Die drei Tage in Dortmund waren echt anstrengend.
Irgendwann später werde ich noch einen Gesamtfilm diesbzgl. hier online stellen. Die Hinfahrt mit dem Auto war reinstes Chaos. Auf der Sauerlandlinie (A45) herrschte mal wieder das übliche, hier in Gießen regnete es, je weiter ich ‘gen Norden fuhr, desto mehr Schnee -und Eisregen behinderte die Fahrt.
Dennoch konnte ich endlich, so gegen 15:xx Uhr das Auto vor dem 70er-Jahre-Style-Hotel abstellen, meine Klamotten ins Zimmer werfen und zum Treffen der eingeladenen Blogger mit Malte Spitz gehen.
Die anderen Blogger waren: Marcel, Korbinian, Heiner und Bastian PS: Ups, Claudia Laux hatte ich total vergessen.
Es gab eine kleine Einführung, also wo wir uns hinsetzen konnten, wer zuständig war bei Fragen (zwei richtig nette Frauen) und noch so ein bisschen Dies und Jenes.
Ich mach jetzt fast einen Basic, aber nur fast:
Die Themen der Grünen waren und sind mir eigentlich völlig schnuppe gewesen. Mich trieb etwas neugier, vor allem aber die Frage, wie werden Blogger in so ein System, der Parteitag der Grünen in diesem Fall, eben von den Grünen eingebunden, wie funktioniert das “Embedded Blogging”, welche Eindrücke und Erkenntnisse kann man gewinnen und natürlich, wie stehen die Verantwortlichen der Grünen dazu (hierzu ruhig mal das lange Interview mit Malte Spitz anhören, da stelle ich ganz gezielt Fragen diesbzgl.)?
Wie Till hier in einem Kommentar richtig angenörgelt hatte, habe ich kaum oder eigentlich gar nicht irgendwelche parteipolitischen Themen der Grünen hier gepostet (Tills Kommentar hab ich, wie immer gelöscht. Till will ja der am meisten gelöschte Kommentator in der deutschen Blogosphäre werden).
Die Parteiprogramme irgendeiner Partei sind mir ungefähr so wichtig, wie die Tatsache, dass Parteien Leute für eine Europawahlliste aufstellen, also gar nicht.
Vielleicht symphatisiere ich mit den Grünen, eigentlich weiß ich das gar nicht so genau, sehe die Grünen aber vor allem kritisch. Ihr völliges Versagen in der Gas-Schröder-Koalition zeigte mir, wie bestimmt auch vielen anderen, vor allem eins: Parteiprogramme sind das mediale Exkrement ganz nahe am Arschloch der Parteien, wenn sie erst mal abgedrückt wurden, interessieren sich die Macher, also die Parteien, kaum mehr dafür.
Was für mich zählt sind die Dinge, die dann im eigentlich Regierungsalltag “vollbracht” werden. Hier kann man den Grünen, wie auch den anderen Parteien, genau eins bescheinigen: Völliges Versagen und Chaos, gerade in den eigenen Idealen aka Parteiprogrammen. Die Grünen hatten sich in ihrer Regierungszeit von den alten Polithaudegen der SPD schlicht übers Ohr hauen lassen und ihre Ideale/Parteiprogramm einer heuchlerischen Machtkorruption unterworfen, die ihren Gipfel im Regierungsbruch fand.
Fazit: Mir waren die Themen des Parteitages also schnuppe bis völlig scheissegal. Warum sollte ich mir also die Mühe machen und sie hier aufbereiten? Genau, ich habs also gelassen. Wichtig war mir im Grunde nur, wie das ganze aus Bloggersicht abläuft, was man da also erlebt, wie man selbst Teil des “Embedded Bloggings” wird, welche Eindrücke wirken und natürlich, warum und weshalb Parteien “plötzlich” die Blogger wahrnehmen?
Nochmal der Hinweis auf das Interview mit Malte Spitz.
Eigentlich wollte ich auch noch andere dazu befragen, habs aber dann doch gelassen, weil ein Statement von dem Hauptverantwortlichen für die “Blogger-Strategie” der Grünen ausreichend erschien.
Natürlich habe ich nicht die ganze Zeit dort gehockt und insgeheim meinen “Plan” durchdacht, ganz im Gegenteil, wie man hier lesen kann habe ich mich ins “kalte” Wasser begeben und mich mitreissen lassen. Wollte die Eindrücke nicht nur skeptisch “aufnehmen”, also aus der Distanz betrachten, sondern sie mit Haut und Haaren erleben.
Ich hatte wild getwittert, geblogt und zum Glück Marcel angeboten, ihn bei seinen Interviews zu filmen.
Der einzelnen Interviews:
- Interview mit Cem Özdemir
- Interview mit Tarek Al-Wazir
- Interview mit Ska Keller (kein Video, techn. Fehler, leider)
- Interview mit Hans-Christian Ströbele
“Zum Glück” übrigens nicht wegen der Interviewpartner, sondern wegen Marcel. Marcel ist 17 Jahre und hat echt cool gemacht. Respekt! Soviel zum Thema, die Jugend von Heute hätte keinen Bock auf gar nichts, keine Ahnung von Irgendwas usw. usf., Marcel hat eindeutig das Gegenteil bewiesen!
Ich denke, seine Stil wird langfristig noch Interessant werden für die Blogosphäre, wenn er am Ball bleibt.
Wer weiß, vielleicht macht er sogar Karriere damit?
Kommen wir aber zurück zu meinem Hauptthema:
Welchen Stellenwert haben Blogs mittlerweile eingenommen, auch und gerade aus der Sicht von Parteien, die ja durchaus Eigeninteressen verfolgen, wenn sie Blogs und Bloggern Relevanz zuschreiben?
Im Interview mit Malte, wird glaube ich klar, dass Blogs mittlerweile relevante Ansprechpartner auch für Parteien geworden sind. Der WDR hat in einem Bericht bei Westpol die “gesponserte” Blogberichterstattung kritisch unter die Lupe genommen (Video gibts dort auch). Das ganze dann aber aus der manipulativen Sicht eines Konkurrenzformates im Internet. Fakt ist heute durchaus, dass Blogger eine Konkurrenz zu den klassichen Medien darstellen. Die kMedien, Fernsehen/Radio/Presse, wissen sehr gut, dass sie “etwas” unternehmen müssen gegen den “Druck” der Blogosphäre. Wer die Diskussionen schon länger verfolgt, so wie ich, erkennt eben den Charakter manch manipulativer Berichte. Im Westpol-Bericht wird ein negatives Bild gezeichnet, als ob die Blogger jetzt, weil sie Reise -und Hotelkosten erstattet bekommen, mediale Verlautbarungssklaven für “Jedermann”, der bezahlt, geworden wären.
Der Hauptkritiker der ganzen Aktion, natürlich ein Journalist (!), war David Schraven, der auf Ruhrbarone, einem kleinen völlig unbedeutendem Blog, ein Fass aufmachen wollte aka Blogbekanntheitsgrad pushen auf Kosten der Blogger. Seine Einlassungen bzgl. der Thematik (Bericht auf Westpol) sind genau eins: heuchlerische Journalistenmoral, also genau der Grund, warum sich sowas wie Blogs überhaupt gebildet haben. Klar das der WDR darauf gleich angesprungen ist. Die Mär vom “Sponsorbloggern” lässt sich wunderbar manipulativ ausbeuten.
Ich wurde auch diesbzgl. interviewt, hatte die ganze Thematik aber relativiert, eben sachlicher dargestellt, das wurde aber nicht gesendet. Klar, warum auch, das gezeichnete Bild des Westpol-Beitrages passt viel besser in den “Konkurrenzkampf” auf den die kMedien schon länger reiten.
Witzig ist, dass in dem ach so sachlichen Westpol-Bericht nicht gesagt wurde, dass David Schraven auch schon für den WDR tätig war:”…Nach seinem Abitur 1990 am Heinrich Heine Gymnasium in Bottrop entschied er sich für ein Studium der Slavistik, Politologie und Geschichte an der Universität Bonn. Bereits während des Studiums arbeitete er als freier Journalist für die Neue Zürcher Zeitung, taz und den WDR…”.
Was soll ich als Blogger jetzt davon halten, dass Jemand ein Fass aufmacht, und zufällig genau der Sender darüber berichtet, für den er auch mal täig war?
Fazit: Es ist wie es ist, scheppe Arsch, scheppe Schiss Journalisten holen gerne eine Moralkeule raus, weil sonst nichts anderes dahinter ist.
Wieder zurück zum Thema:
Gut ist, dass die Blogosphäre eben nicht mehr nur die “Klowände des Internets” sind, sondern mittlerweile auch in der Politik mehr Relevanz bekommen haben, auch wenn die kMedien noch so sehr aufstampfen und trotzig berichten, wir sind da! Wir sind mittlerweile ein Fakt, den ihr nicht mehr bekämpfen solltet, sondern kooperiert endlich mit uns, unserer Demokratie kann es nur nützen!
Besonders Gut auf dem Parteitag fand ich, dass die zuständigen Strategen der Grünen, Malte Spitz, wohl die ersten sind, die es erkannt haben. Blogger können sich jetzt, durch Kreativität und Engagment, an der gelebten Demokratie beteiligen, Teil der “großen” Dinge werden.
Malte hats im Interview gesagt (ca. gegen 13:15 und 24:30): Blogger können sich beteiligen und werden eben, wenn sie kreative Ideen haben, gerne gehört. Das ist durchaus ein Anfang.
Und macht mir, aus Sicht eines Bloggers, die Grünen durchaus symphatisch.
Ob ich sie wähle?
Wahlgeheimnis!..:-)
[Update]
Ein anderes Parteiblog (SPD) äussert sich auch kritisch zur “Bezahlung der Blogger” und nimmt Bezug zu dem Westpol-Bericht. Sollte aber sicher auch auf diesen Beitrag hier verweisen, spez. auf die Tatsache, dass der WDR mal “eben” vergessen hat, zu erwähnen, dass besagter Ruhrbaron mal tätig war für den WDR.
Nochmal mein Hinweis: ich kreide das nicht David Schraven an, sondern dem WDR, der die Moralkeule geschwungen hat, so ein Zerrbild der Blogger erzeugte, und im eigenen Beitrag nicht darauf hingewiesen hat, dass ihr “Kronzeuge” und “Blogger”, aber ja eigentlich Journalist, für den WDR tätig war. Das hat ein “geschmäckle” und zwar wesentlich mehr, als Blogger einzuladen, die es sich sonst nicht leisten könnten.
[2.Update]
Marcel äussert sich in seinem Blog auch bzgl. des WDR-Beitrages:”..Besonders verwunderlich ist es nicht, dass David Schraven Teil dieser Kampagne ist. Als Journalist ist auch sein Arbeitsplatz gefährdet. Sein Blog betreibt er täglich, um andere Dinge zu berichten. Man muss sich schließlich absichern, falls es in der Zeitungsbranche keinen Platz mehr gibt..”
Auch Bastian hat das Thema “WDR-Bericht” in seiner Rückschau betrachtet. Den Vorwurf der “Käuflichkeit” beschreibt Bastian so:”..empfinde ich ehrlich gesagt als Beleidigung..” .
[3.Update]
Marcel hat eine Reaktion vom WDR erhalten.



