Grosse Anklage [2.Update]

Liebe KirchenvertreterInnen, PfarrerInnen, Päpste usw.,

was ist eigentlich los mit Euch? Pennt ihr gerade alle noch? Habt ihr eure Augen und Ohren verschlossen? Sind eure Herzen verstummt? Ist euer Verstand zu sehr in das Studium der Vergangenheit vertieft?

So sehr ich auch dieses oder jenes abwäge, also das Pro und Contra für eure Zurückhaltung bzgl. des Internets, so sehr muss ich mich aber auch wundern? Sind euch die Möglichkeiten nicht klar? Sind eure Strukturen zu festgefahren? Habt ihr keine Ahnung, was uns allen durch das Internet eigentlich geschenkt wurde? Die Fragen stelle ich übrigens als bekennender Nichtchrist. Die kirchliche Lehre gibt mir keine Antworten oder sonstige Inspirationen, ich brauch das nicht, ich hab meinen Verstand. Selbst denken stell ich immer über Fremdmeinen.

Gerade die Kirchen, egal welche Konfession, sollte doch aus der langen Geschichte ihres Bestehens gelernt haben? Uns Menschen, zumindest in den Industrinationen/Demokratien, geht es so gut, wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Wir Leben unsere Tage im Zweifel damit, ob wir uns dies oder jenes kaufen sollen, müssen aber nicht mehr hungern oder an kleineren Erkrankungen sterben oder ähnliches. Natürlich erwischt es uns alle irgendwann, bis zu dieser Zeit können wir, aufgrund der gewonnen Freizeiten, gerne auch philosophisch denkend Dahingehn. Unser heutiger Zustand ist durchaus als Teil irgendeines Ideals zu sehen. Wir Leben doch das aus, was Jahrhunderte vor uns gepredigt wurde? Wir müssen Niemanden mehr töten, um Nahrung zu erlangen. Wir müssen keiner Seele zu sehr auf die Pelle rücken, um Freiräume, unsere individuellen, zu bekommen. Wir müssen die Rechte anderer nicht beschneiden, solange wir im Kontext unserer gesellschaftlichen Übereinkunft handeln.

Was hindert die Kirche daran, um jetzt mal das vorgeplänkel fallen zu lassen, sich für das Internet einzusetzen? Wo blieb der Sturm der kirchlichen Entrüstung, als die CDU, allen voran Fr. von der Dings, dabei war, dieses Internet zu zensieren? Wenn die Kirche intern irgendwas gelernt haben muss aus ihrer eigenen Geschichte, dann doch wohl, dass Meinungsfreiheit eben doch, langfristig gesehen, zu einer besseren Gesellschaft führen muss. Und es ja auch tat.

Die Bemühungen früher durch die Kirchenvertreter, ihr Monopol auf “Trallala” (ich nenns mal so, gemeint ist natürlich der Anspruch die einzige wirkliche Wahrheit zu wissen, obwohl ja nur ich die kenne:) dadurch zu schützen, in dem es andere tötete, folterte, mundtot machte usw. war doch der dümmste je zu gehende Weg, den man einschlagen konnte. Es mussten erst die Gesellschaften aufbegehren, bis auch die Kirchen merkten, dass sie defintiv im Unrecht waren, obwohl ihre eigenen Lehren (die Bibel) es schon länger wussten.

Um mal noch konkreter zu werden: Wann werdet ihr eigentlich merken, dass das Internet nicht nur ein Geschenk ist, sondern sicherlich mehr, viel mehr. Es stellt ja einen Teil des biblischen Ideals dar, dass eben jeder Mensch eine gleichberechtigte Stimme haben muss und durchs Internet ja auch endlich bekommt. Gerade jetzt solltet ihr also mal in euch und eure Zukunft gehen und überlegen, wieviel Energie eigentlich in diesem Internet steckt? Es verbindet über alle Grenzen hinweg Menschen miteinander und wird sie, weil es schier unendlich viele Meinungen zu besitzen scheint, verbessern. Durchaus auch im Sinne der kirchlichen Lehre. Die Probleme der Dritten Welt wird man nicht mit Politikerversprechen, die gefühlt zu 99,99% schlichte Lügen sind, beheben können. Veränderungen werden nur dann funktionieren, wenn sie von der breiten Masse, also uns Normalos, verlangt werden. Nicht jeder von uns versteht, was da gerade alles falsch läuft in der Dritten Welt. Leider sind wir über Jahrzehnte von der angeblich “freien” Presse recht übel verarscht worden. Viele dringende Themen schaffen es gar nicht in die Blättchen, weil diese Medienindustrie leider in den Händen weniger Monopolisten liegt. Wie früher die Kirchen auch. Den Kirchen traue ich aber zu, im Sinne ihrer eigenen Lehren, handeln zu können UND zu wollen. Also eben auch das lernen aus Fehlern.

Der größte Fehler der Vergangenheit war, dass wenige K-Fürsten sich anmaßten über das Wohl vieler entscheiden zu können, obwohl sie nichtmal über die Länge ihrer eigenen Fussspitzen hinaus denken konnten. Natürlich wurde das Bild der Kirchen, gemeinhin ihr Image in der heutigen Zeit, eben auch von trotteligen Idioten geprägt, die damals z.B. Galileo und viele viele andere der Dummheit oder anderer Dinge bezichtigten. Wir wissen aber doch mittlerweile, dass Idioten immer und überall gerne das Ruder in die Hand nehmen wollen und dann den Kahn in den nächstbesten Abgrund schiffen. Man muss nur mal die Politik der vergangenen Jahre der USA betrachten, dort war ein Oberidiot am Ruder. Das Ergebnis ist heute für jeden Fragenden offen und schonungslos in seiner ganzen Härte erkennbar.

Jetzt, gerade jetzt, gibt es aber auch für die Kirchen neue Chancen ihre durchaus sinnigen Lehren vernünftig für Jedermann zur Verfügung zu stellen. Ich fordere das ja schon länger, gerade auch von den Kirchen, endlich das Potential des Internets auch aktiv, d.h. handelnd, weil wollend, zu fördern. Verteufelt nicht mehr länger, was ihr in seiner langen Auswirkung nicht verstehen könnt, weil manche von euch vielleicht zu sehr im Gestern leben, obwohl die Fragen des Morgen und Übermorgen die entscheidenden sein werden. Der Weg hin zum erreichen des Ideals, über alle Grenzen hinweg, wird nur und mit dem Internet funktionieren. Freiheit ist keine Glosse, sondern der einzige gehbare Weg. Alles andere sind nur wieder Verzögerungen, Verwirrungen und andere Ver’s, mehr nicht.

Gerade der krichlichen Lehre sollte eigentlich bewusst sein, wie fragil Gesellschaften sein können. Langfristig müssen deshalb Grundlagen geschaffen werden, die unumkehrbar sind. Eine gleichberechtigte Stimme in den weiten der Meinungen ist allemal jegliche Anstrengung wert. Wer das anzweifelt, frisst wahrscheinlich auch Zombies zum Frühstück!

[Update]
Pfarrer Heiko Kuschel hat etwas zu meinem Beitrag geschrieben. Ich habe dort kommentiert. Können wir mehr von der Kirche in Zukunft bzgl. des Erhaltes des Internets erwarten? Das ist die wichtige Frage.

[2.Update]
Weiter gehts im Diskurs.

3 comments

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von weltherrscher, weltherrscher erwähnt. weltherrscher sagte: Wer das anzweifelt, frisst wahrscheinlich auch Zombies zum Frühstück! http://is.gd/5d80A @citykirche_sw etwas ausführlicher..:-) [...]

  2. Kirche ins Netz!…

    Der „Weltherrscher“, so nennt er sich, hat sich mit der Kirche und dem Internet beschäftigt. Ein wirklich lesenswerter Artikel eines „bekennenden Nichtchristen“, finde ich, denn er sieht vieles sehr differenziert. Da ist ni…

  3. Die Kirche und das freie Internet – wirklich frei?…

    Der „Weltherrscher“, so nennt er sich, hat sich mit der Kirche und dem Internet beschäftigt. Und ich hatte darauf geantwortet, aber, lieber Weltherrscher, ich gebe zu, dass ich das Anliegen des Eintrags ein wenig missverstanden habe. E…

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