der dämlichen Sache nichts mehr sagen. Das habe ich ja damals an dieser und dieser Stelle schon zur Genüge getan. Edelman hat ja jetzt die Kooperation mit Technorati beendet, also hat man sich wohl von all den Plänen (und auch davon, ein eigenes Blogranking zu erstellen) verabschiedet.
Bloggerator: Neugierig wie ich bin, was ist Retromedia? Sowas wie der “Friedhof der Kuschelblääter”?
Jens Schröder: Kuschelblätter? Naja. Es ist tatsächlich eine Art Friedhof – oder auch Museum – für die Medienbranche. Wir wollen dort an Zeitschriften, Fernsehsender und Internet-Angebote erinnern, die es nicht geschafft haben, die irgendwann aus unterschiedlichsten Gründen gescheitert und gestorben sind. Derzeit ist das Angebot etwas Print-lastig, aber Alex, mit dem zusammen ich retromedia gestartet habe, arbeitet gerade an ein paar Einträgen zu Internet-Angeboten, die es nicht mehr gibt, und ich an einem Eintrag zu einem (leider) toten Fernsehsender.
Bloggerator: Toter Fernsehsender? Darf ich vorab wissen, welchen Du meinst? Fernsehen ist so oder so Scheisse, da freu ich mich natürlich, wenn einer über die Wupper gesprungen ist..
Jens Schröder: Solche Sätze wie “Fernsehen ist so oder so scheiße” können eigentlich nur von Leuten kommen, die sich noch nie mit dem Medium auseinandergesetzt haben. Die irgendwelche dämlichen Nachmittagsgerichtsshows kennen udn 9Live – und dann sagen, “Fernsehen ist scheiße”. Mit solchen dämlichen Aussagen kann ich nichts anfangen. Im Fernsehen sind so großartige Dinge zu sehen. Fernsehen ist nicht nur 9Live und RTL II.
Bloggerator: Bist Du auch ein Fernsehjunkie?
Jens Schröder: Natürlich. Anderenfalls wäre ich wohl auch falsch in meinem Beruf.
Bloggerator: Gerade überlegte ich noch, wie man auf den Beitrag von Thomas überleiten kann. Und nun deine Antwort, danke.
Werden sich die Journalisten dieses Jahr entscheiden müssen? Wie sind deine Erfahrungen als Journalist mit Verlagen und dem Internet..
Jens Schröder: Die Erfahrungen sind so dermaßen unterschiedlich, dass man das nicht schwarz oder weiß sehen kann. Ich denke einfach, dass sich jeder Journalist entscheiden muss. Für oder gegen seinen Beruf. In Zukunft werden sich Journalisten mit dem Medium Internet auseinandersetzen müssen. Sie werden nicht einfach nur einen Text für ein Papiermedium schreiben, sondenr müssen sich überlegen, wie man das Thema im Internet aufbereitet, ob man dazu noch ein Video drehen sollte oder einen Podcast oder was auch immer. Erschreckend finde ich gar nicht mal so, dass viele Verlage das noch nicht begriffen haben oder ältere Journalisten. Erschreckend finde ich, dass das bei sehr vielen Nachwuchs-Journalisten noch nicht angekommen ist.
Bloggerator: Wohin wird sich evtl. der Onlinezug, und natürlich auch die Bloggerei, entwickeln?
Jens Schröder: Das Internet wird irgendwann das dominierende Medium sein. Direkt und indirekt. Und Blogs wird es immer geben. Ob sie in ein paar Jahren noch Blogs heißen oder wieder Homepages oder sonstwie, ist ja egal. Zumindest wird die Entwicklung, dass jeder auf einfachste Weise das im Internet aufschreiben kann, was er will, nicht wieder zurückgehen.
Bloggerator: Welche Musik ist gerade eigentlich so angesagt, natürlich meine fantastische Stimme mal aussen vor gelassen.
Jens Schröder: Ich kann Dir nur sagen, welche Musik bei mir gerade angesagt ist – und dazu gehört deine “fantastische Stimme” leider nicht. Stattdessen eher die neue Naked-Lunch-Platte, die gestern auf den Markt gekommen ist. Und immer wieder Cooper Temple Clause, Razorlight, Trail of Dead, Kasabian, demnächst die neue Bloc-Party-Platte und Air. Und nach dem fabelhaften Konzert neulich natürlich immer noch Morrissey.
Bloggerator: Gibt es Heute noch eine richtige Popkultur?
Jens Schröder: Es gibt sogar tausende verschiedene “Popkulturen”.
Bloggerator: Zum Beispiel?
Jens Schröder: Naja, nicht zuletzt durch das Internet gibt es doch völlig unerschöpfliche Möglichkeiten, seinen Film-, Musik-, Fernseh- und sonstwas-Geschmack zu weiterzuentwickeln. Kein Mensch hört doch heute noch dieselbe Musik wie ein anderer. Individualisierung ist das große Thema der Gegenwart. Und natürlich entstehen dadurch ganz ganz viele kleine Pop- und Subkulturen.
Bloggerator: Ist Youtube und Myspace auch Popkultur? Wie könnte man den Begriff Popkultur im Internetzeitalter noch definieren? Der Spiegel (Ausgabe Nr. 29) meinte ja sowas wie “Ich im Internet – Wie sich die Menschheit online entblößt” schreiben zu müssen. Ist das “entblößen” nicht auch Popkultur?
Jens Schröder: Na klar. Meiner Meinung nach ist fast alles, was flimmert, Töne macht, und bunt ist, Popkultur. Natürlich kann Popkultur auch riesiger Müll sein. Man muss sich eben seinen Teil heraussuchen.
Bloggerator: Welche Teile suchst Du dir raus auf deiner Seite Popkulturjunkie?
Jens Schröder: Alles das, was mir gefällt – und das, über das sich zu schreiben lohnt.
Bloggerator: So wir sind jetzt 2 Stunden dabei, ich Bedanke mich bei Dir und natürlich auch bei den anderen Gästen. Zum Schluss noch eine Frage, zurück zum Thema Blogdings: Ist die Bloggerei am aussterben, wie manche klassische Medien zur Zeit verkünden?
Jens Schröder: Auf keinen Fall. Wie gesagt: Blogs wird es immer geben, vielleicht werden sie irgendwann nicht mehr Blogs heißen, aber aussterben werden sie nicht. Im Gegenteil.
[...] Kleiner Hinweise (auch wenn am Samstagabend ohnehin kaum jemand am Rechner sitzen wird): Morgen um 18 Uhr bin ich im Blog vom Weltherrscher zum Blogtalk eingeladen worden. Vielleicht ist ja der eine oder andere mit dabei, dann bin ich nicht so allein… [...]