Strategiewechsel

Ein paar ungeordnete Gedanken zur zukünftigen strategischen Vorgehensweise von Firmen im Umgang mit Blogs (passt irgendwie auch dazu und dazu):
Ist der Firmenname erst mal “passiert”, also als Thema in einem Blog gelandet, müssen Firmen schnell handeln. Dies können sie nur, wenn sie andere Firmen damit beauftragen, ihren Namen, ihre Produkte, was auch immer, ständig zu “scannen”.
Poppt eine Sache hoch, dann muss gezielt “relativiert” werden. Johnny von Spreeblick kann da ja im Zusammenhang mit der Jamba-Sache ein Lied singen (einfach mal googlen).
Firmen müssen für diese späteren Szenarien Strategie-Papers in der Schublade haben bzw. eben Firmen an ihrer Seite, die dann auf solche zugreifen können.

Einfach von der Firmenhomepage mal eben den Sachbearbeiter Hr. XY alles irgendwie dementieren lassen, wäre natürlich eine super Sache, aber leider zu offen, davor haben Firmen ja Angst, denn dann würden auch weitere offene Fragen kommen von den beteiligten Usern, solch eine Kommunikation wird hochschaukeln, bis zum erbrechen, im wahrsten Sinne des Wortes. Bringt also nur bedingt etwas für Firmen, die Dreck am stecken haben.

Viel Subtiler wird der Weg der “Relativierung” sein. Nur wie?
Einfach auf das besagte Blog gehen und dort unter verschiedenen Pseudonymen sowas wie “..versteh deine anschuldigungen gar nicht, das produkt/die firma ist doch super..”, “..wird sich doch spätestens in drei vier wochen verlaufen..”, “..ich glaub dir kein wort..” usw. wird nichts bringen, denn dazu fehlen solchen Kommentaren die Rückendeckung bzw. eine irgendwie geartete “Geschichte”. Solche Kommentare fallen Blogbetreibern besonders auf, denn häufig werden solche Kommentatoren keinerlei eigene Bloglinks angeben können, falsche Emailadressen bzw. welche bei Freehostern hinterlassen, schlicht den Kommentatoren fehlt die nötige “Blogreputation”. Solche Kommentare werden also auffallen, ob jedes Mal so, wie im Spreeblick-Fall oder nicht, spielt kaum eine Rolle. Je kritischer investigativer die Themen werden, desto häufiger werden eben solche “Gutmeinungungskommentare” eintrudeln. Die Blogosphäre wird hier also Schutzmechanismen finden, ein exemplarischer Fall der ans Tageslicht kommt, wird genügen, um dann darauf verweisen zu können:”Ach, das sind doch wieder so Kommentare, wie damals bei Johnny…oder XY..”.

Firmen werden also auch lernen müssen, und es dann auch machen. Genau so, wie die Blogosphäre. Denn die Gegenstrategien der Firmen werden sein, dass “Blogger” mit einer “Geschichte” sich dann äussern werden, also Blogger die irgendwie nachweisbar ein eigenes Blog führen, über Monate oder gar Jahre hinweg, sich so also eine Reputation erarbeitet haben. Wenn solche Blogger dann kommentieren zu heiklen Themen anderer Blogger, dann wird man durchaus zu einer relativierenden Meinungsverschiebung kommen können.

Die Vermutung liegt also nahe, dass es bald geführte “Gutmeinungsblogger-Horden” geben wird, die kaum auffallen, sich ruhig verhalten, bis irgendwo ein Thema hochpoppt, dort werden sie dann agieren, relativieren, manipulieren. Geführt werden solche Blogs dann wahrscheinlich von irgendwelchen Dienstleisterfirmen, die womöglich in Billiglohnländern schreiben lassen werden.

Wie kann man sowas als Blogger erkennen?
Es wird schwer werden, denn ein Teil der Gutblogger-Strategien wird sein, dass die Namen der Blogger nicht “verbrannt” werden können, also nicht jeder Blogger ständig überall “gutmeinungsbloggen” betreiben kann. Es werden also sehr sehr viele verschiedene Fakeblogaccounts erstellt werden müssen.
Blogger werden zum einen solches “Gutbloggen” daran erkennen können, dass bei “spez. Themen” plötzlich ein erhöhtes Kommentaraufkommen entstehen wird und zum anderen, dass es häufig Kommentatoren bzw. vermeindliche andere “Blogger” sind, die nur einmal einen Kommentar abgeben werden, und weder vorher noch nachher in Erscheinung treten.

Aber auch gegen diese Erkennungsstrategien werden “Szenarien” vorüberlegt werden, dies wird dann aber vor allem nur bekannte Blogger betreffen, dort werden so nach und nach immer mehr Kommentatoren “auftauchen” und zwar regelmässige Gäste, die lange Zeit dem HausherrnbloggerInn genau aufs Maul schauen werden, ab und an mal kritisch, aber meistens applaudierend.

Solche “Gutmeinungsblogger” wird man schwer erkennen können, da sie über Monate ein vermeindlches Vertrauen aufbauen werden und erst in einem richtig kritischen Fall/Thema dann versuchen werden, die Meinungen der anderen zu manipulieren.

Es wird Firmen geben, die genau dafür vorbeugend tätig werden, also über Monate/Jahre “Gutmeinungsblogger” finanziell unterhalten, die sie dann sehr teuer an andere Firmen verkaufen können.

Aber auch dagegen wird es Mittel geben. Welche?
Hehehe…ich sag hier doch nicht alles..:-))

4 comments

  1. Dein Szenario hat einen Logikbug: durch fortwährende Verfeinerung gelangst du zwingend irgendwann an einen Punkt, an dem du “Gutmeinungsblogger” und Widerspruch aus freien Stücken nicht mehr unterscheiden kannst. Und dann ist der Begriff wertlos, weil er nichts mehr bedeutet. Du bist schon sehr nah dran: erhöhtes Kommentaraufkommen kann es aus allen möglichen Gründen geben. Der einfachste und naheliegendste: ein Thema ist aktuell und polarisiert.

    So. Und jetzt musst du rausfinden, wer mich geschickt haben könnte und ihn davon überzegen, dass er mir ein ordentliches Honorar zahlt.

  2. logikbug?
    ich glaube ja nicht, das obige ist nur eine art brainstorming. muss also noch genauer betrachtet werden. wichtig ist ja erst mal, sich durchaus bewusst zu werden, dass mit bestimmten strategien zu rechen sein wird. wie man diese dann im einzelnen erkennen kann, wird die zeit zeigen.

    für alles braucht es ja einen anfang (siehe oben:).

    natürlich kann/wird ein erhöhtes kommentaraufkommen auf special themen erklärt werden. darüber hinaus sind dann aber wieder die fragen von oben zu klären, also bei welchen besonderen themen, wer hat interesse an einer meinungsänderung usw.?
    und das wir nicht nur einfach so leben, sondern täglich von manipulativen strategien und deren hintermännern übers ohr gehauen werden sollen, kann man sehr schön an den strategien der isnm sehen. also keine “nur” annahme, sondern durchaus tatsachen.

    fraglich ist nur, ob blogs “später” tatsächlich einfluss nehmen werden, und wie sehr deren breitenwirkung ausfallen wird? diese fragen kann man heute allerdings noch nicht genauer beantworten, der prozess dauert noch an.
    sollte es am ende so ausgehen, dass blogs wieder völlig verschwinden vom öffentlichen radar , dann ist das obige natürlich hinfällig. werden blogs wichtiger für meinungsbildung usw., dann wird das obige erste pflicht werden.

    eine 50:50 situation.
    abwarten und tee trinken..:-))

  3. Zeigen entdeckte Manipulationsversuche nicht eher, dass das alles gar nicht so einfach ist? Die ISNM ist ja aufgeflogen und wenn man bei der Quellenrecherche auf sie stößt, muss man sich beim Einordnen keine große Mühe mehr geben, denn man weiß ja schon, was man von der ISNM zu halten hat.

    Außerdem ist Hinterherkommentieren eine ziemlich ineffiziente und überhaupt nicht teuflische Methode, jedenfalls bei Themen, die viele bewegen und die deshalb in vielen Blogs auftauchen. Wer mit wenig Personal überall beschwichtigende Kommentare einbringen muss, fällt dann vielleicht wegen geringerer Komplexität auf: derselbe Kommentar in mehreren Blogs ist sicher ein gutes Zeichen dafür, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Hinterher kommen sie trotzdem in der Regel nicht, wenn das Thema erst mal läuft.

    Wenn es richtig teuflisch sein soll, dann muss der Ansatz weniger plump sein: dann muss die Botschaft authentisch von Bloggern aufgegriffen werden, die dabei noch glauben, Gutes zu tun. Meine aktuelle Lieblingsverschwörungstheorie ist dementsprechend, dass die Blogosphäre (und die Presse aber auch) gerade Träger einer geschickt inszenierten viralen Kampagne von Scientology geworden ist. Empörungsreflexe funktionieren immer und so ist eine Organisation wieder ins Gespräch gekommen, die schon fast vergessen war. Das war sie Anfang der 90er schon einmal, bis “Aussteiger” in den Medien auftauchten, die bizarre Geschichten erzählten. Beweisen kann ich nichts, aber das haben Verschwörungstheorien so an sich. Etwas besseres als eine Cyberkriegserklärung konnte denen jedenfalls nicht passieren. Mein Logikbug hier: das alles lässt sich auch ohne das Axiom zentraler Steuerung und Absicht erklären, es kann einfach so passiert sein.

  4. ich gebe dir ja in fast allen punkten recht, nur, ich behaupte natürlich nicht, das obige wäre DIE weisheit, sondern, wie gesagt, nur ein erster denkansatz, was noch kommen könnte.
    und ich bin mir sicher, es wird so kommen, wenn blogs doch den durchbruch als “meinungsmacher” hätten.
    sind viele wenns und abers, aber, man sollte es im hinterkopf behalten.

    “..dann muss die Botschaft authentisch von Bloggern aufgegriffen werden, die dabei noch glauben, Gutes zu tun..”
    genau davon rede ich ja im grunde.
    ein einfaches mitkommentieren wird nicht reichen. dahinter muss eine “geschichte” stehen, also eine vorbedachte strategie. wie man diese dann im einzelnen erkennen können wird, ist ja die frage?
    und ob man solche strategien dann am ende überhaupt erkennen kann, sowieso..

    passieren wird es, es wird leute geben, die darin eine geschäftsidee wittern werden, es wird firmen geben, die sich evtl. dieser “dienstleistung” bemächtigen werden. ob es was bringen wird?
    hm? gute frage, ich denke schon, denn wenn blogger ein thema hochpoppen lassen, dann kann man, wann immer man will, sämtliche dann erscheinenden kommentare und eben auch meinungsäusserungen nachlesen, sich also durchaus beeinflussen lassen aka manipuliert werden. relativieren ist manipulieren.

    es gibt ja nicht nur DAS eine wissen, sondern der prozess ist dynamisch, er bildet sich in diskussionen, meinungsäusserungen usw., an dieser stelle dann gezielte relativierungen zu setzen ist durchaus eine strategische planung wert. fraglich ist natürlich, wie gesagt, obs sich lohnt, ob es tatsächlich so durchführbar wäre, ob blogs überhaupt in die richtung der meinungshoheit tendieren werden usw.?

    wenn man bei stefan nachliest, dann wird da tatsächlich ein schuh draus..

    ps: wenn man bedenkt, dass das obige szenario sich im grunde an die heutige alltagswelt der klassischen medien hält, dann darf man mit solchen und anderen strategien auch in blogs rechnen. immerhin sind blogs auch öffentlichkeit, also eine zu beobachtende instanz.

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