Verbreitet AFP Angst und Schrecken? [Update]

Vorhin konnte ich bei Turi eine Schreckensmeldung lesen:”..Die Nachrichtenagentur AFP geht in Deutschland massiv gegen Tausende von Text-Dieben vor. Mehr als 10.000 Verstöße gegen das Urheberrecht hat AFP mit Hilfe einer Spezial-Software ermittelt – jetzt droht Sitebetreibern, Bloggern und sogar AFP-Kunden Ungemach…” (Original der Meldung ist von der Frankfurter Rundschau).

Aha! AFP will, so die Botschaften, also gegen “Tausende von Text-Dieben” vorgehen.
Ein guter Freund von mir betreibt eine Privatseite, ist 1&1-Kunde, so wie ich auch, und hat dort sog. “Content-Module” von 1&1 verwendet und einen Nachrichtenticker laufen lassen, sämtliche Nachrichten waren von AFP inkl. Bilder.
Nachdem ich die Meldung bei Turi und der FR gelesen hatte, hab ich natürlich gleich meinen Kumpel angerufen und ihn auf die AFP-Absichten hingewiesen. Der Freund hat erst mal, bevor alles geklärt ist, den Nachrichtenticker von seiner Seite gelöscht.

Da ich auch 1&1-Kunde bin, hab ich dort angerufen und nachgefragt, ob es denn auch 1&1-Kunden treffen könnte, also die “Abmahnungen” von AFP, und ob 1&1 dann im Fall der Fälle die evtl. Kosten übernehmen würde. Bisheriger Stand: Bei 1&1 wusste man erstmal nichts von der aktuellen Meldung bzgl. des Vorgehens von AFP. Man werde sich darum kümmern und klären und mir bescheid geben. Ich bin mal gespannt, ob 1&1 klar und deutlich erklärt, dass Kunden keinerlei Abmahnungen oder ähnliches von AFP zu erwarten haben. Oder wie auch immer. Ich werde hier updaten, wenn ich diesbzgl. neue Infos von 1&1 bekommen habe (eine erste Email ist von 1&1 eingegangen, aber noch keine klare Aussage siehe weiter unten).

Weiterhin hab ich, um etwas mehr Licht in die Sache zu bringen, bei AFP in Berlin angerufen und dort mit einem Hr. Krieger gesprochen und dieses Telefonat auch aufgezeichnet, vorher natürlich gefragt. Ich habe bzgl. des Telefonats mit Hr. Krieger vereinbart, dieses hier nicht als Audio-Datei zu veröffentlichen und halte mich natürlich auch daran. Kann ich nachvollziehen, Hr. Krieger meinte, er müsse sich natürlich erst besser darauf vorbereiten. Mein Anruf kam ja auch unvorbereitet, es ist ja eher selten, dass Blogger gleich zum Telefon greifen (ich meine das tatsächlich so und nicht sarkastisch bzw. zynisch).
Ich kann grob sagen, dass Hr. Krieger sehr nett war und die Absicht von AFP defintiv nicht so zu verstehen sei (wie in den Meldungen z.B. von Turi), dass jetzt gegen alle Blogger vergegangen werden würde die AFP Meldungen (als Zitat) in ihrem Blog gepostet hatten. Vielmehr würde AFP besonders gegen kommerzielle Verwerter der AFP-News vorgehen. Hr. Krieger konnte aber nicht völlig ausschliessen, dass es nicht doch auch nichtkommerzielle Privatschreiber (z.B. Blogger) bzgl. der Abmahnungen treffen könnte. Diese sollten sich aber dann, in diesem Fall, unbedingt an die Kanzleien wenden und die Sache aufklären. Hr. Krieger betonte besonders, dass die ausführenden Kanzleien besonders ausgesucht wurden und eben nicht pure Abmahner wären. Man könnte und sollte also unbedingt mit ihnen in Kontakt treten und die Sache aufklären. Abmahnungen würden dann wohl auch zurückgezogen werden.

Bzgl. des Zusammenhangs als 1&1 Kunde, also wann ist man betroffen oder nicht, habe ich von 1&1 leider noch keine klare Stellungnahme bekommen, in einer bisherigen Email wurde ich gebeten für eine hundertprozentig sichere Auskunft mich per Fax an die Rechtsabteilung von 1&1 zu wenden und bis dahin keine AFP-Meldungen zu nutzen.
Ein Fax?
Hm…was hat ein Fax mehr, was eine Email nicht hat?

Gerade habe ich aber von Hr. Krieger einen Rückruf mit einer Stellungnahme bekommen, die mir gleich noch, wenn ich den Beitrag fertig geschrieben habe, via Email zugestellt wird (ich wünschte das so).
Ich werde dann sofort hier updaten, wenn die Stellungnahme von Hr. Krieger eingegangen ist.

Wenn ich die erste Email von 1&1 jetz richtig verstehe, sollte man sich als Kunde also, bevor man die Content-Module von 1&1 verwendet (also die, die AFP-Material verwenden) erst per Fax an die Rechtsabteilung wenden und bis dahin eben keine AFP-News auf der eigenen Seite einbinden? Hm? Also, äh, ja, äh…ne, was? Hä?
Tsss…ich bin verwirrt!

Zur Frage der Überschrift “Verbreitet AFP Angst und Schrecken?”
Ich würde erst mal sagen, nein, Schrecken verbreitet im Moment vor allem der Hr. Turi mit seinem Newsdienst, warum auch immer!

[Update]
Gerade ist die Stellungnahme von Hr. Krieger von AFP eingegangen:
“…
Sehr geehrter Herr Meißner,

vielen Dank für den Link. Zu 1&1 kann ich Ihnen Folgendes sagen (und das können Sie natürlich auch so zitieren): 1&1-Kunden, die sich mit Blick auf AFP-Content an die Verträge mit 1&1 halten, haben nichts zu befürchten; sie werden bei der Suche mit Textguard automatisch ausgefiltert.

Sollte es doch mal jemanden erwischen, sollte er (oder sie) – wie Sie ja auch schon in dem Blog geschrieben haben – sich an den Anwalt wenden und auf seine Kundenbeziehungen zu 1&1 berufen.

Das turi-Zitat ist übrigens in seiner Zuspitzung von dem FR-Artikel nicht gedeckt (siehe unten). Unser Vertriebschef wird von der FR unter anderem zitiert mit den Worten: “Wir haben es nicht auf Blogger, Lehrer und Professoren abgesehen.”

Viele Grüße,
Andreas Krieger

Geschäftsführer
Redaktionsmanagement / Personal
..”

Also, wer als 1&1 Kunde eine Abmahnung oder ähnliches von AFP bekommen hat oder bekommt, sollte sich also dringend an den Anwalt wenden. Das ist doch mal eine klare Aussage!

4 comments

  1. [...] Abmahnungen ins Haus flattern. Wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtet, scheint AFP sehr professionell vorzugehen, indem man eng mit einem Software / Content-Spezialisten zusammen arbeitet. Die Hamburger Agentur [...]

  2. … ich betreibe hobbymäßig eine kleine Community und hatte 2008 auch mal News drin. Die seite und die News existieren nicht mehr, trotzdem habe ich zwei tage nach dem seite abgeschaltet wurde einen Brief mit einer saftigen Strafe bekommen…

  3. Also wie es scheint geht afp auch unberechtigterweise gegen externe Redakteuere vor. Wir haben nunmehr mehrere Pressemitteilungen vorliegen, die definitiv nicht von afp stammen, mit einer Versicherung von Eidesstatt, dass diese selbst von den Redakteuren verfasst wurden. Und dennoch macht afp seine Ansprüche daran geltend. Also am besten genau prüfen ob afp überhaupt Rechte daran hat und danach volle Kanne gegen afp wehren.

  4. Na ja, volle Kanne dagegen wehren… sag das mal einer Studentin, die selber wenig Geld zum leben hat, geschweige denn für einen Anwalt…

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